Kolumbien

Reiseberichte Kolumbien

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Aus dem Sanella-Album Mittel- und Südamerika

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Kolumbien macht uns den Abschied von Südamerika schwer. Zwar ist es wieder ordentlich warm hier. Aber das Land ist unglaublich fruchtbar und reich an Bodenschätzen. Und die Kolumbianer sind ein fleißiges und lebhaftes Volk. "Der liebe Gott ist Kolumbianer", ist hier ein oft gebrauchtes Sprichwort. Und das soll doch wohl heißen, daß sie mit ihm in bestem Einvernehmen leben und annehmen, daß er es auch gut mit ihnen meint.

Woher die Schokolade ihren Namen hat

Kein Wunder, wenn die Kolumbianer mit dem lieben Gott auf gutem Fuß stehen, war Kolumbien doch einstmals das reichste Goldland der Welt. Die kolumbianischen Indianer machten es den ersten Eroberern und Entdeckern wahrhaftig nicht leicht, an die sagenhaften Schätze heranzukommen. Mit Giftpfeilen und Blasrohren haben sie die schwer zugängliche Küste verteidigt. Da mußten es die Eroberer von der anderen Seite, vom Stillen Ozean aus, versuchen. Kolumbien ist nämlich das einzige Land Südamerikas, das Küsten an beiden Ozeanen hat.

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- Nur ganz nebenbei: Weißt Du, woher die Schokolade ihren Namen hat? Komisch, was? Mitten in Kolumbien auf so eine Frage zu kommen! Aber paß auf: Im Norden des Landes gibt es ein Tal, das "El Chocó" heißt. Dort soll die engere Heimat des Kakaobaumes gewesen sein. Und vom Chocó hat die Schokolade ihren Namen. Merk es Dir, Jupp! Vielleicht kommt die Frage mal in einem Preisausschreiben vor! Und auch sonst kann man ja immer noch etwas für seine Allgemeinbildung tun.

Mit einem Arriero durchs Gebirge

Wir haben ein paar anstrengende Tage hinter uns. Es ist aber auch richtig romantisch gewesen. Fernandez und Onkel Tom wollten in ein noch ziemlich unerschlossenes Gebiet, wohin von Süden aus, woher wir kamen, noch keine Straßen oder Fluglinien führen. Oft gibt es da nur Saumpfade. Allein, zu Fuß wäre das kein besonderes Vergnügen. Wir haben uns deshalb einer Partida, einer Maultierkarawane, angeschlossen. Der Transportführer, den man hier Arriero nennt, war gleich einverstanden. Wir schienen ihm als Begleiter seiner Karawane ganz willkommen zu sein. Sonst muß er für die zwanzig, dreißig Maultiere, die oft kostbare Lasten tragen, ein paar Gehilfen anwerben, die Lohn verlangen. Ein scharfgezeichnetes Gesicht hatte der Mann, die Haut von Wind und Wetter gegerbt. Hose und Hemd, ein Panamahut, der Poncho, der hier in Kolumbien Ruana heißt, und Alpargas an den Füßen, Sandalen mit dicken Hanfsohlen - so zieht er wochenlang mit seinem Transport durchs Gebirge. Aber bald hätte ich das Wichtigste vergessen: das Haumesser, die Machete, die er im Gürtel trägt. Sie ist Waffe und Werkzeug zugleich und unterwegs für alles zu brauchen. - Mindestens fünfzig Kilometer haben wir am Tag geschafft.

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Indianer mit Blasrohr

So ein Blasrohr ist eine tolle Sache, ich habe es mir von einem Indianer vorführen lassen. Ein glattes Holzrohr, 1-2 m lang, darüber eine Schutzhülle. Man kann damit kleine Tonkugeln und Pfeile abschießen. Das ist aber keine bloße Spielerei. Die "Geschosse" sind vergiftet, und die Indianer benutzen die Blasrohre als Jagd- und Kriegswaffen..

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Kolumbien

Das ist das Land zwischen zwei Ozeanen in der Nordwestecke Südamerikas. Es ist besonders reich an Bodenschätzen, hat vorwiegend heißes und feuchtes Klima und im Tiefland tropische Urwälder. Kolumbien hat etwa 10 1/2 Millionen Einwohner.

Bild 85 Rückseite

Mit einer Maultierkarawane unterwegs

Wir haben uns einer Portida, einer Maultierkarawane, angeschlossen. Der Transportführer, den man hier Arriero nennt, war gleich einverstanden. Wir schienen ihm als Begleiter seiner Karawane ganz willkommen zu sein. Mindestens fünfzig Kilometer haben wir am Tag geschafft. Abends hielten wir bei einer Posada an. So heißen hier die einfachen Gasthäuser, ich legte mich gleich hin und war sofort eingeschlafen, als draußen ein wüster Lärm entstand

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Arriero

So heißen hier die Transportführer in Kolumbien, die in dem an modernen Verkehrswegen noch armen Landinneren die ,,Partida" die Maultierkarawane. Auf Saumpfaden begleiten.

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Auf dieser Seite befindet sich der Teil Kolumbien aus dem Sanella Album:

Mittel und Südamerika

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Der Arriero ging die ganze Strecke zu Fuß. Einmal mußten wir alle zupacken: Zwei Maultiere machten schlapp und wollten nicht mehr weiter. Die Lasten wurden umgepackt und die Tiere mit Zureden und Gewalt wieder auf die Beine gebracht. Abends hielten wir bei einer Posada an. So heißen hier die einfachen "Gasthäuser", wo man übernachten kann. Ich habe mich gleich langgelegt. So müde war ich."

