Nord-Australien

Reiseberichte Nord-Australien

Aus dem Sanella-Album Australien

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Australien Neuseeland

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Das große Abenteuer beginnt

Wir sind kaum eine Woche in Green Gate, da setzen die ersten Regenfälle ein. Es ist warm und feucht - die Regenzeit hat begönnen! Von Onkel John traf ein Telegramm ein. Er ist einverstanden, daß Klaus vorläufig bei uns bleibt. Vater Werneburg hatte noch einen Satz darunter gesetzt: "Macht keine Dummheiten, wenn ihr wieder1000=Meilen=Ausflüge macht!" Anscheinend hat er geahnt, daß wir beiden wieder etwas vorhaben. Aber das muß ich euch genauer erklären: Als Steve sein Studium begann, da gab Vater mir einen Scheck über den gleichen Betrag, den auch Steve bekommen hatte. "So, mit diesem Geld kannst du machen, was du willst. Du kannst studieren, Reisen machen, um das Land kennenzulernen oder dir ein Auto kaufen. Aber überlege es dir gut." Und ich habe genau überlegt! So wie die Regenzeit vorbei ist, werden Klaus und ich zu einer neuen großen Fahrt starten - quer durch den Osten Australiens. Zuerst einmal werden wir uns Port Darwin ansehen und dann . . . aber so weit sind wir ja noch nicht! Vater sagte eine ganze Weile nichts, als ich ihm von unserem Plan erzählte. Dann nickte er und meinte: "Du bist alt genug, um zu wissen, was du willst. Und schaden kann es nicht, wenn du dir den Wind ein wenig um die Nase wehen läßt!" Mutter hatte natürlich zuerst Bedenken - wie Frauen so sind! Aber als wir versprachen, regelmäßig zu schreiben, und Vater uns eine lange Liste von Bekannten gab, an die wir uns wenden sollten, wenn wir Hilfe brauchten, da gab sie schließlich nach. Noch nie kam mir eine Regenzeit so lang vor wie diese! Aber eines Tages war es dann doch so weit. Vater bringt uns mit dem Gepäck nach Halls Creek. Als das Flugzeug sich weich in die Luft hebt und wir unter uns die Bergketten und Bäume dahinsausen sehen, da fällt mir plötzlich Bills Cowboylied ein, und ich beginne laut zu jodeln! Die anderen Leute in der Kabine halten mich anscheinend für verrückt.

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Aber sie wissen ja nicht, daß wir beiden jetzt mitten hinein in das große Abenteuer fliegen! In Darwin halten wir uns nur ein paar Stunden auf. Wir bummeln durch den Hafen, klettern die Steilküste empor und sehen uns die kleine, hübsche Stadt an, die von hier oben auf den großen, flachen Van=Diemens=Golf blickt. Gleich am Anfang kommen wir in die Chinesenstadt. Hier ist etwas los! Da wird geschnattert und gefeilscht, mit den Händen geredet und herumgerannt! Oberall hängen lange, bunte Plakate mit chinesischen Schriftzeichen. Ein Verkaufsstand steht neben dem anderen. Kreuz und quer laufen Chinesenkinder, und Dutzende von Hunden kläffen aus Hauseingängen und Fenstern. Die Menschen haben freundliche Gesichter, sie lächeln und winken uns zu, wenn wir die Auslagen der Geschäfte betrachten. Auch am Abend, als wir in den Zug nach Mataranka steigen, hört der Krach nicht auf. Raketen und Feuerräder steigen über dem Chinesenviertel auf. "Das Feuerwerk machen sie anscheinend uns zu Ehren!" lacht Klaus. "Verdient hätten wir es ja; denn wenn der Roper nicht überall Wasser führt, dann gute Nacht - Marie!" Wir wollen also nach Mataranka. Dann soll es mit einem Boot den Roper=River hinuntergehen, und wenn alles gut geht, werden wir den Carpentaria=Golf erreichen. In Mataranka wohnt Dr. Hunter, ein Zahnarzt, der mit auf Vaters Liste steht. Als er am nächsten Morgen hört, was wir vorhaben, runzelt er die Stirn. "Wasser werdet ihr wohl genug haben. Es hat ja jetzt monatelang geregnet. Aber - kennt ihr denn den Fluß? Der hat so seine Tücken!" Aus seinem Schreibtisch kommen allerhand Landkarten zum Vorschein. Schließlich meint er: "Ich gebe euch Jonny mit. Der kennt den Fluß wie seine Westentasche. Es ist trotzdem noch gefährlich genug. Und ein Boot könnt ihr von mir bekommen!" An einem sonnigen Morgen starten wir - Klaus, Jonny und ich. Jonny, ein kleiner, sehniger Eingeborener, der Dr. Hunter schon seit Jahren auf seinen Fahrten durch das Land begleitet, ist ein netter, freundlicher Kerl. Er trägt einen Strohhut, der ihm viel zu groß ist. "Gut, daß seine Ohren abstehen", grinst Klaus. "Sonst müßte er sich zwei Löcher in den Hut schneiden, um sehen zu können!"

