Tibet

Reiseberichte Tibet

Aus dem Sanella-Album China Tibet Japan

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Flug nach Tibet!

Zum Abflug des Abtes haben sich viele hohe Würdenträger auf dem Flugplatz eingefunden, Regierungsbeamte in Uniform und Lamas in gelben und roten Gewändern. Sogar Tschu Enlai, Mao Tsetungs Außenminister, ist da. Tom in Weiß, seinen frisch geweißten Tropenhelm auf dem Kopf, seine Pelzausrüstung über dem Arm. In die Maschine steigen außer dem Abt und Tom zwei Lamas und zwei Regierungsbeamte. Ein Lama spricht fließend Englisch, ein Regierungsbeamter auch Deutsch. An Wang schreibt er sogleich einen Brief, daß die Jangtsefahrt aus besonderen Gründen vorerst aufgeschoben werden muß. Dann eilt er in Cooks Reisebüro im Gesandtschaftsviertel und besorgt sich Prospekte der chinesischen Fluglinien und eine Karte von Tibet. Die Entfernung Peking-Lhasa beträgt fast 5000 km. Hui! Das ist nicht viel weniger als von Berlin nach New York! In Tibet scheint es noch keinen einzigen Flugplatz zu geben. Batang liegt 500 km westlich vom chinesischen Großflugplatz Tschengtu.

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Aber von Batang nach Lhasa sind es noch 800 km über Land... Soll er sich ohne Wang in ein solches Abenteuer einlassen? Tom hat nun Zeit, sich die Wunder Pekings anzusehen. Aber zum Mittag= und Abendessen ist er immer pünktlich im Hotel. Er will es dem Boten leicht machen, ihn zu finden. Sein Vater hat selbst an Sonntagen keine Zeit für gemeinsame Ausflüge. An einem Freitag, als Tom gerade zum Sommerpalast aufbrechen will, ist der Bote da. "Abflug Sonnabend, 8 Uhr, Nan Yüan=FlugpIatz." Vater Birkenfeldt gibt Tom nicht nur seine Einwilligung, er schenkt Tom sogar einen großen Pekinger Pelzmantel und Pelzmütze und Pelzstiefel dazu! Aber er sagt nicht viel. Er scheint nicht ganz damit einverstanden zu sein, daß Tom mitfliegt. Zehn Minuten später liegt Peking unter ihnen, die herrliche unvergleichliche Stadt. Dann geht es auf Kurs Südwest: zur Rechten die Berge der Schanghai=Provinz mit der großen Mauer, links die große nordchinesische Ebene, unter ihnen die Peking-Hankau-Bahn, mit der Tom eigentlich fahren wollte, zum Treffen mit Wang.

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Tom an der Gebetstrommel im Hof des Lamatempels

Gebetsmühlen gibt es nicht nur in Tibet, sondern auch im Hof des Lamatempels in Peking. Jede Umdrehung der großen, mit tibetanischen Zeichen bedeckten Bronzetrommeln gilt für tausend Gebete. Tom hat dem Abte eine geheimnisvolle Botschaft überbracht und wartet jetzt auf eine Antwort. Indessen läßt er die Gebetstrommel zehnmal kreisen. Kurz darauf hat er seine Antwort. Er darf mit dem Abt nach Tibet reisen.

Auf dieser Seite befindet sich der Teil Tibet aus dem Sanella Album:

China Tibet Japan

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Über den Lößgebieten

In Südschansi, im großen Knie des Gelben Flusses, haben die Berge ein ganz neues Gesicht. Auf ihren Hängen, manchmal auch über ihre Gipfel, hat sich Lößstaub abgelagert, der seit uralten Zeiten aus der Wüste Gobi hierher geweht worden ist. Die Lößdecke ist in Schansi und in Homan über hundert Meter dick. Tief haben sich Flüsse zwischen steile Lößwände eingenagt. So sehen die Lößgebiete zerrissen und zernarbt aus. Ihre Farbe ist gelblichbraun, wüstenhaft, aber Löß ist nicht unfruchtbar wie die Wüste. Lößboden kann außerordentlich fruchtbar sein, wenn er genügend bewässert wird. Überall sind terrassenartig angelegte grüne Felder. Für Tom ist es ein Rätsel, wie das Wasser auf die hohen Lößfelder kommt. Nach einer Stunde Fluges über die Lößgebiete hat er entdeckt, daß die Lößlandschaft zwei Gesichter hat. Schaut er senkrecht nach unten, so ist sie grün wie die Felder. Schaut er dagegen von der Seite gegen die steilen Terrassenhänge, so sieht er nur das gelbliche Braun. Dorrtsche, der Englisch sprechende Lama, freut sich, daß der Flug Tom ebensogut bekommt wie ihm selbst. Sie schauen zusammen aus dem Fenster. "Hier am Knie des Hwangho und seines Nebenflusses Weiho stand die Wiege der chinesischen Rasse. Hier im Löß haben schon vor 5000-6000 Jahren Chinesen gelebt und Ackerbau getrieben. Von hier haben sie sich über das ganze große Reich der Mitte ausgebreitet: bis in die Wüsten und Steppen im Norden und bis in den hinterindischen Dschungelwald im Süden. Nur die hohen Grenzberge Tibets im Westen haben den Chinesen Jahrtausende lang Halt geboten. Von daher kam der Buddhismus und Lamaismus zu ihnen."

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Hwaschan, Sianfu, Szetschuan

Zu Ehren des Abtes, der hier zum erstenmal aus tiefer Versenkung erwacht, macht die Maschine eine Runde über dem 2200 Meter hohen Hwaschan, den dritten heiligen Berg der Buddhisten in China. Nun sind sie schon in der Provinz Schensi ("westlich vom Paß")! Wenige Minuten später heißt es Festhalten! Zwischenlandung in Sianfu! Daliegt sie schon unter ihnen, die Hauptstadt von Schensi, mitten in der großen Lößebene am Weifluß. "Sie war die Hauptstadt des ganzen Reiches von 200 vor bis 600 nach Christus." "Als die Kimbern und Teutonen gegen das Römische Reich vordrangen und die Hunnen in Europa einbrachen..." denkt Tom. Mauern und Türme von Sianfu sind gewaltiger als die von Peking. Aus der Höhe gesehen hat die ganze Stadt eine lößgelbe Farbe. - Auf dem Flugplatz wird die Maschine getankt. Während eines einfachen Reismahles im Flugplatzgebäude erzählt Dorrtsche, daß die Beamten des Kaisers früher .. . Tage gebrauchten, um mit einem Pekingkarren von Peking nach Sianfu zu reisen.