Überfall auf den Goldtransport

Ich war gerade eingeschlafen, als draußen wilder Lärm entstand. Wir fuhren hoch. Der Arriero zog die Machete. Im Schein eines kleinen Lämpchens, das den Raum nur mattbeleuchtete, sahen wir drei finstere Gestalten an der Tür. "Was wollt ihr?" fuhr sie unser Arriero an. "Habt ihr Pferde?" Die drei Kerle kamen näher. - Wozu braucht ihr Pferde, mitten in der Nacht?" fragte der Arriero. "Frag nicht lang, carajo! Los, komm mit auf die Weide, zeig uns deine Pferde. Es können auch Mulas sein. Los, auf die Weide!" In diesem Augenblick traten Fernandez und Onkel Tom vor, beide mit entsichertem Revolver. In der Dunkelheit des Raumes mochten die drei Räuber sie vorher gar nicht bemerkt haben. Einen Augenblick stutzten sie. "Carajo!" murmelte der eine zwischen den Zähnen - und schon waren alle drei wieder aus der Tür. Wir hinterher! Die Kerle suchten jetzt bestimmt nach den Mulas. Aber still, was ist das? - Pferdegetrappel, das schnell näher kommt. Jetzt kann es ernst werden, wenn die Banditen durch ihre Kumpane Verstärkung erhalten. Wir verdrücken uns in den dunklen Hausschatten. Die Straße ist vom Mond beleuchtet. Da, der erste Reiter, zwei weitere folgen. Der vorderste pariert sein Pferd. Soldaten! Gott sei Dank! - Kurze Begrüßung und

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Fragen. "Sind hier drei ,Caballeros' vorbeigekommen?" "Ja, dort hinauf sind sie!" Aber die Dunkelheit hatte sie längst verschlungen. Und auf der Straße blieben die bestimmt nicht. - Die Soldaten erzählten. Sie hatten zu fünft einen Goldtransport begleitet, als Bewachung. Während einer Rast hatten sie den Arriero mit den Mulas allein gelassen, um ein bißchen auf die Jagd zu gehen. Caramba, wer konnte ahnen, daß der Arriero inzwischen überfallen wurde. Wie sie zurückkamen, lag der Transportführer gefesselt am Boden. Drei Mulas fehlten samt ihren Traglasten. Nun, das weitere konnten wir selbst erraten. Zwei Soldaten waren beim Transport geblieben, die anderen hatten die Verfolgung aufgenommen. Zu Pferde waren sie schneller als die Räuber. Die hatten, als die Verfolger nahten, die Mulas stehengelassen und sich seitwärts in die Büsche geschlagen. Ja, vermutlich waren sie ihnen endgültig entwischt. Aber wer weiß, morgen früh sollte die Verfolgung fortgesetzt werden.

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Finstere Gesellen

Draußen entstand ein wüster Lärm. Wir* fuhren hoch. Der Arriero zog seine Machete und trat vor die Tür. Im Schein einer Ölfunzel standen drei finstere Burschen, die drohend Pferde oder Mulis von uns verlangten.

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Die Bevölkerung Kolumbiens

Das nach Kolumbus genannte Land hat eine sehr gemischte Bevölkerung: Mestizen und Indios, in den heißesten Gebieten Neger und Mulatten. Kreolen, die Nachkommen der Spanier und Europäer wohnen vor allem in den Städten der gemäßigten Zonen, der Tierra templada und Tierra fria.

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Räuberischer Überfall auf den Goldtransport

Die Soldaten erzählten. Sie hatten zu fünft als Bewachung einen Goldtransport begleitet. Während einer Rast hatten siech den Arriero mit den Mulas alleingelassen, um ein bißchen auf die Jagd zu gehen. Caramba, wer kannte ahnen, daß der Arriero inzwischen überfallen wurde! Als sie zurückkamen, lag der Transportführer gefesselt am Boden. Drei Mulas samt ihren Traglasten fehlten.

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Maultier

Mulas wie sie in Südamerika heißen, sind Kreuzungen zwischen Eselhengsten und Pferdestuten, sehr leistungsfähige, genügsame Tiere, die sich besonders zum Lastentragen eignen. Ein Maultier bewältigt bei einer Last bis zu 3 Zentnern täglich bis zu 25 km. Man verwendet die Tiere vor allem in Ländern mit warmen, trockenen Klima.

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Schade, daß ich nicht teilnehmen kann! Die Kerle würde ich gern mit dingfest machen. Das müßte eine tolle Jagd werden

Tapirbraten um Mitternacht

Der Arriero forderte mich auf, mit ihm nach den Mulas zu sehen. Auf der mondbeschienenen Weide war keins mehr zu erblicken. Aber dort drüben im Dunkel unter den Bäumen - dort grasten sie vollzählig. Ein Glück! Als wir zur Posada zurückkamen, war ein Soldat dabei, im Freien ein mächtiges Feuer zu machen. Die anderen beiden waren zurückgeritten, um ihre Jagdbeute zu holen. Sie hatten einen Bergtapir erlegt. Mehrere Zentner schwer war das Tier. Sie säbelten deshalb nur einen Schinken und ein paar handfeste Koteletts ab und kamen bald mit den gewaltigen Fleischportionen zurück. Es wurde noch ein zünftiges Festessen in dieser Nacht. Das Feuer prasselte. Das Fett tropfte in die Flammen. Uns lief das Wasser im Munde zusammen. Als der Braten fertig war, haben wir alle kräftig 'reingehauen. Dann machte eine Chichaflasche die Runde. Die Nacht war warm. Der Mond goß sein silbernes Licht über die schlafende Landschaft. Der Schrei eines Nachtvogels - sonst Stille ringsum. Von der Chicha leicht benebelt, gingen wir schlafen, der Arriero und wir schliefen in Hängematten. Die Soldaten hatten sich auf den Lehmboden gelegt und schnarchten, daß die Bretterwand der Posada wackelte.