Klaus wird blaß und Jonny schlägt zu

Rasch gleitet unser Boot flußabwärts. Jetzt, kurz nach der Regenzeit, führt der Roper viel Wasser. Das Ufer ist von Gestrüpp und Schilf bewuchert. Dahinter liegt flaches Grasland mit einzelnen Eukalyptusbäumen. Hin und wieder schimmert die weiße Rinde eines Teebaums durch das Gras. Reiher stehen unbeweglich im flachen Uferwasser. Ab und zu hüpft ein Fisch aus dem Wasser und fällt klatschend zurück. Als ein paar Enten rauschend aus dem Schilf auffliegen, schieße ich - ohne lange zu zielen.

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Chinesenstadt in Port Darwin

Das erste, was uns in Port Darwin empfing, war das Chinesenviertel. Das war ein Schnattern und Feilschen! Aus den Hauseingängen und Fenstern kläfften die Hunde, überall hingen lange bunte Plakate mit chinesischen Schriftzeichen. Vor jedem Verkaufsstand blieben wir stehen. Die Menschen hatten freundliche Gesichter, sie lächelten und winkten uns zu, wenn wir die Auslagen der Geschäfte betrachteten.

Chinesenstadt in Port Darwin

Darwin wurde i8jo gegründet. Heute ist es vor allem eine Beamtenstadt. Größere Industrien sind nicht vertreten, weil die feuchte, tropische Hitze schwere körperliche Arbeit für die Weißen unmöglich macht, und die "Weiß=Australien= Politik" der Regierung die Einwanderung farbiger Arbeitskräfte praktisch verbietet.

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Ich traue meinen Augen kaum, als tatsächlich eine drüben am anderen Ufer herunterfällt. Jonny hält auf die kleine Bucht zu. Klaus steht vorn im Boot, um mit der Leine in der Hand an Land zu springen, denn irgendwo da oben muß unser Mittagessen liegen. Jetzt! Klaus macht einen Satz, kommt aber auf dem schlammigen Boden ins Rutschen. Er versucht, sich mit der einen Hand an einer gelbbraunen Luftwurzel zu halten. Aber was ist denn das? Leben denn hier die Bäume!? Klaus stößt einen gellenden Schrei aus und schleudert im Fallen die "Luftwurzel", eine 1V2 Meter lange Baumschlange, zur Seite. Blitzschnell ist Jonny neben ihm und schlägt mit einem kurzen Beil die Schlange in zwei Stücke. Aber das Biest windet sich immer noch in wilden Zuckungen und stößt wütend mit dem Kopf gegen Klaus Stiefel. Ein zweiter Schlag macht ihr den Garaus! Klaus steht auf. Dann legt er Jonny die Hand auf die Schulter. Er sagt kein Wort. Der Schreck scheint ihm doch ziemlich in die Glieder gefahren zu sein. Jonny lacht. "Roper=River kein gemütliches Fluß. Viel Augen auf machen hier. Baumschlangen sehr giftig. Viel beißen!" Er verschwindet im Gebüsch und kehrt ein paar Minuten später mit der Ente zurück. Ja - Jonny hat recht, hier gibt es eine Überraschung nach der anderen! Als wir abends unser Lager auf einer flachen Sandbank aufschlagen, sehe ich das erste Krokodil. Aber Jonny beruhigt mich: "Hier auf Sandbank bleiben. Krokodil nicht angreifen, wenn Mensch auf Land. Drüben Schlangen und viel Moskitos. Hier wir sehen können, wenn Gefahr!" Keiner von uns kann schlafen in dieser ersten Nacht im Urwald. Wir hocken am Feuer. Die Pfeifen qualmen. Voller unbekannter, geheimnisvoller Laute ist die Tropennacht. Plötzlich bekomme ich von Klaus einen Stoß. Ein Rauschen ist in der Luft - voller Schreck denke ich an unseren Sandsturm in der Nullarbor-Ebene!