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Der Flug hat nur gut drei Stunden gedauert. In diesem Jahr soll auch die große Ostwestbahn fertiggestellt werden, die Sian mit Lantschau verbindet. Dann wird man von der Küste bis an den Oberlauf des Hwangho mit der Eisenbahn fahren können. 1700 Kilometer, und "nur" fünfzig Stunden Fahrzeit! Weiter nach Südwesten! Die Maschine geht auf 4000 Meter Höhe. Der Tsinlingschan, eine Bergkette, die sich von Tibet bis in die chinesische Ebene hineinzieht, muß überwunden werden. An ihren nördlichen alpinen Gebirgshängen zieht sich die Lößdecke noch hoch hinauf. Die Südhänge sind lößfrei und bewaldet. In großer Höhe überfliegen sie die Stadt Hantschung am Oberlauf des Hanflusses. "Die Dschunken da unten fahren nach Hankau", sagt Dorrtsche, "Han=kau heißt Mündung des Han in den Jangtse." Wieder muß Tom an Wang denken; wie gerne würde er dabeigewesen sein. Unten glitzern wieder Reisfelder.

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Tom und der Abt in der großen Tempelhalle

Nach dem Gottesdienst zieht Tom den gelben Hut unter der Jacke hervor - und wie elektrisiert springt der Abt auf, bedeutet Tom, ihm zu folgen und eilt in die Haupthalle. Beeindruckt steht hier Tom vor dem riesigen Buddha, dessen Augen ernst in die Weite schauen. Der Abt entreißt Tom den Hut, und mit einem Griff hat er das versteckte Papier in der Hand.

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Abflug von Peking

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Noch einmal eine ziemlich kahle Berggegend an der Südgrenze von Schensi, dann sind sie über dem roten Becken von Szetschuan, aus dem alle Wasser nach dem oberen Jangtsekiang abfließen. "Szetschuan heißt ,Vier Flüsse', aber damit sind nur die vier größten gemeint. Tatsächlich hat das rote Becken wohl viermal hundert Flüsse. Szetschuan, die größte und reichste der 31 chinesischen Provinzen, ist so groß wie Deutschland und hat auch ebenso viele Einwohner." Dorrtsche weiß in der Erdkunde offenbar sehr gut Bescheid. An den Hügelhängen des Kialing=Flusses, über dem sie jetzt in geringerer Höhe dahinfliegen, ziehen sich Terrassenfelder mit Reis und Zuckerrohr, Orangen, Grapefruits und Tee, Tabak und Opium, Mais und Weizen hoch hinauf. Manchmal bis an die Gipfel der Berge. In einem Gewirr von Flußarmen liegt Tschengtu, die Hauptstadt der Provinz. Sie ist wie Sianfu eine Halbmillionenstadt, aber hier erscheint alles viel freundlicher, grüner. "Die Stadt ist reich wie die Provinz. Die Salzquellen von Szetschuan versorgen fast ganz China mit Salz. Seine Fabriken liefern die beste chinesische Seide."

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Der Flugplatz ist groß und modern. Er ist während des letzten Krieges mit amerikanischer Hilfe ausgebaut worden. Bei brütender Hitze muß die Reisegesellschaft in .- eine kleinere Maschine umsteigen. Die Träger auf dem Flugplatz arbeiten mit nacktem Oberkörper. Unter ihren schulterbreiten Strohhüten haben sie ein Schweißtuch um die Stirn gewickelt. Tom fragt Dorrtsche, warum sie die Maschine wechseln. "Auf dem behelfsmäßigen Flugplatz von Batang kann eine große Maschine nicht landen. Selbst mit dieser ist es noch eine ziemlich gefährliche Angelegenheit. .." Nach dem Start geht es gleich in große Höhen. Über die Wolkendecke, die im Sommer fast immer über dem wasserreichen roten Becken lagert. Herrlich, so eine weiße Wolkendecke von oben anzusehen! Nur ein dunkel bewaldeter Gipfel steht in dem weißen Wolkenmeer. Das ist der Omeischan, Chinas vierter heiliger Berg. Dorrtsche wechselt einige Worte mit dem Piloten in der Führerkabine. Dann darf Tom hineinkommen und die Aussicht nach vorn genießen. Er ist sprachlos vor Staunen. Vor ihm liegen, über den Wolken, aber unter strahlend blauem Himmel, die Schneegipfel Tibets. Eine ganze Kette. Alle sind über 6000 Meter hoch, der Minya Congkar gar 7700 Meter! 

Nach Tibet hinein

Mit westlichem Kurs fliegen sie direkt in die Kette hinein! Nach einem Wortwechsel mit Herrn Wu, dem deutschsprechenden chinesischen Beamten, zieht Dorrtsche Tom wieder in den Passagierraum zurück. Sie haben jetzt auch aus den Seitenfenstern Sicht auf die Schneeberge. Dorrtsche erzählt: "An den Füßen dieser Gipfelriesen wohnen Tibetaner und Chinesen nebeneinander. Unten in dem Bergtor, in das wir hineinfliegen, liegt unter der Wolkendecke Tatsienlu, 2600 Meter über dem Meeresspiegel. Die Chinesen nennen die Grenzstadt Kangting, gesicherter 'Friede'. Vor zwei Jahrzehnten haben sie aus diesem Grenzgebiet eine neue chinesische Provinz gemacht, die sie Sikang, den 'westlich erhabenen Frieden' nennen. Wir Tibetaner nennen diese Gegend von alters her Kham, wie Tibet in unserer Sprache auch nicht Tibet, sondern Bö heißt.

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- In Tatienlu beginnt die große Pilger= und Handelsstraße nach Lhasa, auf der Tee, Reis und Baumwolle nach Tibet, und Wolle, Felle und Heilkräuter nach China getragen werden." - "Getragen?" fragt Tom erstaunt. - "Ja, getragen. Bis heute ist Tibet das Land ohne Räder." - "Wenn wir die Räder am Fahrgestell unserer Maschine nicht mitzählen", wirft Tom lachend ein. "Über die Hochgebirge und Hochsteppen Tibets wird bis heute alles getragen, auf den Rücken von Menschen und Eseln, Ponies und Maultieren, vor allem aber von unsern Bergochsen, den kräftigen Jaks. Als ich so alt war wie du, Tom, da habe ich die Pilgerreise von Batang nach Tatsienlu mit einer Jakkarawane gemacht. Bergauf und bergab, durch Schnee und Eis und Stürme. Das dauerte genau einen Monat. Jetzt fliegen wir in zwei Stunden darüber hin. Erst 1940 kamen die ersten Autos von Tschengtu nach Tatsienlu. Heute sind Tausende von Männern und Frauen, Bauern und Soldaten dabei, eine 1200 Kilometer lange Autostraße von Tatsienlu über Batang und Tschamdo nach Lhasa zu bauen.

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Die große Mauer

Auch in unserem Zeitalter der Technik ist die große Mauer noch ein bewundernswertes Bauwerk. Sie ist uralt. Schon 200 Jahre vor Christus begann der Chinesenkaiser Tsin Schi Wang Di mit dem Bau. Die Mauer sollte den Einfall nordasiatischer Nomadenvölker in die fruchtbaren Ackerbaugebiete Chinas verhindern. Etwa 2500 Kilometer lang zieht sie sich über Berggrate und -gipfel hin, durch Steppen und Wüsten von Schanhaikwan am Meer bis Djajükwan in Turkestan, Heute ist auf weiten Strecken die Mauer verfallen, denn nicht überall waren die Zinnen aus Felssteinen oder gebrannten Ziegeln gebaut.