Degenschlucker und Schlangenbeschwörer

Wenn ich an unser Abenteuer mit dem braven Arriero zurückdenke, kommt mir's doch seltsam vor, daß wir heute in einem der vielen Cafes in Bogota sitzen.

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Was für Gegensätze in diesem Kontinent! Obgleich es schon auf Mitternacht geht, laufen draußen auf der Straße immer noch Indianer mit schweren Lasten vorbei. Morgen ist Markttag; sie wollen zeitig da sein. Was schwankt denn da drüben eben vorbei? Ein richtiger Turmbau auf zwei Beinen: ein Indianer mit großen, übereinandergestellten Körben auf dem Rücken. Die Körbe stecken voller Federvieh, das schläfrig hin und her nickt. Im Cafe ist eben ein Schlangenbeschwörer erschienen. Er öffnet den Deckel eines Kastens, aus dem die Schlange hervorzüngelt. Vor einer halben Stunde war ein Degenschlucker da und führte seine Künste vor. Onkel Tom bemüht sich, eine Zigeunerfrau wieder loszuwerden, die sich an unseren Tisch gedrängt hat und ihm aus der Hand wahrsagen will. Wir müssen lachen: ausgerechnet dem guten Onkel Tom, der an so etwas bestimmt nicht glaubt!

Indianer halten Winterschlaf

Von einem seltsamen Indianerstamm ist uns heute in der Stadt erzählt worden. Im Nordosten des Landes soll er hausen.

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Wahrsagende Zigeunerin in Bogotá

Wir sitzen in einem der vielen Cafés in Bogotá. Vor einer halben Stunde war ein Degenschlucker da und führte seine Künste vor. Jetzt bemüht sich Onkel Tom vergeblich, eine Zigeunerfrau wieder loszuwerden, die sich an unseren Tisch gedrängt hat und ihm aus der Hand wahrsagen will.

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Kolumbien

Das ist das Land zwischen zwei Ozeanen in der Nordwestecke Südamerikas. Es ist besonders reich an Bodenschätzen, hat vorwiegend heißes und feuchtes Klima und im Tiefland tropische Urwälder. Kolumbien hat etwa 10 1/2 Millionen Einwohner.

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Tapir am Spieß gebraten

Als wir zur Posada zurückkamen, war ein Soldat dabei, im Freien ein mächtiges Feuer zu machen. Die anderen beiden waren zurückgeritten, um ihre Jagdbeute zu holen. Sie hatten einen Bergtapir erlegt. Es wurde noch ein zünftiges Festessen in dieser Nacht. Das Feuer prasselte. Das Fett tropfte in die Flammen. Uns lief das Wasser im Munde zusammen. Als der Braten fertig war, haben wir alle kräftig reingehauen.

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Arriero

So heißen hier die Transportführer in Kolumbien, die in dem an modernen Verkehrswegen noch armen Landinneren die ,,Partida" die Maultierkarawane. Auf Saumpfaden begleiten.

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Ich kann das Erzählte noch nicht recht glauben, es soll aber tatsächlich wahr sein. Da gibt es also Indianer, die einen richtigen Winterschlaf halten. Wenn die Trockenzeit kommt, schlagen sie sich den Bauch voll blauer Tonerde, die sie an den Wasserläufen entlang aufkratzen. Dann kriechen sie mit schwerem Magen in ihre Hütten, verrammeln von innen die Tür und schlafen wie die Murmeltiere. Angeblich 60 bis 90 Tage lang! Wenn die Regenzeit beginnt, kriechen sie wieder aus ihrem Bau, kauen eine Brechwurzel und speien das komische Schlafmittel wieder aus. Lieber Jupp, soll ich Dir mal ein Päckchen blauen Ton schicken? Willst Du's auch mal probieren?

In der Felsschlucht des Rio Chicamocha

Du hast doch bestimmt schon von dem berühmten Grand Canon in Nordamerika gelesen und Bilder gesehen von dieser ungeheueren Felsschlucht des Colorado=River. Was sagst Du dazu, daß ich jetzt am oberen Rande eines kolumbianischen Canons sitze, dessen Felswände noch tiefer und steiler sein sollen als die im Norden? Junge, Junge, war das ein Gekraxel! Vom Boden der Felsschlucht aus blickst Du an senkrecht aufsteigenden Wänden empor. Oben ein dunkelblauer Streifen, der Himmel. Dann geht's auf Saumpfaden im Zickzack aufwärts. Ein Glück, daß ich schwindelfrei bin! Aber ein bißchen schwummerig war mir trotzdem zumute. Nun sitzen wir ziemlich erschöpft am Rande der Schlucht und blicken in die Tiefe. Der Wasserlauf des Flusses wirkt von hier oben nur wie ein dünner Faden. Aber hinter uns tut sich eine Märchenwelt auf. Zwischen den Sandsteinfelsen blühen große Orchideen. Ein rosaroter Teppich mitten in der Wüste. Man traut seinen eigenen Augen nicht.