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Aber es rauscht nicht nur - es stinkt auch, scharf und ranzig! Dicht über unseren Köpfen flattern Hunderte, nein Tausende von Fliegenden Füchsen - jenen übelriechenden Fledermäusen, die der Schrecken der australischen Obstfarmer sind. Denn wenn sich so ein Schwarm auf eine Obstplantage niederläßt, dann bleibt nicht viel von der Ernte übrig! - Wir sind froh, daß der stinkende Schwarm weiterfliegt und uns wieder auf unserer Sandbank im Roper-River allein läßt. Nach ein paar Tagen wird der Urwald dichter. Es ist heiß und feucht hier. Bambus, Feigen- und Pandanusbäume stehen bunt durcheinander - ein undurchdringliches, dunkelgrünes Gestrüpp! Viele Krokodile gibt es hier. Es sind teilweise recht ansehnliche Burschen von 3 bis 4 Metern Länge, die klatschend im Wasser verschwinden, wenn unser Boot sich nähert. Als wir um eine Biegung des Flusses fahren, sehen wir plötzlich zwei Boote mit Eingeborenen vor uns. Die Schwarzen stehen in den langen, schmalen Einbäumen mit hoch erhobenen Speeren.

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Klaus und die Baumschlange

Plötzlich wurde die Luftwurzel, an der sich Klaus festhalten wollte, lebendig. "Leben denn hier die Bäume?" Entsetzt schleuderte er die T/2 Meter lange Baumschlange von sich. Jonny erledigte das giftige Reptil mit dem Buschmesser.

Klaus und die Baumschlange

Australien ist sehr reich an Schlangen. Zwei Drittel aller vorkommenden Arten sind giftig. Im Norden des Landes sind Baumschlangen besonders häufig. Sie passen sich durch die Schutzfarbe ihrer Umgebung vortrefflich an und sind deshalb nicht leicht zu erkennen.

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Am Roper-River

Rasch gleitet unser Boot flußabwärts. Jetzt - kurz nach der Regenzeit führt der Roper-River viel Wasser. Das Ufer ist von Gestrüpp und Schilf bewuchert. Dahinter liegt flaches Grasland mit einzelnen Eukalyptusbäumen. Hier und da schimmert die weiße Rinde eines Teebaumes durch das Gras. Reiher stehen unbeweglich im flachen Uferwasser. Ab und zu schnellt ein Fisch aus dem Wasser und fällt klatschend zurück.

Am Roper=River

Das Arnhem=Land, die Halbinsel zwischen der Timor=See und dem Carpentaria=Golf', wird von drei größeren Flüssen mit zahlreichen Nebenarmen bewässert: dem Victoria=, dem Daly= und dem Roper=River, der besonders wegen seines Fischreichtums bekannt ist. Am Oberlauf hat die Regierung eine Reihe von Muster= und Versuchsfarmen angelegt.

