Reisebericht über eine Rhein-Wanderung

Rheinwanderung von Oberwesel bis Bonn

Ich hatte als Kind eine "to do Liste", worauf stand, einmal mit der Fähre von Warnemünde nach Gedser, einmal eine Wattwagenfahrt in Cuxhaven und einmal den Rhein entlang von Main bis Köln. Die Tour am Rhein entlang beruhte auf ein Jugendbuch meiner Mutter, welches "Jutta fährt Lambretta" hieß. Darin haben zwei Mädchen bei einem Fahrradrennen um 1950 eine Lambretta gewonnen und sich entschlossen, von Mainz bis Köln mit diesem Mofa zu fahren. Dies war eine total amüsante und romantische Reise, immer am Fluss entlang und von einem Winzer zum nächsten. Als ich meiner Freundin Bruni bei einem Cocktail davon erzählte, reifte unsere Idee. Wir hatten sieben Tage Zeit und viel Unternehmensgeist. Da wir kein Mofa haben und eine Menge von der Landschaft sehen wollten, haben wir uns entschlossen, die Strecke zu laufen. Also habe ich mir Wanderschuhe und einen Rucksack gekauft und die Planung konnte beginnen. Nun sind 190 km in 7 Tagen mit An- und Abreise von Berlin eine ganze Menge und wir mussten Kompromisse finden. Am Ende war unser Routenplan fertig und es konnte losgehen. Wir flogen an einem Mittwochmorgen ende April von Berlin-Tegel bis Frankfurt am Main und setzten uns dann in den Zug bis Oberwesel.

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Von da ging es dann zu Fuß weiter. Die Strecke führte uns direkt am Rhein entlang, auf der linken Flussseite mit dem Blick auf Schiffe und Burgen. Allerdings auch immer an der B9 und an der Bahnstrecke. Außerdem war die Straße durchgängig asphaltiert, was für die Füße nicht so angenehm war. Wir passierten den berühmten Loreley-Felsen. An welchem wir allerdings nicht anhielten, da wir mit unseren Rucksäcken zuerst ins Hotel in Sankt Goar wollten. Unser Hotel lag direkt an der Uferstraße an der Fährstation. Nachdem wir unsere Rucksäcke abgeladen haben, machten wir uns auf den Weg, das Städtchen und seine Umgebung zu erkunden. Sankt Goar ist ein kleines Städtchen mit rd. 2.800 Einwohnern und in unmittelbarer Nähe befindet sich die Burg Rheinfels. Der Weg dort hinauf war nicht so sehr lang aber steil. Es gab zwar auch einen "Burgenexpress" aber wir wollten ja laufen. Von der Burg hatten wir einen wunderschönen Blick über das "Loreleytal". Auf dem Rückweg kamen wir an einem gemütlichen Bier-/Wein-Garten, wo wir unseren ersten Rheinwein aus Römergläsern bei einem herrlichen Sonnenuntergang genießen konnten.

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Die nächste Etappe sollte in das 29 km entfernte Lahnstein gehen, und da wir keine Lust hatten wieder auf der Straße zu laufen, fragten wir den Wirt nach einer Alternative. Und die gab es wirklich. Wir setzten mit der Fähre über nach St. Goarshausen und von da ging es zum Rheinsteig. Der Rheinsteig liegt rechts vom Rhein und ist 320 km lang. Womit wir nicht gerechnet haben, er ging bergauf und bergab durch Wälder und Weinberge mit spektakulären Ausblicken auf das Rheintal.

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Dieser Weg war wunderschön, aber nach dem ersten Anstieg war ich schon total durchgeschwitzt und völlig außer Puste. Das ging nun etliche Male so weiter. Unterwegs waren wir immer wieder erstaunt, wie weit die Vegetation hier schon war. Es grünte und blühte überall. Die Kastanien, der Flieder und auch viele Rosen waren in voller Blüte. Nach ca. 3 Stunden kam mitten auf dem Berg in einem kleinen Dörfchen eine "Raststätte", wo wir unseren Durst löschen konnten. Bald danach ging es weiter und wir mussten uns entscheiden, wie wir die weitere Strecke bewältigen, denn wir waren 4 Stunden unterwegs und hatten nur 8 km geschafft. Die Entscheidung, in den nächsten Ort hinunter zu gehen war schnell getroffen, dort wollten wir uns ein Stück in die Bahn setzen und bis Braubach mit dem Zug fahren. So konnten wir ein Stück der Strecke in relativ kurzer Zeit zurücklegen und dann bis Lahnstein, wo unser Hotel gebucht war, weiterlaufen. In Braubach haben wir uns die Marksburg angesehen und hatten wieder einen wunderschönen Ausblick auf den Rhein. Leider zogen nun dicke Wolken auf und wir machten uns an den Abstieg um nicht nass zu werden.