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Wir dampfen den Magdalenenstrom abwärts

Unser guter Onkel Tom ist manchmal ein etwas schwieriger Herr. Ich schrieb Dir doch schon, daß er öfter zum Aufbruch drängt, wenn Fernandez und ich gern noch bleiben und Landschaft, Menschen und Bauten näher kennenlernen möchten. Onkel Tom würde am liebsten mit dem Flugzeug von City zu City rasen und seine Geschäftsbesuche erledigen. Sobald es aber etwas interessantes Technisches zu sehen gibt, ist er bereit, wochenlang dauernde Umwege zu machen. Und wir müssen dann mit, ob wir wollen oder nicht. So hatte er vor einigen Tagen durchgesetzt, daß wir zu Schiff den Magdalenenstrom hinabfahren, obwohl wir bei den guten und zahlreichen Flugverbindungen in Kolumbien in wenigen Stunden nach Norden gelangt wären. Aber was hilft's: Tom "Dickkopf", wie ihn Fernandez nennt, hat seinen Willen durchgesetzt. Auf dem Oberlauf des Stroms sieht man nur große, flache und recht plump wirkende Kähne, die vollbeladen stromabwärts gleiten. Stromauf ist das übrigens eine mühselige Sache.

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Degenschlucker in einer Kneipe in Bogota

Wenn ich an unser Abenteuer mit den kolumbianischen Wegelagerern in der einsamen Posada denke, kommt es mir doch seltsam vor, daß wir heute friedlich in der Hauptstadt Bogota sitzen und einem Degenschlucker zuschauen.

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Schlangenbeschwörer

Zumeist blasen die Schlangenbeschwörer auf einer Pfeife. Die Schlange wiegt den Oberkörper im Takt der eintönigen Melodie hin und her. Die Männer machen sich unempfindlich gegen das Schlangengift, in dem sie es einnehmen oder sich einimpfen.

Bild 91 Rückseite

In dem Felsschichten des Rio Chicamocha

Vom Boden der Felsschlucht aus blickten wir an senkrechten Wänden empor. Oben ein dunkelblauer Streifen, der Himmel. Dann ging es auf Saumpfaden im Zickzack aufwärts. Schließlich saßen wir ziemlich erschöpft oben am Rande der Schlucht und blickten in die schwindelnde Tiefe. Der Wasserlauf des Flusses wirkte von hier oben nur wie ein dünner Faden.

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Canon

So nenn man tief eingeschnittene Felsschluchten mit senkrecht abfallenden Wänden. Der berühmteste Canon liegt in Nordamerika. Der Name bedeutet auf spanisch ,,Röhre":

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Da müssen Indianer die Kähne mit Seilen vom Ufer aus ziehen. Eine verdammt schwere Arbeit in der Hitze! Weiter talwärts sind wir mit einem Flußdampfer stromab gefahren. Seltsame Fahrzeuge sind das. So flach, daß Kessel und Maschinen auf Deck stehen müssen. Am Heck ist ein gewaltiges Schaufelrad angebracht. Der Kapitän muß trotzdem noch höllisch aufpassen. Wenn nicht gerade Regenzeit ist, gibt es überall sehr gefürchtete Untiefen mit Sandbänken, auf denen schon mancher Magdalenendampfer festgefahren ist. Die Schiffe sehen ziemlich vorsintflutlich aus. Kabinen und Promenadendeck befinden sich auf einem Aufbau, Gott sei Dank eine etwas luftige Angelegenheit. Wir fahren piekfein erster Klasse. Ich muß meine Kabine aber immer nach wenigen Minuten wieder fluchtartig verlassen. Du kannst es drinnen einfach vor Hitze nicht aushalten. Nachts haben wir draußen auf dem Oberdeck Hängematten aufgespannt und unter Moskitonetzen ganz gut gepennt. Am liebsten halte ich mich aber auf dem unteren Deck auf. Du kannst es zwar auch hier vor Hitze kaum aushalten, aber es gibt immer was zu sehen. Da liegen und hocken die Eingeborenen in buntem Durcheinander zwischen Kisten und Fässern und Kaffeesäcken.

