Reiseberichte Nordkenia von Jörg Wurmisch - Mandera

Reiseberichte Nordkenia mit Mandera

Reisebericht aus Kenia

So wie die meisten Kenianer in Nordkenia reisen, besuchte ich die Orte, Nairobi, Kitale, Lodwar, Kalokol, Turkanasee, Lokichoggio, Isiolo, Moyale, Marsabit, Nationalpark Marsabit, Nanyuki und Meru.

 

Allein unterwegs in Nordkenia

Der Wunsch den Nordosten von Kenia zu bereisen, entstand schon nach dem ich im Jahr 2005 den Nordwesten und den Nordteil von Nordkenia problemlos bereist habe. Damals waren die Berichte über Nordkenia sehr reißerisch aufgemacht und strotzten mit Berichten über gefährliche Situationen von denen jeder auf seiner kurzen Durchreise gehört oder sie erlebt haben will. Ich war etwas länger dort und konnte keine besonderen Gefahren für mich erkennen.

Diesmal gab es keinen Bericht für den Nordosten von Nordkenia. Ein günstiges Flugangebot mit Airberlin von Berlin-Tegel nach Mombasa für 473,-- € verlockten mich zum Buchen eines Fluges zum 25.11.2010 mit Rückflug am 17.12.2010. Einige Informationen wollte ich vorher noch einholen und dachte, das mir eine der Hilfsorganisationen die vor Ort dort tätig zu sein vorgaben, Auskunft geben könnten. Von zwei Organisationen bekam ich keine Antwort und eine schrieb mir, daß es zur Zeit keine Helfer vor Ort wegen der Gefahren gibt. Im Jahr 2009 haben mir Wachleute (Somalis aus Mandera und Wajir) eines Hotels erzählt das es keine konkreten Gefahren für mich als Reisender gibt und ich fühlte mich dadurch ermutigt diese Reise zu wagen. Vorweg verrate ich, daß die Begegnung mit der Polizei die einzige unerfreuliche Erfahrung war.

 

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In Isiolo dem 01.12.2010 morgens erkundige ich mich an zwei Tankstellen nach einem LKW der nach Wajir oder weiter in Richtung Mandera fährt. Es gab dort kein Fahrzeug. Ein etwas alkoholisierter Typ wollte mich zu einem Platz führen, von dem wie er mir versicherte. normalerweise immer um diese Zeit ein LKW nach Mandera fährt. Ich war skeptisch, seine Argumentation, daß von warteten. Ein Somali, vielleicht auch der Eigentümer des LKW´s, der die Mitfahrt organisierte, wollte von mir 5000 K.Sh. rund 50 € für die Fahrt im Führerhaus haben. Ich kannte ja schon Vergleichspreise und empfand diesen Preis zu hoch. Zähes Beharren auf einen niedrigeren Preis ist in diesem Fall für das Ansehen erforderlich. Ich hätte die Verhandlung abgebrochen wenn wir uns nicht auf 4000 K.Sh. geeinigt hätten. Den Preis hatte ich natürlich erst bezahlt als die Fahrt nach zwei Stunden losging. Die Fracht bestand aus Kohlköpfen und 15 Passagieren die auf dem Vorderteil der Ladefläche und auf dem Gestänge platzgenommen hatten. In der Kabiene hinter mir, saßen in einer Schlafkoje zwei Somalifrauen mit einem Kind. Neben mir, zum Fahrer hin, saß eine Lehrerin aus Wajir. Die Straße von Isiolo nach Wajir war die schlechteste von allen Strecken von gleicher Bedeutung, die ich bisher gesehen habe. Allerdings hatten wir keinen Reifenwechsel, wie sie von Nairobi nach Moyale sehr häufig nötig waren. Auf der Strecke wurde in einem kleinen Ort eine geringe Menge Kohlköpfe abgeladen. In Wajir kamen wir gegen 23 Uhr an. Eine Weiterfahrt wurde für 05 Uhr verabredet. Die Passagiere teilten sich in kleine Grüppchen auf und machten es sich bequem im Umfeld des LKW`sdort fast täglich Gemüse nach Mandera gefahren wird, überzeugten mich und ich ging mit. Er hatte Recht und ich gab ihm vor Freude 500 K.Sh. Der LKW stand zwar nicht da, aber Passagiere die auf diesen LKW