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Unten konnten wir uns dann bei Kaffee und Torte stärken und den Regen abwarten. Da es nicht so aussah, dass es bald aufhört, holten wir unsere Regenjacken raus und machten uns auf den Weg. Aber wir irrten uns und schon nach zehn Minuten lachte die Sonne wieder und wir konnten uns wieder auspellen. Die kommenden 5,5 km bis Lahnstein waren dann nur noch ein Katzensprung. Nachdem wir unsere Rucksäcke ins Hotel gebracht haben, schauten wir uns das Städtchen an und fanden eine urgemütliche Gasstätte für das Abendbrot. Von Lahnstein ging es dann zuerst an der Lahn entlang und dann weiter auf der rechten Seite des Rheins entlang bis Pfaffendorf, wo wir den Rhein überquerten und Koblenz erreichten.

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In Koblenz machten wir uns zuerst auf die Suche nach einem gemütlichen Café, was allerdings nicht so klappte und wir dann in einem Eiscafé landeten. Im Anschluss schauten wir uns die Innenstadt und das Deutsche Eck an, wo die Mosel in den Rhein fließt.

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Leider konnten wir unseren Weg nicht, wie ich gerne gewollt hätte mit dem Dampfer fortsetzen, sodass wir uns auf den Weg zum Bahnhof machten. Die nächsten 17 km konnten so sehr schnell zurückgelegt werden. Unser Hotel in Andernach lag wunderschön am Rhein und bot uns für den nächsten Morgen eine perfekte Ausgangsposition zum weiterlaufen.

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Das nächste Hotel war in Linz gebucht und diesmal wollten wir die 20 km wirklich zu Fuß schaffen. Unser Weg sollte der Rhein-Burgen-Weg sein, welcher sich links vom Rhein in der Höhe entlang windet.

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Es war ein wundervoller und meist gut ausgeschilderter Wanderweg durch den Wald. An einer Weggabelung waren etliche Bäume gefällt und wahrscheinlich auch die, welche die Wegweiser enthielten. Nun hatten wir ein Problem, denn wir hatten drei Möglichkeiten, um weiterzulaufen und natürlich wollten wir mit den Rucksäcken keine Strecke unnötig gehen. Mit Hilfe unserer Handys und GPS waren wir dann allerdings relativ sicher, den richtigen Weg gefunden zu haben und nach einiger Zeit sahen wir weit unten die Fährstation in Bad Breisig, wo wir wiederum den Rhein überqueren wollten.

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Von dort war unsere nächste Station, Bad Hönningen, für eine Kaffeepause nicht mehr weit. Frisch gestärkt mit Waffeln und Kirschen machten wir uns dann auf den restlichen Weg nun wieder rechts entlang vom Rhein, vorbei an wunderschönen Parkanlagen und bei herrlichem Sonnenschein.

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Linz erreichten wir am frühen Nachmittag. Unser Hotel lag genau am anderen Ende des Ortes und überraschte uns mit seinem Charme der 50iger? Jahre. Der Blick von unserem Kämmerchen war wunderschön.

An diesem Abend sollte es noch "Rhein in Flammen" geben und wir machten uns bald auf den Weg, um Abendbrot zu essen und uns das Spektakel anzusehen. Der Innenstadtbereich von Linz war geprägt von wunderschönen alten und sehr bunten Fachwerkhäusern und vielen Gaststätten.

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Gegen 22:00 Uhr fuhr dann ein Konvoi aus vielen Schiffen den Rhein entlang und am Ufer wurde ein riesiges Feuerwerk entzündet.

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Das Frühstück hatte für uns am nächsten Morgen eine Überraschung, wir kamen in einen wunderschönen Speisesaal und fühlten uns in alte Zeiten versetzt.