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Vorhin habe ich etwas Merkwürdiges erlebt. Es war Mittagszeit. Wir hatten oben im "Salon" schon vornehm gespeist. Fernandez und Onkel Tom hielten in der Hängematte Siesta. Ich stromerte auf dem Unterdeck umher. Schleppen da zwei Kerle von der Schiffsmannschaft mehrere Schüsseln - wahre Waschkessel - auf Deck. Hast Du nicht gesehen, hocken Passagiere und Schiffsmannschaften um die dampfenden Schüsseln wie die Hühner um den Körnernapf und langen mit bloßen, nicht gerade mustergültig sauberen Händen ungeniert zu. Es war das reinste Wettangeln, wer die fettesten Bissen erwischte. Ich hab' mir auch den Speisezettel für die Massenabfütterung angesehen: gekochte Bananen, Süßkartoffeln, Fleisch und Fisch. Das gibt es etwas eintönig dreimal am Tage. Das Erscheinen der bis zum Rand gefüllten Blechschüsseln an Deck ist die einzige Sensation in dem täglichen Einerlei an Bord. - Aber heute passierte doch noch etwas. Wir kamen mit unserem talwärts fahrenden Dampfer gerade zurecht, als ein stromauf ziehendes Schiff von einem unter Wasser in der Strömung schwingenden Baumstamm gerammt wurde. Solche heimtückischen Rammböcke sind neben den Sandbänken hier die größte Gefahr. Der Dampfer bekam am Bug, dicht unter der Wasserlinie, ein Loch und sackte im Handumdrehen bedenklich weg. Auf dem Deck entstand ein wildes Durcheinander. Weiber kreischten, die Mannschaften bemühten sich, die Ladung, die ins Rutschen gekommen war, zu retten. Wir gingen längsseits und nahmen die Passagiere über. Mehr Raum war nicht zur Verfügung. Mannschaft und Ladung mußten drüben bleiben. Inzwischen saß der havarierte Dampfer auf Grund, und die Mannschaft hoffte auf einen Hilfsdampfer, den wir vom nächsten Hafen aus heraufschicken sollten.

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Indianer treideln Ihre Kähne

Auf dem Oberlauf des Magdalenenstromes sahen wir große, flache Kähne, die vollbe

 

 

 

 

 

 

 

 

laden stromabwärts glitten. Stromauf ist das aber eine mühselige Sache. Indianer müssen die Kähne an Seilen vom Ufer aus ziehen. Eine sehr schwere Arbeit in der brütenden Hitze!

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Magdalenenstrom

Der größte Strom der nördlichen Kordilleren in Kolumbien, etwa 1300 km lang. Sein Oberlauf hat starkes Gefälle. Große Katarakte unterbrechen die Schiffahrt, die danach etwa 1000 km bis zur Mündung führt, die ein breites Delta bildet. Das Mündungsgebiet ist von Urwäldern bedeckt und häufig überschwemmt.

Bild 93 Rückseite

Leben und Treiben auf einem Flußdampfer

Die Flußdampfer sind alle recht vorsintflutliche Fahrzeuge. Das Promenadendeck befindet sich auf einem Aufbau, hier haben auch Onkel Tom, Fernandez und ich unsere Kabine. Unter dem Deck halten sich die Eingeborenen auf. Dort herrscht ein buntes Durcheinander von Kisten, Fässern, Säcken und unaufhörlich schwatzenden Männern und Frauen.

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Kaimane

So heißen die südamerikanischen Krokodile. Es gibt mehrere Arten, die größten werden bis zu 6 m lang. Wie alle Krokodile sind sie gefährlich und gefräßig, richtige Raubtiere, die aus faulenden Pflanzen Haufen zusammenscharren, in die sie ihre Eier legen.

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Klein - Venedig auf Pfählen

Nahe der Mündung des Magdalenenstroms haben wir uns von Indianern in ein Pfahldorf rudern lassen. Das sind zum Teil uralte Siedlungen, die schon die ersten spanischen Eroberer gesehen haben. Das Dorf ist weit ins Wasser hinausgebaut, weil es da draußen keine Moskitos gibt. Wir fuhren im Boot die "Dorfstraße" entlang. Hier soll es Indios geben, die ihr Leben lang nie auf festem Land gestanden haben. Sie leben auf Pfählen oder im Boot und mit ihnen auch das Hausgetier. Da gackern Hühner auf einem kleinen Hof; dort wühlen Schweine in den Abfällen an den Hütten. Unter ihnen gluckert das Wasser. Der besondere Stolz der "Wasserdörfler" sind aber ihre kleinen Gärten auf Pfählen. Man hat da Erdreich aufgehäuft, und es wächst und grünt, obwohl die ganze Sache eigentlich buchstäblich "in der Luft hängt". Aus jeder Hütte gucken neugierige Gesichter! Unsere Fahrt durchs Dorf wurde die Sensation des Tages. Wie anderswo auf dem Land die Kinder hinter den Fremden herlaufen und Männer und Frauen auf der Plaza zusammenkommen, um die seltsamen fremden Gäste eingehend zu mustern,

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so fuhr hier bald eine Menge Boote mit Dorfbewohnern neben und hinter uns, um die vornehmen Besucher gebührend zu bestaunen. Von den Pfahlrosten bellten die schmutzigen Dorfköter hinter uns her.

Der Freiheitsheld Simon Bolivar

Schon in Caracas, der Hauptstadt von Venezuela, war uns in einem Park das Denkmal eines Mannes aufgefallen, von dem es auch in kolumbianischen Städten Standbilder gibt. Es ist der in ganz Südamerika verehrte Freiheitskämpfer Simon Bolivar. Südamerika ist doch jahrhundertelang Kolonialland gewesen. Nur in Paraguay hatten die Jesuiten einen fast selbständigen Staat gegründet, der sich aber nicht lange halten konnte. Ich habe Dir in einem früheren Brief schon davon geschrieben. Es hat viele Jahre gedauert, bis sich die südamerikanischen Länder von der spanischen Herrschaft freikämpfen konnten. Dabei hat sich Simon Bolivar besonders ausgezeichnet. Er wurde in Caracas als Sohn spanischer Eltern geboren und verbrachte seine Jugend in England und Frankreich. Dort gab es ja so um 1800 allerhand zu sehen und zu erleben. Damals redeten die Menschen in Europa besonders viel von Freiheit und Gleichheit. Dann kam Napoleon und krempelte ganz Europa um. Simon Bolivar sah sich die Kaiserkrönung Napoleons in Paris an. Na, und als er sich in Europa ordentlich umgeschaut hatte, fuhr er nach Venezuela zurück und dachte sich: Wenn man in Europa so frei und in eigenen Staaten leben kann, warum sollte denn das hier bei uns in Südamerika nicht auch möglich sein? Warum sollen unsere Leute denn nur immer für andere schuften? Wir könnten doch ein eigener, selbständiger Staat werden.