 

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Am 02.12.2010 um 0 Uhr entschloß ich mich den Ort Wajir ein wenig zu erkunden. Ich hätte sowieso nicht schlafen können. Zunächst steuerte ich eine Bank an. Aus Erfahrung weiß ich, daß es dort immer einen Wachmann gibt, man konnte also plauschen und das war in Wajir nicht anders. Nach einer Stunde zog ich weiter um nun die verhältnismäßig breiten Straßen abzulaufen. Wajir hatte mir nicht viel zu bieten. Wajir ist eine Stadt mit rund 33.000 Einwohnern. Sie ist Hauptstadt des Distrikts Wajir in der Provinz North-Eastern in Kenia. Heute leben in Wajir vor allem Somali. Wajir verfügt über Schulen, das Wajir District Hospital, Restaurants, Hotels, einen Busbahnhof, ein Waisenhaus und einer Moschee. Einen kleinen Laden hatte ich noch entdeckt der offen war, vor dem ich es mir auf einem Stuhl bei zwei Flaschen Wasser gemütlich machte. Um 5Uhr fand ich mich wieder beim LKW ein. Viele Mitreisenden haben wohl ebenfalls nicht geschlafen und sie schauten sehr interessiert zu, als ich mich rasierte. Der Fahrer und eine weitere Person schliefen noch unter dem LKW. Mehrere Frauen aus Wajir fanden sich am LKW ein. Der Grund war, daß sie beim Entladen der Kohlköpfe die abgefallenen Blätter aufsammeln durften. Manchmal waren die Verladearbeiter auch großzügig und sorgten für ein wenig Mehr.

 

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Gegen 8 Uhr war dann der Aufbruch. Ich bekam einen neuen Nachbarn, einen älteren sehr gesprächigen Somali. Die Strecke wurde jetzt anders. Der Boden leuchtete abwechselnd in den verschiedensten Rottönen. Die Strecke war nicht mehr als Verkehrsstraße zuerkennen. Sie hatte teilweise eine Ausdehnung von mehreren hundert Meter und wurde durch Spurrillen gekennzeichnet. Jedes Auto sucht sich die glatteste Strecke und weicht ins unberührte Gelände aus, wenn es vorteilhaft ist. Pik Up, mit Miraa beladen, fahren im rasenden Stiel in Richtung Mandera auf dieser Piste. Eine Polizeieskorte oder gar Konvoipflicht gibt es nicht. In einem kleinen Ort, der mir nicht bekannt ist und den ich auch auf keiner Karte finden kann, wurde ein Pause gemacht, ehe es weiter ging.

An den zahlreichen Straßensperren bekomme ich auf mein ständiges Hinterfragen zu Problemen nur eindeutig ein hakuna matata zur Antwort (keine Probleme). Der Boden sah an der Oberfläche trocken aus, dennoch war die Landschaft nicht karg. Hin und wieder standen Hütten am Straßenrand. Es gab, wenn auch nur wenige Tiere, Strauße, Giraffen und Zebras zusehen Lediglich eine kleine Antilopenart kam häufig vor. Nomaden waren mit größeren Herden von Kamelen und Ziegen unterwegs. Die Pflanzen wirkten, bei einem fast dunkelroten Boden, dunkelgrün. Die Hütten und kleine Lagerhäuser am Straßenrand kündigen an, daß wir uns El Wak näherten.