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Unwillkürlich greife ich zu meiner Pistole. Aber Jonny schüttelt abwehrend den Kopf. "Nicht schießen. Neger fischen. Ich sprechen mit Neger." Er ruft den beiden etwas zu. Die lachen und winken. Mit ein paar Ruderschlägen sind wir neben ihnen. Neugierig schauen wir uns gegenseitig an. Ich gebe jedem eine Zigarette. Anscheinend kennen sie die weißen Stäbchen, denn sie stecken sie sofort an, als Klaus ihnen Feuer anbietet. Am Ufer erscheinen noch andere Eingeborene. Wir legen an und werden in das Lager geleitet, das ganz in der Nähe liegt, zwischen einigen Büschen versteckt. Freigebig verschenken wir Zigaretten, die dankbar angenommen werden. Die ganze Gesellschaft sitzt im Kreis herum und raucht. "Wir Krokodil schießen und Neger schenken", flüstert mir Jonny zu. "Dann sie bestimmt gute Freunde!" Die Idee ist prima. Ich wollte schon lange einen unserer unheimlichen Nachbarn erlegen. Wir schultern die Gewehre und schließen uns einem nackten, weißbärtigen Alten an, der uns am Ufer entlangführt. Nach einer Viertelstunde verlassen wir den Fluß und schlagen einen Bogen. Der Boden ist feucht und sumpfig. Immer wieder waten wir durch flache Tümpel, aus denen sich Wolken von Moskitos erheben. Kleine Krokodile sind hier überall. Anscheinend ist es eine besondere Art; sie haben viel längere Köpfe, als die meisten, die wir bisher gesehen haben. Aber wir wollen ja einen "dicken Mann" schießen, wie Jonny sagt. Ich habe etwas den Anschluß verloren, weil ich mir eine große gelbe Blüte ansehen wollte, die aus dem grünen Dickicht leuchtet. Da sehe ich rechts vorn zwischen den Büschen Klaus' Kopf auftauchen. Um den Weg abzukürzen, steure ich geradenwegs auf ihn zu. Ja - aber was nun? Ein etwa drei Meter breiter Graben liegt vor mir. Hinüberspringen geht nicht, denn hier kann ich keinen Anlauf nehmen. Aber da steckt ja ein dicker Baumstamm halb im Wasser, der fast bis drüben reicht.

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Vorsichtig setze ich einen - Fuß auf den schlammig=glänzenden Stamm. Aber wie elektrisiert zucke ich zurück! Mein "Baumstamm" stößt ein seltsames, gurgelndes Geräusch aus und verschwindet blitzschnell im schlammigen Wasser. Ein Krokodil! Vermutlich habe ich es gerade beim Mittagsschlaf gestört. Mit zitternden Händen stecke ich mir eine Zigarette an. Etwas später sind wir an einem sumpfigen See. Vorsichtig schiebe ich Zweige und Blätter zur Seite. Ein paar Eidechsen verschwinden, leise raschelnd. Etwa 15 Meter vor mir liegen drei "Dicke Männer" träge am Ufer. Wir nehmen uns den mittleren aufs Korn. Ich halte genau auf das blinzelnde Auge des Reptils und - bauz! - fällt der Schuß. Gleich darauf schießt auch Klaus. Wir haben beide getroffen! Das Krokodil schlägt wild mit dem großen, kräftigen Schwanz um sich. Schließlich rollt es auf die Seite und bleibt, mit dem Bauch nach oben, halb im Wasser, halb auf dem Lande liegen. Abends im Eingeborenenlager gibt es Krokodilbraten. Mir schmeckt das Zeug nicht - es riecht nach faulem Wasser.

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Eingeborener im Einbaum beim Fischfang

Als wir um eine Biegung des Flusses fahren, sehen wir plötzlich zwei Boote mit Eingeborenen vor uns. Die Schwarzen stehen in den langen, schmalen Einbäumen mit hoch erhobenen Speeren. Da - jetzt stößt der eine zu! Ein Fisch zappelt an der Spitze des Speeres.

Eingeborener im Einbaum beim Fischfang

Rund um den Carpentaria=Golf liegen die meisten Eingeborenenreservate. Hier leben die Ureinwohner des Landes vielfach noch vollkommen ursprünglich - wie vor Hunderten von Jahren. Vom Einbaum aus Speeren sie Fische, und in den Wäldern jagen sie nach Schlangen, Vögeln und Beutelratten.