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Auf dem Magdalenenstrom

Als wir auf dem Magdalenenstrom flußaufwärts nach Norden fuhren, sahen wir vor uns mitten im Strombett ein bedenklich schiefliegendes Schiff. Auf dem Deck herrschte ein wildes Durcheinander. Die Passagiere waren aufgeregt, und die Mannschaft bemühte sich, die Ladung, die ins Rutschen gekommen war, zu retten. Schnell ging unser Schiff längsseits und nahm die Passagiere über.

Platz 94Album

Der Reichtum Kolumbiens

Kolumbien zeichnet sich durch sehr vielfältige Erzeugnisse aus. Es steht an zweiter Stelle in der Kaffeeausfuhr und war eine Zeitlang der wichtigste Bananenlieferant der Welt. Es liefert das meiste Gold in Südamerika. Platin und vor allem kostbare Smaragde. Kolumbien hat auch die größten Kohlenlager des Kontinents und reiche Petroliumvorkommen.

Bild 95 Rückseite

Pfahldorf im Flußdelta

Das Dorf ist weit ins Wasser hineingebaut; denn dort gibt es keine Moskitos. Wir fahren mit dem Boot durch das Dorf, im Unrat vor den Häusern wühlen die Schweine,, laut gackernd flüchtet das, Hühnervolk. Die Dorfköter kläffen hinter uns her, und gaffend bestaunen uns die Indios.

Platz 95 Album

Pfahlbauten

Menschliche Siedlungen auf Pfählen gibt es vor allem in Gegenden, wo tropische Regenmengen fallen. Sie dienen zum Schutz gegen Menschen, Tiere, Überschwemmungen, Ungeziefer und Schmutz. Auch heute noch wohnen zahlreiche Naturvölker in verschiedenen Gebieten der Welt in solchen Bauten.

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Dann hat er mit anderen zusammen die Sache in die Hand genommen. Einfach war es nicht, da gab es feindliche Parteien und Streit im eigenen Lande. Da mußten blutige Schlachten geschlagen werden. Aber Bolivar hat es geschafft, wenn er auch später in der Verbannung gestorben ist. Weißt Du, Undank ist überall der Welt Lohn. Und aus Bolivars Lieblingsidee, aus Venezuela, Kolumbien und Ekuador einen Staat "La Gran Colombia" zu machen, ist nichts geworden.

Alle vier Wochen Revolution

Wie sie nun plötzlich frei und die spanische Herrschaft los waren, haben sich die südamerikanischen Länder erst mal richtig zusammenrappeln müssen. Da gab's noch Grenzstreitigkeiten und Parteien und die Großgrundbesitzer und die armen Peonen und das Militär. Die wollten nicht immer alle in derselben Richtung marschieren. Und die Indios interessierten sich überhaupt kaum für die neuen Staaten und Länder. Sie durchstreiften den Urwald, die Pampas und die Kordilleren genau so wie früher und kümmerten sich den Deibel um die neuen Staatsgrenzen.

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Richtig zur Ruhe gekommen sind die neuen Staaten bis heute noch nicht. So brave Staatsbürger wie bei uns gibt's hier drüben nur wenige. In dem heißen Klima und bei dem hitzigen Temperament, das die Südamerikaner von den Spaniern geerbt haben, entstehen hier schnell Aufstände und Revolutionen von Leuten, die mit der bestehenden Regierung nicht einverstanden sind. Da jagt eine neue Partei die Regierung der anderen zum Teufel. Der Präsident dankt ab oder geht außer Landes. Ein paar Schüsse fallen, eine Menschenmenge zieht mit Fahnen und Rufen durch die Straßen, es gibt ' auch ein paar Tote - aber so schlimm, wie es aussieht, ist das alles nicht. Für kurze Zeit hat die andere Partei gesiegt. Vielleicht wird sie übermorgen schon wieder gestürzt.

Abschied von Südamerika

Mein lieber Jupp! Jetzt kommt ein feierlicher Augenblick. Dein Freund Pünneberg ist drauf und dran, Südamerika zu verlassen und durch den Panamakanal nach Mexiko zurückzukehren. Er beschließt hiermit seinen südamerikanischen Reisebericht. Morgen starten wir von Barranquilla nach Panama. Zu Lande gibt es nämlich von Kolumbien nach Panama immer noch keine bequeme Verbindung. Es sind noch weithin dieselben unzugänglichen Gebiete, wie sie einstmals schon den Conquistadoren zu schaffen machten. Südamerika hat nur eine ganz schmale Landverbindung nach Norden.

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Bolivars Freiheitskampf

Südamerika den Südamerikanern! Das war das Lebensziel, für das Simon Boiivar kämpfte. Es kam zu blutigen Schlachten mit den Spaniern, Und es ist einzig und allein das Verdienst dieses großen Mannes, daß Südamerika heute kein Kolonialgebiet der Europäer mehr ist.