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Reisfelderterrassen in Szetschuan

Unter der zweimotorigen Maschine glitzern die Reisfelder der westchinesischen Grenzprovinz Szetschuan. Die Bauersfrau mit dem schlafenden Kind auf dem Rücken hat die Fidji (fliegende Laus) noch nie so nahe gesehen. Der Bauer läßt sich bei der Arbeit des Jätens nicht mehr stören. Wenn er auch niemals eine Eisenbahn gesehen hat, Fidjis, Flugzeuge, sind ihm etwas Alltägliches geworden. Sein Feld liegt oberhalb des Kialing-Flusses, und dieser dient den Maschinen der Flugstrecke Peking- Sianfu-Tschengtu als Richtlinie. Ahnt Bauer Lung, daß dieser Flug des gelben Lama und eines deutschen Jungen auch für seine Zukunft von Bedeutung ist?

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Wenn wir Glück haben, können wir von Batang noch ein Stück mit einem Auto weiterfahren." Der Minya Gongkar bleibt zur Linken noch lange sichtbar. Im Schein der Spätnachmittagssonne leuchten Firnschnee und Gletscher noch strahlender auf. Im Nordwesten hebt sich jetzt die gewaltige Bergkette des Schara vor anderen, fernen Ketten ab. In der Tiefe fließt der Jalungfluß smaragdgrün zwischen dunklen Waldflecken dahin. Über Litang erkennen sie selbst aus großer Höhe die vergoldeten Dächer einer Lamaserei. Das ortskundige Auge Dorrtsches hat sie erspäht. "In dieser Gegend wird viel Gold gewaschen", fügt er mit einem vieldeutigen Lächeln hinzu. Noch einmal ist eine Kette von Fünftausendern zu überqueren, dann geht es in großen Kurven hinab nach Batang, das, "nur" 2800 Meter hoch, in einem Seitental des oberen Jangtse liegt. Für tibetanische Verhältnisse ist dieser Ort mit 3000 Einwohnern eine "Großstadt". Auf dem Flugplatz, einem auffrisierten Jakweideplatz, sind erst wenige Maschinen gelandet. Wird die Landung jetzt ohne Bruch gelingen? Selbst dem Abt, der seit Tschengtu regungslos mit untergeschlagenen Beinen dagesessen hat, spürt man die Erregung an.

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Batang - ohne Bruchlandung

Er lächelt Tom freundlich zu, als er als erster aus der Maschine steigt. Zahlreiche Lamas und Beamte sind zu ihrer Begrüßung auf dem Flugplatz erschienen. Chinesische Soldaten haben Mühe, die Menge der Neugierigen fernzuhalten. Die meisten haben so einen fremden "Vogel" noch nie aus der Nähe gesehen. Sie wollen ihn anfassen, fühlen, ob er auch Federn und ein schlagendes Herz hat wie die Adler und Lämmergeier, die tibetanische Jäger gelegentlich mit altertümlichen Vorderladern erlegen. Auf hartgesattelten Pferden reiten die Ankömmlinge in die graue Stadt hinein. Über ihre flachen Dächer ragen ein paar Apfel= und Birnbäume auf. Die Dunkelheit bricht schnell herein. Das Lamakloster ist zu ihrem Empfang mit Hunderten von kleinen Butterlämpchen illuminiert. Pauken dröhnen, aus meterlangen Tuben kommen Töne wie aus Schiffssirenen. Im Speisesaal des Klosters wird Tom das selbe Essen serviert wie den chinesischen Beamten: Reissuppe mit Hühner= und Jakfleisch, Äpfel und Birnen zum Nachtisch.

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Er löscht seinen Durst mit einigen Schalen wohlschmeckender Jakmilch, während die Chinesen ungezählte Schälchen Reiswein trinken und immer lustiger und lauter werden. Der Abt und die Lamas essen Tsamba und Obst, sie trinken keinen Wein. Tsongkhapa, der Stifter der gelben Lamakirche, hat den Genuß von Alkohol verboten. "Den Tsamba, unser tibetanisches Nationalgericht, mußt du doch wenigstens probieren", sagt Dorrtsche zu Tom, der aufmerksam der Unterhaltung in chinesischer Sprache zugehört, aber nicht viel verstanden hat. Dorrtsche reicht ihm einen runden Holznapf, in dem etwas Tee, bräunliches Gerstenmehl und ranzige Jakbutter gemischt sind. "Knete es mit deinen Fingern gut durch und forme kleine Würstchen daraus! Du wirst dich wundern, wie gut das schmeckt." Tom tut, wie ihm geheißen und kostet ein wenig. Er hat eine feine Nase und eine Abneigung gegen Jakhaare. Höflicherweise läßt er sich nichts anmerken. Er lächelt und dankt. "Wenn ich nicht schon satt wäre, würde ich drei Schalen davon leer essen." Sie gehen bald zur Ruhe. Tom ist mit Dorrtsche zusammen in einer engen Lamazelle untergebracht. Er breitet seinen Pelzmantel über die Lehmbank und benutzt seine Pelzmütze als Kopfkissen. Morgen wollen sie früh aufbrechen. Eine Brücke über den Jangtse ist drei Stunden Ritts weiter nach Süden. Es ist noch die alte Karawanenbrücke, die nur für Tragtiere und nicht für Fahrzeuge gebaut wurde. Aber auf der anderen Seite soll ein Auto warten, das, in Teile zerlegt, dorthin getragen und wieder zusammengebaut worden ist. Und dieses Auto würde sie - so haben die chinesischen Beamten gesagt - in einem Tage bis nach Tschamdo bringen, 300 Kilometer! Dorrtsche scheint selbst nicht recht an diese Kunde zu glauben. "China schiebt sich immer tiefer nach Tibet hinein vor", sagt er mit einem tiefen Seufzer. Bald hört Tom sein unruhiges Schnarchen.

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Teeträger in Tibet

Die Tibetaner sind nicht nur Teetrinker, sie sind Tee"esser", der Tsamba (Butter und Tee)sind ihre Hauptnahrung. Tom hat Tsamba nicht nur gegessen sondern auch zubereiten gelernt. So ein Teeträger trägt zwei Zentner zusammengepreßter Teeblätter täglich bis zu 40 Kilometer über die wilden Bergpfade Tibets, von Tatsienlu an der Grenze Chinas bis nach Lhasa Die Verpackung und gleichmäßige Verteilung einer solchen Last ist eine Kunst, die in den Teehandelshöfen von Tatsienlu seit Jahrhunderten geübt wird. Wann werden Autos diese Kunst überflüssig machen?

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Jaks in Tibet

Auf den rauhen Bergpfaden von Tibet ist der Jak oder tibetanische Grunzochse immer noch das brauchbarste Lasttier, während er als Reiter dem Pony nahesteht. Was wäre das Leben in Tibet ohne den Jak! Warme Jakmilch ist ein stärkendes Getränk, die Jakbutter ist der nahrhafteste Teil des tibetanischen Nationalgerichtes Tsamba (Buttertee). Die zottige Behaarung schützt den Jak vor Kälte und Sturm. Aber die Jakhaare in der Butter lassen diese leicht ranzig werden. Daran mußte Tom sich erst gewöhnen.

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Ein Auto in Tibet?