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Jims lebende Fußbank

Wie erschrak ich, als der Baumstamm, auf dem ich den Sumpf überqueren wollte, plötzlich seinen Rachen aufsperrte. Fast wäre ich dem großen Krokodil, das da träge im Uferschlamm lag, auf den Kopf getreten! Und das hätte schlimm ausgehen können!

Jims lebende Fußbank

Krokodile sind Panzerechsen, Kriechtiere mit knöchernen Hautschilden. Zwischen den Zehen ihrer kurzen Beine haben sie Schwimmhäute, die sie zusammen mit dem kräftigen Ruderschwanz - zu ausgezeichneten Schwimmern machen. In Australien ist vor allem das Leistenkrokodil zu Hause, das bis zu 10 Meter lang wird.

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Als wir morgens zu unserem Boot gehen, stellen wir einen fast zwei Meter langen grasgrünen Leguan. Da er keinen anderen Ausweg sieht, klettert er schnell und gewandt an einem glatten Eukalyptusbaum empor. Das hätte er lieber nicht tun sollen! Denn nun bietet er ein prächtiges Ziel für die Speere der Eingeborenen. Ein paar Sekunden später liegt er dann auch schon zappelnd und von zwei Speeren durchbohrt am Boden. Mit einigen Keulenschlägen wird das Tier getötet. Die Australneger werfen die Speere meist nicht mit der Hand, sondern mit einer einfachen, aber sinnreichen Schleudervorrichtung. Das Ding sieht aus wie ein breites, gewölbtes Holzschwert. Dahinein wird der Speerschaft gelegt. Beim Wurf verlängert die Speerschleuder den Arm um das Doppelte. Der Speer fliegt dann auch mit einer unheimlichen Wucht! Ich möchte jedenfalls so einen Zahnstocher nicht zwischen die Rippen bekommen!

Wir schwimmen, reiten und fahren zum Barriereriff

Endlich ist es geschafft - wir haben die Küste erreicht! In der Mündung des Ropers treffen wir ein Motorboot mit einigen Krokodiljägern, die gerade beim Aufbruch sind, als wir eintreffen. Wir haben wirklich einen Mordsdusel; denn die Männer wollen uns mit nach Burketown nehmen, weiter unten am Carpentaria=Golf! Plötzlich geht alles sehr schnell. Jonny heult wie ein Schloßhund, als wir ihm zum Abschied die Hände schütteln. Aber er muß ja nach Mataranka zurück, und wir haben noch eine lange Reise vor uns! Erst als er ein paar Fotos von uns beiden und Klaus' Feuerzeug bekommt, beruhigt er sich. Lange winkt er uns zu, als wir mit dem kleinen, flachen Boot abdampfen. Ja, es ist wirklich ein glücklicher Zufall, daß wir die Jäger trafen, die hier seit ein paar Wochen die Flußmündungen unsicher machten. In dieser Ecke gibt es keinen regelmäßigen Schiffsdienst.

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Nur gelegentlich werden die kleinen Orte an der Küste von Frachtbooten oder Regierungsfahrzeugen angelaufen. Der Carpentaria=Golf ist flach und deshalb für größere Schiffe gefährlich. Nach ein paar Tagen kommen wir in Burketown an. Wir kaufen uns Pferde und brechen am nächsten Morgen auf. Am Leichhardt=River entlang geht es nach Süden. Schnell kommen wir aus dem dichten, tropischen Wald heraus. Die weite Savanne des Barkly=Tafellandes liegt vor uns! Als ich abends meinen Sattel unter einen Baum legen will, hüpft ein Kookaburra zur Seite, der eine zappelnde Eidechse im Schnabel hat. Immer wieder hören wir diesen drolligen Vogel irgendwo im Wald lachen, jawohl, richtig lachen!