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Simon Bolivar

Der berühmte Freiheitsheld Südamerikas wurde 1783 geboren. In schweren Kämpfen befreite er 1819 bis 1825 Kolumbien Venezuela, Ekuador, Peru und das nach ihm benannte Bolivien von der Herrschaft der Spanier. 1819 wurde er Präsident von Kolumbien, zeitweise auch von Peru und Bolivien. Ein Aufruhr zwang ihn 1830 zur Abdankung. Noch im selben Jahr ist er vereinsamt gestorben.

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Fahrt durch den Panamakanal

Sind soeben in der Stadt Panama angekommen. Der Flug war wieder sehr interessant. Im Staate Panama noch ganz unberührte Urwaldgebiete. Großer Gegensatz zur Kanalzone. Dort ist alles ganz modern und nordamerikanisch. Auf den Dienstgebäuden weht das Sternenbanner, die Flagge der Vereinigten Staaten. Schiffe aller Nationen warten auf Durchfahrt. Keine Zeit mehr für ausführlichen Brief. Gehen in wenigen Minuten an Bord. Schreibe unterwegs weiter. - Soeben erste große Schleuse passiert. Gewaltige Anlagen. Mehrere Schleusentreppen soll es geben, bis man den Atlantischen Ozean erreicht. Die Schiffe müssen also regelrecht von einem Meeresspiegel zum anderen klettern und dabei um 26 Meter gehoben und wieder gesenkt werden. Der Kanal ist über 90 Meter breit. Erfahre eben, daß die etwa 80 Kilometer lange Fahrt gut sieben Stunden dauert, habe also Zeit, etwas ausführlicher zu erzählen.

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Ein Wunderwerk der Menschheit

Vom Schiff aus kann man sich deutlich vorstellen, welche Schwierigkeiten der Bau des Kanals gemacht haben muß. Der Plan, an dieser Stelle die Landenge zu durchstechen, hatte übrigens schon lange bestanden. Aber erst im vorigen Jahrhundert ging man wirklich daran, den Bau durchzuführen. Du weißt doch, lieber Jupp, daß damals in den sechziger Jahren der Suezkanal fertig geworden ist, der den Seeweg nach Indien durchs Mitelmeer öffnete. Der Erbauer, der Franzose Ferdinand Lesseps, ging nun an die zweite Aufgabe seines Lebens: den Bau des Kanals in Panama. Das wurde aber ein unglückliches Unternehmen mit unsäglichen Schwierigkeiten. Da mußte z. B. erst ein wilder Fluß gebändigt werden, der in der Regenzeit binnen zwölf Stunden bis sechs Meter anstieg. In einem See wollte man die Wassermassen aufstauen. Tausende von Arbeitern gingen an tropischen Krankheiten zugrunde. Riesensummen wurden in das Unternehmen hinein gesteckt. Aber immer wieder rutschten die Uferböschungen ab. Das große Werk wollte und wollte nicht gelingen. Da erschienen die Nordamerikaner auf dem Plan. Sie hatten an dem neuen Kanal verständlicherweise das meiste Interesse. Wenn sie z. B. von New York zu Schiff nach San Francisco fahren wollten, war das bisher nur um Südamerika herum durch die Magellanstraße möglich. Der neue Weg durch den Kanal aber würde weit um die Hälfte kürzer sein! - Also wurden nun zunächst erst mal die Moskitos vernichtet, die die gefährlichen Krankheiten übertrugen. Man trocknete alle Wasserflächen in der Nähe aus oder goß Petroleum darauf, um die gefährlichen Biester zu beseitigen. Dann mußte man einen 150 Meter hohen Hügel durch stechen. Das war die schwierigste Arbeit, weil das brüchige Gestein immer wieder nachrutschte. Ja, und schließlich mußte der berüchtigte Chagrinfluß zu einem See angestaut werden.

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Schlachtschiff in einer Panamaschleuse

Flugzeugträger und Schlachtschiffe - auch sie gelangen durch die berühmte Kanalanlage von Panama von einem Ozean in den anderen. Über gewaltige Schleusentreppen "klettern" die Schiffsriesen von einem Meeresspiegel zum anderen. Der Kanal ist ein Garant der Weltmacht der Vereinigten Staaten. Ein tolles Gedränge herrscht in den Kanalausgängen - und die größten Schiffe kommen heute gerade noch durch.

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Panamakanal

1881 begann eine französische Gesellschaft unter der Führung von Ferdinand Lesseps den Bau des Kanals, der aber 1889 als gescheitert betrachtet werden mußte. Die Gesellschaft brach unter großen Schulden zusammen. 1902 kauften die Vereinigten Staaten die Rechte der französischen Gesellschaft. Mit Kolumbien kam keine Einigung zustande. Erst der neugegründete Staat Panama räumte ihnen die Kanalzone ein. Der endgültige Bau konnte beginnen.

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Beim Kanalbau

Ungeheure Verluste an Menschen und Material erlitten die Erbauer des Panamakanals. Moskitos ließen ungezählte Arbeiter sterben, und unter dem Einfluß des ungünstigen Klimas gingen weitere zugrunde. Erst als die ausgedehnten Sümpfe trockengelegt waren, konnte man mit dem Bau des Kanals fortfahren. Ganze Hügel mußten abgetragen werden, und wenn das Gestein nachrutschte, bevor man es absteifen konnte, war die Arbeit von Wochen und Monaten vergeblich.