Am Morgen werden sie von einer ganzen Kavalkade chinesischer und tibetanischer Reiter begleitet. An der Jangtsebrücke bei Drubanang steht eine chinesische Grenzburg. Sie war bis vor wenigen Monaten der äußerste Vorposten Chinas gegen Hsi=Tsang, den tibetanischen Teil von Tibet. Die eiserne Hängebrücke gerät in beängstigende Schwingungen, als die Kavalkade hinüberreitet. Tief darunter brausen und schäumen die Wasser des Flusses. Drüben steht tatsächlich ein Auto, ein offener 1,5=t=Lastwagen! Tschitschä, "Gaswagen", nennen die Chinesen das Auto; die Tibetaner haben kein eigenes Wort dafür. Der Abt und ein chinesischer Beamter nehmen neben dem russischen Fahrer Platz. Der Rest der Reisegesellschaft und zehn chinesische Soldaten mit MG.s und MP.s suchen sich hinten auf dem Gepäck einen Platz. In der Morgensonne wird es bald tropisch warm, obgleich die Straße Höhen von 3000 bis 4000 Meter erklimmt. Dorrtsche und Tom sitzen auf Säcken aus Jakhaut, in die gepreßter Tee eingenäht ist. Verglichen mit dem hölzernen Pferdesattel ist das ein angenehmer Sitz. Seine Tibetkarte in der Hand, versucht Tom die Reiseroute auszumachen.

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Aber Tibet ist groß und die Karte klein. Autostraßen sind überhaupt nicht eingezeichnet. Am Bumlapaß erreichen sie einen Punkt, wo drei Riesenflüsse Asiens sich so nahe kommen, daß man sie von einem Flugzeug in großer Höhe gleichzeitig sehen könnte. Durch die wildesten und tiefsten Schluchten der Erde fließen von hier aus der Salwin und der Mekong südwärts nach Burma und Siam, während sich der Jangtse ostwärts nach China wendet. Zwischen den Oberlaufen von Jangtse und Mekong folgt die neue Straße meist dem alten Karawanenweg: über Hochflächen hin, an Berghängen entlang und durch tiefe Schluchten von Nebenflüssen. In Haarnadelkurven windet sich die Straße hinab und hinauf. Aufwärts kocht das Kühlerwasser des Motors. Die geringste Unachtsamkeit des Fahrers bedeutet für ihn und alle Mitreisenden den sicheren Tod. Zur Linken haben sie fast den ganzen Tag Sicht auf eine Kette von Sechstausendern. Siebenmal geht es über Pässe von mehr als viertausend Meter Höhe. Jaktreiber und Teeträger, Lamas, Pilger und Hirten stehen mit weit geöffneten Mündern am Weg. Jaks, Ponnys und Schafe suchen vor dem brummenden Autoungetüm das Weite. Die Soldaten knallen mehrmals hinter einem Bären, einmal auch hinter einem Wolf her. Die gefürchteten Räuberstämme der Gegend scheinen zu wissen, daß dieser Wagen nicht nur unter dem Schutz chinesischer Soldaten steht, sondern auch den Segen des höchsten Lamas hat.

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Zwei Großlamas - Jungen wie Tom

Zwischen Bergriesen und Schluchten, Brücken und Pässen, Sonnenhitze und eisigen Winden hört Tom aufmerksam zu, wie Dorrtsche die Geschichte der beiden Großlamas von Tibet erzählt. "Seitdem Tsongkhapa die Sekte der Gelben Lamas gründete, wird der Priesterstaat Tibet von zwei Großlamas regiert. Der erste, der Dalai Lama, leitet von Lhasa aus die weltlichen Regierungsgeschäfte. Der andere, der Pantschen Lama, ist das Oberhaupt der Kirche und zugleich Abt des Klosters Taschilumpo, das bei Schigatse, 200 Kilometer westlich von Lhasa, liegt. Nach diesem Kloster wird der Pantschen auch Taschi Lama genannt. Gegenwärtig sind beide Großlamas Jungen, ungefähr im selben Alter wie Tom. Der Dalai Lama ist gerade siebzehn, der Pantschen - Taschi - Lama nur vierzehn Jahre alt. Das Amt der Oberlamas wird nicht wie bei Königen vererbt, sie sind ja unverheiratet und haben keine Kinder. Aber sie werden auch nicht wie die römischen Päpste gewählt. Als Anhänger Buddhas glauben die Tibetaner an eine Seelenwanderung.

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Der Abt im Flugzeug

Mit westlichem Kurs fliegt die Maschine geradewegs auf eine Kette von Schneegipfeln zu, die sich über die Wolkendecke erhebt. Alle Gipfel sind über 6000 Meter hoch, der Minya Gongkar gar 7700 Meter! Die Mitreisenden sind beeindruckt von der Erhabenheit der Bergwelt ringsum. Nur der Abt sitzt tief in sein Gebet versunken mit untergeschlagenen Beinen da. Langsam gleiten die Kugeln der Gebetskette durch seine feingliedrigen Finger.

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Tibetanischer Räuber grüßt mit ausgestreckter Zunge

Tibetanische Räuber betrachten das Ausplündern von Handelskarawanen als ihr gutes Recht. Tom hofft, daß sie die Karawane des Gelben Lama, in der er reist, nicht als Handelskarawane ansehen. Zum Glück ist ihre Eskorte zahlreicher als die meisten Räuberbanden. Einmal kommt ein bewaffneter Räuber ganz nahe an Tom heran. Der Leiter ruft den verwegen aussehenden ein paar Worte zu. Da geschieht etwas, was Tom hell auflachen läßt. Wie ein frecher Berliner Junge streckt der Räuber seine Zunge aus. Das gilt in Tibet als höflicher Gruß.

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EMPFEHLUNGSSCHREIBEN DES KAISERS