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Die Farmer nennen den Kookaburra den "Lachenden Jack", und er gibt tatsächlich Laute von sich, die sich anhören, als lache ein Mensch, der sich hinter einem Busch versteckt hat. Er ist ein mutiger kleiner Kerl, der ohne Bedenken Giftschlangen und Eidechsen angreift, und wenn sie auch doppelt und dreifach so lang sind wie er! Beim flackernden Schein des Lagerfeuers erzähle ich Klaus von Leichhardt, dem deutschen Forscher, der vor 100 Jahren dieses Land durchquerte - Queensland, ein Gebiet, das so groß ist, wie Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien zusammen! Mit zehn Begleitern brach er 1843 auf, um einen Landweg von Sydney nach dem Carpentaria=Golf zu finden. Nach anderthalb Jahren tauchte er - halb verhungert und schwer krank - allein an der Nordküste auf. Seine Begleiter waren umgekommen oder hatten ihn verlassen. Er vollbrachte eine Leistung, die einmalig war und die Tausenden von Farmern ein gewaltiges Siedlungsgebiet im Norden erschloß! "Er reiste wie wir, mit Pferden und einer einfachen Ausrüstung. Der Kompaß war das wichtigste und fast einzige Instrument, das er mitführte. Er wurde von Eingeborenen angegriffen und entkam dem Tode um Haaresbreite. Andere Australneger gaben ihm zu trinken, als er nahe dem Verdursten war!" "Was ist aus Leichhardt geworden?", fragt Klaus und setzt den Billy - so nennen wir in Australien den Kochtopf - aufs Feuer.

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Baumleguan

Als wir morgens zu unserem Boot gehen, stellen wir einen fast 2 Meter langen grasgrünen Leguan. Da er keinen anderen Ausweg sieht, klettert er schnell und gewandt an einem glatten Eukalyptusbaum empor. Das hätte er lieber nicht tun sollen! Denn nun bietet er ein prächtiges Ziel für die Speere der Eingeborenen.

Baumleguan

Die Leguane sind - wie die Warane - Eidechsen und Mitglieder der Ordnung Schuppenkriechtiere. Sie sind vor allem in Süd und Mittelamerika zu Hause, einige Arten aber auch in Australien, besonders im Nordosten des Kontinents.

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"Ein paar Jahre später brach der Deutsche zu einer neuen Expedition auf. Er wollte Australien in der Ost=West=Richtung durchqueren. Er kam nicht wieder. Auch seine Begleiter blieben verschollen. Irgendwo im Busch sind sie verdurstet. Vielleicht wurden sie auch von Eingeborenen niedergemacht. - Aber man hat Leichhardt und seinen Männern ein gutes Andenken bewahrt. Heute noch heißt das Stromgebiet des Mackenzie=Rivers nach ihm ,Leichhardt=Land'. Na, und auch hier der Fluß, an dem wir entlangreiten, trägt seinen Namen!" Nach einer Mittagsrast holt Klaus die Pferde heran, die in der Nähe weiden. Auf einmal läßt er sie laufen und kommt in großen Sprüngen angeflitzt. "Komm Jim - schnell!" brüllt er schon von weitem. "Ich habe einen Drachen gesehen, der auf zwei Beinen laufen kann!" Nach einigem Suchen entdecken wir den "Drachen" in einem dichten Akaziengebüsch. Es ist eine Halskrausenechse - ein ziemlich großer Bursche/vielleicht 80 Zentimeter lang! Das schuppengepanzerte Tier versucht, tiefer ins Buschwerk zu kriechen. Aber als wir mit einem Stock nachstoßen, wendet sich der "Drachen" plötzlich um, richtet sich auf seinen Hinterbeinen auf und faucht uns wütend zischend an.

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Jetzt sieht er tatsächlich zum Fürchten aus - mit seinem aufgerissenen Maul und dem gespreizten Kragen, der wie ein dorniger Schild den gepanzerten Kopf umgibt. - Als wir etwas verdutzt einige Schritte zurückgehen, kommt auch die Echse aus dem Gebüsch heraus. Das ist mir aber doch zu dumm! Wir lassen uns ja schließlich nicht von solch einer Schießbudenfigur in die Flucht jagen! Als ich energisch auf den "Drachen" losgehe, türmt der so schnell er kann! Komisch sieht das aus, die Halskrausenechse läuft auf zwei Beinen - wie ein Mensch - zwischen einigen Termitenbauten hindurch auf eine Baumgruppe zu. Blitzschnell klettert sie am Stamm hoch und ist zwischen den Zweigen verschwunden!