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Panama

Schon Kolumbus hatte die atlantische Küste von Panama entdeckt. Land und Hauptstadt gleichen Namens waren einst Mittelpunkt des frühen spanischen Kolonialreichs. Es gehörte später zu Kolumbien, machte sich 1903 aber selbständig. Seine Unabhängigkeit war den Vereinigten Staate4n willkommen, die seine Zustimmung zum Kanalbau brauchten. Das Land hat heute etwa 630000 Einwohner.

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Im August 1914 war das mühselige Werk endlich vollendet. Inzwischen brach der Erste Weltkrieg aus, und die amerikanischen Kriegsschiffe konnten schon auf dem neuen, kurzen Weg in den Pazifik fahren.

Die Amerikaner planen einen neuen Kanal

Jupp, überleg Dir mal, was der Kanal für den Weltverkehr bedeutet. Man kann das ganz einfach von der Karte ablesen. Ich stelle mir z. B. vor, unser Onkel Tom hätte zu Schiff von Valparaiso nach New York fahren wollen. Früher wäre das eine umständliche Sache gewesen: südwärts um den ganzen Südamerikanischen Kontinent herum. Jetzt führt der Seeweg fast geradewegs nach Norden und ist beinahe nur noch halb so lang. Die ganze Welt hatte eine neue Verkehrsstraße erhalten. Kein Wunder, daß der Kanal heute kaum noch ausreicht! Es ist ein tolles Gedränge in den Häfen an den Kanalausgängen. Und die größten Schiffe kommen man eben knapp noch durch. Onkel Tom erzählt uns gerade, daß die Vereinigten Staaten schon seit längerer Zeit an einem neuen Kanalprojekt arbeiten, weiter nördlich in Nikaragua, um den Panamakanal zu entlasten. Wie weit der Bau schon gediehen ist, weiß er aber auch nicht genau. - Eben wieder eine Schleuse passiert. Wurden um 10 Meter gesenkt. Haben jetzt wohl ungefähr Meeresspiegelhöhe des Atlantik erreicht. Es wirkt fast spukhaft, wie lautlos das Durchschleusen vor sich geht.

Abschied von Onkel Tom

Onkel Tom hat in Colon ein Telegramm seiner Firma vorgefunden. Soll auf schnellstem Wege mit dem Flugzeug nach New York zurückkommen, da man ihn als Generalvertreter für Australien und die Südsee ausersehen hat. Also wird heute abend Abschied gefeiert. Selbst der unerschütterliche Onkel Tom ist ein bißchen gerührt, daß wir uns nun trennen müssen. Er klopft mir väterlich auf die Schulter und fragt so nebenbei: "Wie wäre es, Mister Conny, wenn du mit nach Australien kämst?" - Du lieber Himmel, was soll man da sagen! Was für ein Angebot! Jupp, stell Dir vor: nach Australien und in die Südsee! Der genaue Termin und alles Drum und Dran stehen zwar noch nicht fest. Aber Dein Freund Pünneberg hat doch vorsorglich ja gesagt.

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Kolumbien liegt im Nordwesten Südamerikas und nimmt eine Fläche von 1.138.748 kmē ein. Die Einwohnerzahl betrug im Jahr 2006 ca. 41.966.004 Einwohner. Bogotá ist Hauptstadt und wirtschaftliches und kulturelles Zentrum Kolumbiens. Kolumbien grenzt an den atlantischen und den pazifischen Ozean. Im Südwesten grenzt Kolumbien an die Nachbarstaaten Ecuador und Peru, im Südosten an Brasilien, im Nordosten an Venezuela und im Nordwesten an.

Die westliche Hälfte Kolumbiens wird von den Anden dominiert, die in drei große Bergketten geteilt sind: die westliche, die zentrale und die östliche Kordillere. Zwischen den Bergketten fließen die großen Flüsse Cauca und Magdalena ins Karibische Meer. Weitere Flüsse sind Atrato, San Juan und Baudó. Die Hochgebirge beherbergen die Vulkane Galeras, Nevado del Huila (5.750 m), Nevado del Ruiz (5.400 m), Puracé, Nevado del Tolima (5.215 m) und Nevado de Santa Isabel (4.965 m)

Das karibische Küstentiefland Kolumbiens ist weitgehend eben und, vom Küstenstreifen abgesehen, relativ dünn besiedelt. Weite Teile des Tieflandes sind von großflächigen Sumpfgebieten geprägt. Die bekanntesten Inseln, 770 km nordwestlich von Kolumbien im Atlantik, sind der Archipel von San Andrés und Providencia, mit den Inseln San Andrés, Providencia, Santa Catalina, Roncador, Quita Sueño, Serrana und Serranilla. Der karibischen Küste vorgelagert sind die Insel Fuerte und die Archipele von San Bernardo und del Rosario.

Das pazifische Küstentiefland ist, von wenigen Hafenstädten abgesehen, weitgehend unbesiedelt. Die Region ist weitgehend mit tropischem Regenwald bedeckt. Größter Fluß hier ist der Atrato.

In der östliche Landeshälfte Kolumbiens befindet sich dicht bewaldetes Flachland. Die Flüsse hier Putumayo, Yapura, Meta und Guaviare münden entweder im Orinoco oder im Amazonas. Das südöstliche Viertel Kolumbiens umfasst den kolumbianischen Teil Amazoniens. Diese Region ist nahezu vollständig von dichtem Regenwald bedeckt.

 

 

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