 

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Die Schatten wurden schon langsam länger als wir El Wak, das sehr nahe an der Grenze zu Somalia liegt, erreichten. Ich machte schnell aus dem Fenster ein heimliches Foto der dortigen Polizeistation. Ich erfahre das es nur einen kurzen Halt gibt. Passagiere stiegen aus und neue kamen hinzu. Unser Halt war genau vor einer Busstation, die ich noch näher kennenlernen werde. Ein Bild von der Straße, ein kurzes Gespräch mit einem kontrollierenden Polizisten, ein Bild vom LKW und weiter geht's. Es wurde auch schon dunkel und der Fahrer drängelte. Ich erfahre, das wir und damit hatte ich nicht gerechnet, noch 250 km zufahren haben bis wir in Mandera sind. Die ganze Strecke verläuft nahe entlang der Grenze zu Somalia. Die Straße hat sich nicht verändert soweit ich es im Dunkeln erkennen kann. Ich war, eingerechnet die Fahrzeugsuche in Isiolo, schon 36 Stunden ohne Schlaf unterwegs. Trotzdem war ich noch nicht müde. Der Fahrer verputzte jede Menge Miraa und wurde dabei immer ausgelassener. In einem Reiseführer habe ich gelesen, daß es noch eine Strecke von El Wak nach Mandera gibt, die soll aber wesentlich schlechter sein. Kurz vor Mitternacht haben wir einen Polizeiposten am Ortsrand von Mandera erreicht. Die Polizei machte Personenkontrolle. Bei den Vorangegangenen Kontrollen wurde ich niemals nach irgendetwas gefragt. Diesmal mußte ich meinen Paß vorzeigen. Der Polizist forderte mich auf ihm in die Polizeistation zu folgen. Dort erklärte mir der Kommandant mein Visum wäre abgelaufen, genau an meinem Einreisetag.

 

 

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Mit Reden bei meinen sprachlichen Fähigkeiten war nicht beizukommen. Glücklicherweise hatte ich, entgegen meiner früheren Reisepraxis, meinen Flugschein mit. Mit ihm konnte ich den Beamten überzeugen das er im Irrtum war. Nächster Punkt war die Kontrolle meines Fotoapparats. Bild für Bild sah er sich an und fand natürlich auch das Foto von der Polizeistation. Da wurde er im Gespräch unfreundlich. Er sah sich aber noch weitere Bilder an und kam zu den Bildern aus Isiolo. Auf einigen Bildern war ich unter anderen mit dem Schulrat (Ich nenne ihn mal so) aus dem Bezirk Isiolo abgebildet. Ich erklärte den Beamten in dem Moment meine Wichtigkeit (vorgetäuscht) in diesem Schulprojekt und wie ich mich in der Zukunft verhalten werde, wenn er mir Schwierigkeiten macht. Er wurde wieder freundlicher. Meine Reise wurde wegen der angeblichen Entführungsgefahr trotzdem beendet. Ich sollte am nächsten Morgen mit einem Linienbus zurückfahren. Das Foto mit der Polizeistation habe ich als Gegenleistung erstritten. Das weitere fotografieren wurde mir aber eindringlich untersagt. Ich hatte meinen ersten Schlaf auf der Fahrt in der Polizeikantine. Vier Stunden waren mir vergönnt und es fiel mir gar nicht schwer wieder aufzustehen. Am 03.12.2010 um 6 Uhr verließ ich in Begleitung zweier Polizisten ohne Uniform und Waffen die Polizeistation. Ich hatte noch die Hoffnung etwas von Mandera zu sehen, wenn ich zu der Busstation gehe. Dem war aber nicht so. Ich sollte an der Straßensperre zusteigen. Ich mußte nicht lange warten bis der Bus ankam.

 

 

 

 

 

 

Mandera Information

Mandera ist mehr als 1000 km von Nairobi und nur halb so weit von Mogadishu, der Hauptstadt Somalias, entfernt. Sie liegt gerade noch nuf kenianischem Boden am äußersten Zipfel eines viel umkämpften Gebietes zwischen den verfeindeten Ländern Aihiopien und Somalia. Zur Zeit ist Mandera in erster Linie ein riesiges Flüchtlingslager. Der Nachschub von Versorgungsgüter erfolgt von Isiolo aus. Mandera besteht aus einer Ansammlung von Somali bula (Weiler), zwischen denen verstreut die üblichen Verwaltungsgebäude liegen. Es gibt eine Schule, eine Bank und ein Postamt. Der Markt ist der Mittelpunkt Manderas.

 

 

 

 

 

 

 

 

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