Wenn ein Dalai oder Pantschen Lama stirbt, so fährt seine Seele in ein gerade geborenes Kind hinein. Dieses muß dann gesucht und gefunden werden. Das dauert oft jahrelang. Denn Tibet ist groß, fünfmal so groß wie Deutschland, und seine Wege sind weit und beschwerlich. Der XIII. Dalai Lama starb 1933 in Lhasa, sein jetziger Nachfolger wurde erst vier Jahre später in einem Bauernhaus am Kukunorsee in der Provinz Kham gefunden. Für den IX. Pantschen Lama, der 1937 in Jekundo am oberen Jangtse gestorben war, fand man einen Nachfolger drei Jahre später in der Nähe des Klosters Kumbum. Die Seele eines verstorbenen Großlamas mag sich ebensowohl im Körper eines Bauernsohnes wie in dem eines Adelskindes eine neue Wohnung suchen. Durch eine solche Inkarnation kann jeder tibetanische Junge, ob reich oder arm, zum Dalai oder Pantschen Lama aufsteigen. Jede Mutter, die beim Tode eines Großlamas gerade einen Sohn geboren hat, hofft und wünscht, daß ihr Sohn der Auserwählte sein möge. Darum müssen die Lamamönche, die ausgesandt werden, den Nachfolger zu finden, viele Jungen im Babyalter prüfen." "Aber Babies und Drei= oder Vierjährige können doch noch nicht lesen und schreiben", wendet Tom ein, der an seine Mittelschulprüfung denkt. Dorrtsche lächelt. "Die Prüfung des XIV. Dalai Lama ging so vor sich. Nachdem das Staatsorakel, ein weissagender Mann in Lhasa, in dem Wasserspiegel eines Sees das Bild eines Bauernhauses gesehen hatte, gingen die Mönche auf die Suche nach diesem Haus. Am Kukunorsee fanden sie eins, das dem beschriebenen genau glich. Dort wohnte ein Bauer mit vielen Kindern. Darunter war der vierjährige Kundün. Ihn prüften sie, weil seit dem Tode des Dalai gerade vier Jahre vergangen waren. Sie gaben ihm vier Trommeln zum Spielen. Eine davon war die Trommel des verstorbenen Dalai Lama gewesen, die anderen hatte man ihr möglichst genau nachgebildet. Kundün griff sofort nach der geheiligten Trommel und spielte damit. Dann legte man dem Kind vier Handstöcke hin, von denen einer dem Dalai Lama gedient hatte. Kundün wählte keinen der silberglänzenden neuen, sondern den verschrammten, gebrauchten. Als er unter atemloser Spannung der Prüfenden auch noch die dritte Probe bestand und von vier Gebetsketten diejenige erwählte, die von dem verstorbenen Dalai getragen worden war, da hatte Kundün die Prüfung bestanden.

Stichwörter. Tibet, Mekong, Dalai Lama, Pantschen Lama

Er wurde nach Lhasa in die Potala, die Gottesburg, gebracht und dort von Lamas und Adeligen erzogen. Solange er unmündig war, führte ein Regent die Staatsgeschäfte für ihn. Mit sechzehn Jahren aber übernahm er selbst die Regierung. Zu seinen Freunden und Beratern gehörte auch ein deutscher Forscher, der mehrere Jahre in Lhasa lebte" - " ... und der das Land verließ, als die Truppen Mao Tse=tungs auf Lhasa marschierten", wirft Herr Wu ein. Wenigstens mit einem Ohr hört er immer auf die Gespräche, die Dorrtsche und Tom führen. Unbeirrt fährt Dorrtsche fort: "Der X. Pantschen Lama ist im Kloster Kumbum in der äußersten Nordostecke Tibets erzogen worden. Er hat trotz seiner Jugend schon weite Reisen gemacht. In diesem Frühjahr hat unser Abt ihn in Peking im Kaiserpalast gesehen. Dort saß er bei einem Festmahl zur Rechten von Mao Tse=tung. Der Pantschen wird uns bald auf dieser Straße folgen und nach Lhasa reisen. Er wird nicht nur sein Amt als Abt von Taschilumpo antreten, der Junge ist auch zum Leiter der Regierungsgeschäfte in der Provinz Tsang ernannt worden." Tom geht es wie den Pilgern, die nach dem heiligen Lhasa wallfahren. Je schlimmer die Strapazen der Reise werden, desto heißer wird der Wunsch, in die erhabene Stadt einzuziehen und im Anblick des Potala und unter den segnenden Händen des Dalai Lama alle Anstrengungen zu vergessen. Bis Tschamdo am Mekong geht die Autofahrt glatt vonstatten. Die Autostraße ist sogar noch ein Stück über diesen Ort hinaus fertiggestellt. Dann aber folgen tagelange Ritte im harten Ponysattel. Hitze und Staubstürme bei Tage und grimmige Kälte und eisige Winde am Abend und in der Nacht. Wenn die Reiterkarawane sich lang auseinanderzieht, weil die Tiere nicht ein gleiches Tempo einhalten können, dann drohen Überfälle von Räubern, Wölfen und Leoparden. Die Kunde, daß zwischen Chinesen und Tibetanern fortan Friede und Freundschaft herrschen soll, ist noch nicht bis zu allen Räuberstämmen vorgedrungen. Sie betrachten das Ausplündern der Karawanen reicher Kaufleute überdies als ihr angestammtes Recht. Wenn Toms Reisegesellschaft in einer großen Staubwolke dahinzieht, sehen die Räuber nur den starken Schutz der Soldaten und vermuten reiche Beute. Mehr als einmal kommt es zu mächtigen Feuergefechten. Sogar MG.s haben die Räuber, wohl von entlaufenen tibetanischen Soldaten gekauft. Tom hält sich immer möglichst dicht an Dorrtsche. Seine reichen Erfahrungen auf den Pilgerfahrten von Tibet sind ein besserer Schutz als die Waffen der Eskorte. Einmal kommt ein bewaffneter Räuber ganz nahe an Dorrtsche und Tom heran. Der Lama ruft dem verwegen aussehenden Mann einige Worte zu. Da geschieht etwas, was Tom hell auflachen läßt. Wie eine freche Berliner Range steckt der Räuber ihm seine Zunge aus, ganz tief. Das gilt in Tibet als ein Zeichen höchster Ehrerbietung. Dorrtsche hatte ihm zugerufen, daß Tom als Gast des Dalai Lama reise. Immer sind die Tempel und Klöster am Wege für den Empfang der Reisegesellschaft gerüstet. Sie bekommt das beste Essen, das ärmliche Dörfer oder reiche Klöster aufzubieten vermögen. Oft ist es nur Tsamba und Buttertee. Aber daran gewöhnt sich Tom ebenso schnell wie an das Ungeziefer in den Herbergen. In den meisten Klosterzellen wimmelt es von Wanzen und Läusen. Als die Reisegruppe bei Tschamdo den Mekong und zwei Tage später bei Schapje Sampa den Salwin überquert, hätte Tom am liebsten ein Bad genommen. Aber dafür ist weder Zeit, noch haben seine Mitreisenden Verständnis für einen solchen Wunsch. Das tägliche Waschen von Gesicht und Händen ist in Tibet nicht üblich, es gilt sogar als schädlich. Wenn nicht heiße Quellen besonders dazu einladen, wird ein gründliches Bad nur ein= oder zweimal im Jahre genommen. Statt dessen reiben die Tibetaner ihre Haut täglich mit Jakbutter ein. Das verhindert einen Sonnenbrand und mildert den Eishauch der Stürme. Vor Schopando ist wieder ein Teilstück der neuen Straße fertig, und der Abt und seine Gesellschaft können in einem Jeep in einigen Stunden die Strecke von zwei Tageritten hinter sich bringen. Dann aber geht es wieder in eine Kette von Gipfelriesen hinein, die alle über 6000 Meter hoch und mit ewigem Schnee und Eis bedeckt sind. Das sind die östlichen Ausläufer des Transhimalaja, über den Tom in Sven Hedins Büchern gelesen hat. Jetzt geht der Ritt über Pässe, die mehr als 5000 Meter hoch sind. Tom ist glücklich, daß er sich mit Pelzmantel und Pelzmütze vor dem Eiswind schützen kann. Ohne seine Pelzstiefel würden ihm die Füße in den Steigbügeln erfrieren. Dabei laufen Hirten, Lamas und Pilger in Pelzmänteln barfuß herum. In der warmen Sonne entblößen sie auch die eine oder andere Schulter. "Sie waschen sich in der Sonne", sagt Dorrtsche lächelnd zu Tom. Auf den Hochflächen finden die Hirten für ihre Lagerfeuer keinerlei Holz. Jakdung ist das einzige Brennmaterial. An seinen beißenden Rauch muß Tom sich erst gewöhnen. Sorgfältig trägt er in seine Tibetkarte jeden Morgen das Tagesdatum ein. So weiß er genau, daß er am 18. Tage nach der Fluglandung in Batang ist, als sie bei der Medukongkar den Kjitschufluß erreichen. An diesem Nebenfluß des Brahmaputra liegt die heilige Stadt Lhasa, nur noch zwei Tagesritte weiter nach Südwesten.