Von nun an waren wir frei, das heißt, wir hatten keine Zimmer mehr im Voraus gebucht und wir wollten einfach sehen, wie weit wir kommen. Der Hotelinhaber erklärte uns den Weg zum Rheinsteig. Was ganz einfach klang, war jedoch schwer umzusetzen. Unterwegs trafen wir ein Pärchen, was uns anbot sie zu begleiten, um einen moderaten Zugang zum Rheinsteig zu finden, was wir auch dankbar annahmen. Überall unterwegs standen vor den Häusern Maibäume und die beiden erklärten uns die Tradition dazu. Da die Zwei aber nur Spaziergänger waren und wir in diesem Tempo nicht sehr weit gekommen wären, haben wir uns, nachdem sie uns auf den rechten Weg geführt haben, wieder getrennt.

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Kurz darauf landeten wir oben auf dem Berg in der Gaststätte Bergesruh, wo wir als zweites Frühstück Torte, Kaffee und Rhabarberschorle zu uns nahmen. Der weitere Weg war wunderschön und außer netten Menschen, begegneten wir auch einigen Vierbeinern. Und obwohl wir noch gar nicht müde waren, musste der nächste Platz unbedingt für eine Rast genutzt werden.

Von hier konnten wir schon die nächste Stadt, Unkel, sehen. Nachdem wir die Höhe wieder verlassen haben, suchten wir uns dort ein Quartier, was beim zweiten Anlauf auch geklappt hat. Wir haben eine gemütliche Bleibe gefunden. Vor dem Hotel standen Tische in der Sonne und da Kaffeezeit war, gab es nochmals leckere Torte und dazu eine Flasche Riesling aus der Region. Wer von Unkel schon einmal etwas gehört hat, weiß bestimmt, dass in Unkel Willy Brandt lebte.

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Von Unkel konnte man wieder direkt am Rhein auf der rechten Seite laufen. Wir hatten mittlerweile einen Stundenschnitt von 5 km und haben nach relativ kurzer Zeit Bad Honnef erreicht. Dort teilte sich der Rhein um eine Insel und die Landschaft wurde etwas wilder. Was sich dann aber auf dem Weg bis Königswinter wieder änderte.

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In Königswinter angekommen, war mal wieder Zeit für eine Kaffeepause und wir ließen uns die Torte an der Uferpromenade schmecken.

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Nachdem wir dick und rund gefuttert waren machten wir uns wieder auf den Weg. Auf der anderen Rheinseite sahen wir von weitem Bad Godesberg und erreichten am Nachmittag die ersten Ausläufer von Bonn. Um allerdings die Innenstadt zu erreichen, mussten wir erst eine ekelhafte Brücke überqueren, wurden darauf aber mit einer wunderschönen Aussicht und im Anschluss mit einem herrlichen Park belohnt.

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In Bonn machten wir uns auf die Suche nach einem Hotel und wurden auch sehr schnell fündig. Nachdem wir eine Runde im Schwimmbad und in der Sauna waren, machten wir einen kleinen Stadtrundgang und suchten uns eine Gaststätte zum Abendbrot, wo ich endlich einen Rheinischen Sauerbraten bekam.

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Am nächsten Morgen wollten wir noch die Umgebung von Bonn erkunden, sind aber in den Geschäften hängen geblieben. Bonn hat schöne autofreie Einkaufsstraßen im Innenstadtbereich. Um den Rhein noch mal zum Abschied zu winken, machten wir uns auf den Weg zum Fluss und fanden auf dem Rückweg ein nettes Cafe, wo wir die leckerste Torte unserer Wanderwoche bekamen. Gegen 17:00 Uhr machten wir uns auf den Weg zum Flughafen Köln-Bonn und es ging wieder nach Hause.

Alles in allem war es ein wunderschöner Urlaub. Allerdings völlig anders als ich es erwartet habe. Die Winzer am Abend haben wir nicht gefunden und regionale Speisen, die ich gerne probieren wollte, gab es nur in Bonn. Die Landschaft um den Rhein herum ist wunderschön. Gerne würde ich noch mehr vom Rheinsteig erlaufen, dann aber mit einer festen Unterkunft, damit man die vielen Etappen ohne viel Gepäck genießen kann. Für den Punkt Rhein kann ich nun einen Haken auf meine Liste setzen, die Fährfahrt in Warnemünde habe ich auch schon geschafft und obwohl meine Großmutter jahrelang in Cuxhaven gelebt hat, steht die Wattwagenfahrt noch aus.

 

 

 

 

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