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Die Straße im Flußtal ist mit großen Felssteinen gepflastert. Neben reitenden und wandernden Pilgern gibt es auch viele Büßer, die jeden Kilometer des Weges mit ihrer Körperlänge ausmessen. Ihr Gesicht nach Lhasa gewandt, liegen sie für eine Gebetslänge mit dem Bauch auf der Erde, schreiten dann um eine Körperlänge vor und legen sich wieder hin: ungezählte Male. Jahrelang sind sie so unterwegs. Ihr einziges Gepäck ist ein Beutel mit Tsamba. Mitleidige Pilger geben ihnen Gerstenmehl und Butter als Almosen. Für Tom und seine Freunde ist die Herberge in Medukongkar die letzte vor Lhasa. Frühmorgens besteigen sie ohne die Soldaten zwei Jakhautboote, die mit der starken Strömung des Flusses in sechs Stunden nach Lhasa hinabtreiben. Stellenweise ist das Flußtal breit, und die Ufer sind sandig. Hier gibt es Gerstenfelder und Bewässerungskanäle unter Pappeln und Weidenbäumen. Oft aber verengt sich das Tal. Die bläulichen Felsen treten unmittelbar an die Ufer des Kjitschu heran und verursachen gefährliche Wirbel und Strudel. Tom muß ganz still sitzen und sich ducken, um den steuernden Bootsmann nicht zu behindern.

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Auf ruhigerem Wasser singen die Bootsleute. Sie haben wie die meisten Tibetaner ein offenes, fröhliches Wesen. Sie lachen gern. Als Herr Wu beim Einsteigen in das Boot ins Wasser kippte, wäre sein Bootsmann vor Lachen fast selbst hineingefallen. - Von den nahen oder fernen Randbergen des Tales leuchten weiße und rote Mauern und vergoldete Dächer zahlreicher Tempel und Klöster. In den blockförmigen Gebäuden sind oft drei und vier Reihen von Fenstern übereinander. 400 000 Mönche und 5000 Klöster sind über das weite Land Tibet verstreut. Nirgends aber häufen sie sich so wie im Bereiche der Hauptstadt. Um die Mittagsstunde liegt Lhasa vor den Reisenden im Boot. Breit und flach duckt sich die Stadt in die weite pappel=, wiesen= und lotosgrüne Talebene. Wie Kulissen rahmen bläulich=kahle Felsenberge die Mitte des Bildes ein: den Potala, die Burg des Dalai Lama, die sich auf einem Hügel über die Stadt erhebt. Blendend weiße und rote Mauern, zwölf Reihen von Fenstern übereinander. Darüber goldene Dächer unter einem strahlend blauen Himmel! Tom ist hingerissen von diesem Anblick. Dorrtsche und der Abt verneigen sich und murmeln ihr immer wiederkehrendes Gebet: Om mani padme hum. Om mani padne hum! Heil, du Juwel in der Lotosblüte! Die Stadt Lhasa hat keine Mauern. Flachgedeckte Häuserblocks ziehen sich bis an die grünen Ufer des Flusses hin. An der Anlegestelle für die Boote sind unter schattigen Weidenbäumen viele hohe Würdenträger versammelt, um die Ankommenden zu begrüßen, Äbte und Lamas in roten und gelben Gewändern, Chinesen in Ischangs und Uniform. Tiefe, immer wiederholte Verbeugungen zwischen jedem und jedem, aber kein Händedruck von Mann zu Mann. Herr Wu und der andere chinesische Beamte werden in das Haus der chinesischen Gesandtschaft geleitet. In einer Sänfte folgt Tom dem Abt und Dorrtsche in das Kloster der Gelben Lamas. In den engen Straßen drängen sich Tausende von Mönchen und Pilgern. Riesenlange, stimmgewaltige und mit Peitschen bewaffnete Klosterpolizisten schreiten den Sänften voran und bahnen ihnen einen Weg. Immer wieder rufen sie die Titel und Namen der hohen Gäste laut aus.

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Ritt über die eiserne Brücke von Batang

Bei Drubanang in Osttibet führt eine eiserne Hängebrücke über den Oberlauf des Jangtsekiang. Zu ihrer Sicherung haben die Chinesen hier eine Brückenfeste erbaut, die lange Jahre der äußerste Vorposten Chinas gegen Tibet war. Nun reitet Tom mit Dorrtsche und dem Abt über die Brücke. Er wäre lieber zu Fuß hinübergegangen. Unter den Hufen der Pferde gerät die Brücke in beängstigende Schwingung.

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Tausende verneigen sich oder gaffen mit geöffneten Mündern den Sänften nach. Tom fühlt, daß ein Weißer in dieser Stadt immer noch eine Seltenheit ist. In den Ladenstraßen des Basars müssen die Polizisten von ihren Peitschen Gebrauch machen; ihre Stimmen reichen nicht aus, das Menschengewimmel zu zerteilen. Mongolen und Nepalesen, Mandschus, Chinesen und Bhutanesen, Türkis aus Kansu und Sinkiang, Lolos aus Südwestchina und Tibetaner aus allen Teilen des Landes drängen sich hier um die Verkaufsstände. Im Kloster wird Tom wieder mit Dorrtsche zusammen untergebracht. Ihre saubere Zelle liegt im dritten Stock des Hauptgebäudes. Die Aussicht vom Fenster geht über die flachen Dächer der Nachbargebäude auf den Potala, der mit über hundert Meter Höhe und einer fast vierfachen Breite riesenhafter ist als irgendein Königspalast in Europa. Tom möchte jauchzen, so glücklich fühlt er sich, daß ihm ein solcher Anblick vergönnt ist. Aber Dorrtsche dämpft seine Freude schon im ersten Augenblick, indem er Tom geheimnisvoll zuflüstert: "Vielleicht müssen wir beide schon in wenigen Tagen den weiten, beschwerlichen Rückweg nach China antreten.

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Unser Abt hat wichtige Nachrichten an die Gelbmützen in China zu senden." So nutzt Tom jede Stunde, um das Leben in dieser unbekanntesten Hauptstadt der Welt kennenzulernen: die Straßen und die Basars, die Klöster und Mönchsschulen, die Paläste und Gärten tibetanischer Adeliger und die schaurige Leichenzerstückelung auf einem Berghang in der Nähe der Stadt. Die Tibetaner mit ihrem Glauben an eine Seelenwanderung fürchten den Tod nicht und werfen ihre Toten den Aasvögeln zum Fraß vor. Mittelalterlich muten Tom die Waffenübungen der tibetanischen Armee an. Mit Leopardenfellen angetan, mit Pfeil und Bogen oder mit Vorderladern bewaffnet, jagen sie auf ihren schnellen Ponies einzeln oder in Gruppen über den Kampfplatz und schießen nach aufgehängten Zielscheiben. In Begleitung des Pekinger Abtes darf Tom die Höfe und Bauwerke des Potala besichtigen. Ganz unglaublich sind die Mengen von purem Gold, die zum Schmuck der Buddhafiguren, Grabmäler und Dächer verwendet worden sind. Das Grabmal des XII. Dalai Lama, das mehrere Stockwerke aufragt, ist von über tausend Kilogramm Gold bedeckt. Von Dorrtsche erfährt Tom, daß die Tibetaner bisher nur den Goldstaub ihres Landes gesammelt haben. Aus religiösen Gründen lasse man die Goldklumpen in den Flüssen und Seen unberührt liegen! "Aber im Kampf um die Erhaltung unserer Lamakirche werden wir die Goldklumpen doch angreifen", fügt Dorrtsche vielsagend hinzu. An einem durch das Horoskop bestimmten Tag wird Tom mit Dorrtsche zusammen vom jungen Dalai Lama selbst empfangen. Nicht in der Potala, sondern in der Sommerresidenz des Gottkönigs, im Juwelenpark. Dabei müssen sie die Vorschriften tibetanischer Höflichkeit genau beachten. Tom kommt es so vor, als sei die Zahl der Höflichkeitsregeln hier noch größer als in der Lehre des Konfuzius.

Stichwörter. Mongolen, Nepalesen, Mandschus, Chinesen, Bhutanesen, Türkis aus Kansu und Sinkiang, Lolos aus Südwestchina und Tibetaner

Vor einer riesigen vergoldeten Buddhastatue sitzt der Dalai Lama mit untergeschlagenen Beinen auf dem Samtkissen des goldenen Thrones in der halbdunklen Thronhalle des Juwelengartens. Er trägt die gelbe Spitzmütze des Tsongkhapa und erteilt mit einem langen goldenen Zepter den Segen für Tausende von Pilgern und Mönchen, die in langer Prozession, tief gebeugt, verzückt oder zitternd, vor seinem Thron vorüberziehen. Ein jeder bringt dem Dalai Lama eine Gabe dar. Dorrtsche hat für Tom einen kostbaren weißen Seidenschal gekauft. Den breitet er nun über die Knie des Heiligen und legt Gerstenbrot und Butter hinein. Der Dalai nickt Tom freundlich zu und legt ihm eine Hand segnend auf das Haar. Auf diese Weise hat der Dalai Lama schon ein paar andere Europäer gesegnet, aber noch nie einen, der so jung war wie er selber. Tom fühlt die warme Hand, er sieht noch einmal in die freundlichen Augen des Gottkönigs, dann wird er weitergeschoben. Ein Thronbeamter legt als Gegengabe des Dalai einen purpurnen Seidenschal um Toms Hals. Gleich am nächsten Tage treten Dorrtsche und Tom die Rückreise nach China an.

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Der Pilger verschmäht die Fahrt mit dem Jakhautboot

Einige Tagesritte vor Lhasa stößt die Reisegesellschaft des Gelben Lama auf das Ufer des Kjitschuflusses. Alle sind froh, aus den harten Holzsätteln der Ponys in ein Jakhautboot umsteigen zu können. Die Flußfahrt bringt sie schneller und bequemer in die heilige Stadt. Der büßende Pilger verschmäht eine Fahrt mit dem Boot. Er hat gelobt, den ganzen Weg nach Lhasa mit seiner Körperlänge auszumessen. Für eine Gebetslänge liegt er bäuchlings auf dem Boden. Dann zieht er die Füße bis an die Hände vor, erhebt sich und spricht stehend ein Gebet, um darauf wieder liegend den Weg zu messen.

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Vor dem Potala in Lhasa

Am 18. Tage nach der Fluglandung in Batang steht Tom vor dem Ziel seiner Reise: Lhasa. Der Potala, die Götterburg des Dalai Lama, erhebt sich auf einem Hügel über die flachen Dächer der Stadt. Tom ist überwältigt von ihrem Anblick. Blendend weiße und rotgetünchte Mauern. Zwölf Reihen von Fenstern übereinander. In der Sonne gleißendes Gold auf allen Dächern. Gelbbemützte Lamas hocken auf der Terrasse eines Tempels und entlocken meterlangen goldenen Luren Urwelttöne.

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Der Pekinger Abt, der fast alle Tage zu geheimen Verhandlungen im Potala gewesen ist, schenkt Tom zum Abschied etwas ganz Besonderes, das gleichzeitig das Geheimnis der beiden gleichen Amulette enthüllt: eine vergoldete Gießform zur Herstellung jener tönernen Buddhafiguren, über deren Ähnlichkeit Tom sich so sehr wunderte, als er damals in Peking die zweite bekam. Dorrtsche hat auf dem Basar noch einige warme Kleidungsstücke eingekauft. Es ist Herbst geworden. Wenn die Sonne in windgeschützten Tälern auch immer noch warm scheint, so friert es doch in den Nächten, und bei dem Ritt über die hohen Pässe wird es bitterkalt. Sechs Wochen später sind Tom und Dorrtsche wieder auf dem Flugplatz in Tschengtu. Ihre Abschiedsstunde hat geschlagen. Bei dem gemeinsamen Ritt durch das gefahrenreiche, winterliche Osttibet sind enge Freundschaftsbände zwischen ihnen geknüpft worden. Dorrtsche hat Tom alle seine Geheimnisse anvertraut und ihm in der letzten Herberge einen Goldklumpen geschenkt, den Tom gerade in eine Hand einschließen kann. Schon aus Batang hat er ein Telegramm an die Familie Wang nach Schanghai geschickt:

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RÜCKKOMME TSCHENGTU IN ETWA 14 TAGEN STOP IST VATER BIRKENFELDT NOCH IN PEKING STOP ERWARTE ANTWORT FLUGPLATZ TSCHENGTU TOM

Eben hat Tom das Anworttelegramm geöffnet:

VATER IN SCHANGHAI GRÜSSE STOP ERWARTE DICH TSCHUNGKING JANGTSEHOTEL

WANG TSCHIPPING

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So müssen sich Toms und Dorrtsches Wege nun trennen. Der Lama fliegt nach Peking zurück, und Tom fährt mit dem Fernautobus nach Tschungking und dann mit einem Jangtsedampfer nach Schanghai. Mit Wang zusammen! Also wird die früher geplante gemeinsame Jangtsefahrt doch noch Wirklichkeit. Die achtstündige Autobusfahrt durch den reichsten Teil des roten Beckens vergeht Tom wie im Fluge. Er brennt vor Erwartung. Ob sein Freund wirklich in Tschungking sein wird? Wang muß sofort nach Eintreffen des Telegramms von Schanghai abgefahren sein. Stromaufwärts benötigen die Dampfer 12 bis 14 Tage, um den 2300 Kilometer langen Wasserweg zurückzulegen. Wie der Ritt zurück durch Osttibet steht auch die Flußfahrt unter einem guten Stern. In Tschungking scheint die Sonne, trotzdem nach den Wetterregeln um diese Jahreszeit Nebel und Regen vorherrschen müßten, und Wang ist bereits den Tag vorher angekommen. Er hat die heilgebliebenen Sehenswürdigkeiten der Stadt, die von 1939 bis 1945 Kriegshauptstadt Chinas war und von japanischen Fliegerbomben schwer mitgenommen wurde, schon aufgesucht und kann Tom nun wieder ein Führer sein. Viel Zeit haben sie nicht, gleich am nächsten Morgen soll es weitergehen.

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Tibetanische Waffenübungen

Mittelalterlich muten Tom die Waffenübungen der tibetanischen Armee an. Mit Leopardenfellen angetan und mit Pfeil und Bogen bewaffnet, jagen sie auf ihren schnellen Ponies einzeln oder in Gruppen über den Kampfplatz und schießen nach aufgehängten Zielscheiben. Die Frauen der Adeligen schauen dabei zu - wie früher die Ritterfrauen bei den Turnieren.

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In den Schluchten des Jangtsekiang

Der Wasserweg zwischen Shanghai und Tschungking ist 2500 Kilometer lang! Mehr als 1000 Kilometer schlängelt sich der Riesenstrom zwischen hohen Deichen durch das Flachland dahin. An seinem Oberlauf aber sind seine Ufer steil und felsig. Man könnte meinen, in einem norwegischen Fjord zu sein. Seitdem die Dampfschiffahrt auf diesem Teil des Flusses Eingang gefunden hat, sind Hunderte von Dampfern an den Klippen zerschellt. Tückisch sind die Wirbel und Strudel, bösartig die Winde. Eine besonders enge Stelle heißt Blasebalg-Schlucht

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Flußabwärts fahren Dampfer nur zweimal wöchentlich, und Tom möchte nicht noch eine halbe Woche warten, bevor er auf dem Dampfer ein gründliches Bad nehmen kann. Das Großartigste an Tschungking ist seine einzigartige Lage. Die "Metropole am oberen Jangtse", die während des Krieges eine Millionenstadt war, liegt auf einer hohen Felsenzunge zwischen dem Jangtse und einem seiner größten Nebenflüsse. Je nach der Jahreszeit steigt und fällt der Wasserspiegel um 20 bis 30 Meter. Alljährlich werden vom Hochwasser Hunderte von Holzhäusern, welche die breiten Felsentreppen der Ufer säumen, fortgeschwemmt, aber von den hartnäckigen Chinesen auch immer wieder neu gebaut. Der Handel am Fluß ist die Quelle des Lebens in Tschungking und wird es immer bleiben, wo hingegen die Regierungsviertel auf sicherer Höhe zum Teil verödet daliegen. Es ist gerade 50 Jahre her, seitdem es dem ersten Dampfschiff gelang, den 600 Kilometer langen, an Felsenschluchten und Stromschnellen reichen Flußabschnitt unterhalb Tschungkings zu durchfahren. Vorher konnten die Waren der Küstengebiete nur in flachen Dschunken nach Szetschuan gebracht werden. Sechzig Treidelkulis waren nötig, um eine große, flache Dschunke stromauf zu ziehen, und die Fahrt durch die Schluchten dauerte etwa 30 Tage. An Felsenvorsprüngen der Ufer sieht man heute noch die tiefen Rillen, welche von den Bambusseilen der getreidelten Dschunken im Laufe von Jahrhunderten in den Sandstein gescheuert wurden. Seit 1904 sind in den Schluchten zwischen Itschang und Tschungking rund 400 Dampfschiffe gestrandet und mehrere Dutzend total verlorengegangen. Der Fluß ist so tief, daß keins der Wracks die Schiffahrt behindert hat. Noch immer ist die Fahrt ein gefährliches und entsprechend teures Abenteuer. Wang hat für seine Rückfahrkarte 250 Dollar bezahlt. Tom kostet die einfache Fahrt abwärts über 100 Dollar.

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Dafür haben sie aber auch alle Bequemlichkeiten der I. Klasse mit Liegestühlen auf einem besonderen Aussichtsdeck, das noch höher liegt als die Kommandobrücke des Kapitäns. Da das Schiff wegen der gefährlichen Strudel nachts vor Anker geht, entgeht den Jungen kein Abschnitt der Fahrt. Zwei Tage lang liegen sie in ihren Deckstühlen, lassen sich das beste europäische Essen servieren, und Tom erzählt und erzählt. In Itschang steigen sie in einen größeren Flußdampfer um.

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Zwei Tage später sind sie in Hankau, dem "Chikago von China". Obgleich diese große Handels= und Industriestadt noch rund tausend Kilometer von der Küste entfernt ist, liegen hier doch schon Ozeandampfer bis zu 10 000 BRT auf dem Strom. Dieser macht in seinem Mittel und Unterlauf zahlreiche große Windungen. An beiden Ufern sind riesige Deiche, über die man zur Zeit des winterlichen Niedrigwassers nicht hinwegschauen kann. Tom und Wang spielen mit dem Kapitän und dem Zahlmeister Mah=Jongg. Der Kapitän behauptet, daß sein Schiff zu Zeiten sommerlicher Überschwemmungen quer über die Deiche gefahren wäre und die Flußschleifen abgeschnitten hätte. Aber Tom weiß nicht, ob das nicht ein Seemannsgarn ist. Er genießt das faule Leben an Bord. Nach den Anstrengungen des Rittes hat er Ruhe nötig. Von Deck gibt es außer Möwen, Dschunken und Dampfern nicht viel zu sehen. Nur zwischen Nanking und Pukau steht Tom vom Mah=Jongg=Tisch auf, und als der Flußdampfer tutend das Schanghaier Elektrizitätswerk passiert, steht er winkend neben Wang an der Reling.

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Audienz beim Dalai Lama

An einem durch das Horoskop bestimmten Tag wird Tom mit Dorrtsche zusammen von dem jungen Dalai Lama empfangen. Der Gottkönig sitzt mit untergeschlagenen Beinen auf einem Samtkissen des goldenen Thrones, vor einer riesigen Buddhastatue. Freundlich nickt der fast Gleichaltrige Tom zu und legt ihm seine Hand segnend auf das Haar.

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Häuser am Jangtsekiang

Das ist Tschungking, die Handelsmetropole am oberen Jangtse, die von 1939 bis 1945 Kriegshauptstadt von China und Hauptquartier von Marschall Tschiangkaischek war. Wie Schwalbennester sind die Holzhäuser an die steilen Felsenufer des Flusses geklebt. Tiefer unten würden sie vom Hochwasser hinweggeschwemmt. Je nach der Jahreszeit steigt oder fäll Wasserspiegel um 20 bis 30 Meter. Auf schmalen und breiten Steintreppen die zum Wasser hinunterführen, ist wimmelndes Leben von Wasser- und Lastträgern. Die Dschunken müssen gelöscht und beladen, die Stadt mit Trink- und Waschwasser versorgt werden.

 

 

 

 

 

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