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In Dobbyn, der nächsten Bahnstation, verkaufen wir unsere Pferde an drei Treiber, die morgen nach einer Rinderstation im Tafelland reiten wollen. Sie sind alle nicht mehr ganz nüchtern. Anscheinend haben sie reichlich oft auf ihren neuen "Job" angestoßen! Wir sind froh, daß wir noch am gleichen Abend weiterfahren können. Es ist eine eintönige Gegend hier. Felsen, Sand, dazwischen überall Büschel von Spinifexgras, das so verflixt sticht, wenn man hindurchreitet. Selbst unserer Lokomotive scheint es hier nicht zu gefallen. Sie schnauft kläglich. Das Gelände steigt weiter an; denn wir kommen jetzt in das Hochland von Cloncurry. In dieser Gegend gibt es sehr viel Industrie. Rund um den Mount Isa liegt ein wichtiges Bergbaugebiet, das reich ist an Bodenschätzen jeder Art. Kohle, Silber, Zink und Blei holt man dort aus dem Boden. Wenn es uns nicht schon die Mitreisenden erzählt hätten, dann könnten wir es an den Aufschriften der Güterwagen sehen, die in Cloncurry in Massen auf dem Bahnhof stehen.

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Kookaburra mit Eidechse im Schnabel

Als ich abends meinen Sattel unter einen Baum legen will, hüpft ein Kookaburra zur Seite, der eine zappelnde Eidechse im Schnabel hat. Immer wieder hören wir diesen drolligen Vogel irgendwo im Wald lärmen, und weil sein Geschnatter wie ein richtiges Lachen klingt, nennen die Farmer den Kookaburra den "lachenden Jack". Er ist ein mutiger kleiner Kerl, der ohne Bedenken Giftschlangen und Eidechsen angreift, und wenn sie auch doppelt und dreifach so lang sind wie er.

Kookaburra mit Eidechse im Schnabel

Die Vogelwelt Australiens ist sehr vielgestaltig. Viele Arten kommen nur hier vor. Einer der bekanntesten Vertreter ist der Kookaburra, den die Ansiedler den "Laughing lade" nennen. Weil er sich schnell an den Menschen gewöhnt, wird er in vielen Familien als der "Kanarienvogel Australiens" gehalten.

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Forscher Leichhardt - der einzige Überlebende der Expedition

Beim Schein des Lagerfeuers erzähle ich Klaus von dem deutschen Forscher Leichhardt, der vor 100 Jahren Queensland durchquerte, ein Gebiet, das so groß ist wie Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien zusammen! Mit 10 Begleitern brach er 1843 auf, um einen Landweg von Sydney nach dem Carpentaria-Golf zu finden. Nach V/2 Jahren tauchte er - halb verhungert und schwerkrank - an der Nordküste auf. Seine Begleiter waren umgekommen oder hatten ihn verlassen.

Forscher Leichhardt - der einzige Überlebende der Expedition

Ludwig Leichhardt wurde am 23. Oktober 1813 in Brandenburg geboren. Nach seinem Studium ging er 1.841 nach Australien, dessen Osten er in mehreren Expeditionen erforschte. Seine längste Reise führte ihn in zwei Jahren von der Moretonbai an der Ostküste nach Port Essington an der Timor=See. Von einer zweiten großen Expedition, die er im Dezember 184/ antrat, kehrte er nicht zurück.

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Halskrausenechse neben Termitenbau

Wir mußten eine ganze Weile nach dem "Drachen" suchen, den Klaus gesehen hatte und der auf zwei Beinen laufen sollte. Dann entdecken wir ihn. - Es ist eine Halskrausenechse, ein ziemlich großer Bursche, vielleicht 80 cm lang. Als wir das Tier mit einem Stock reizen, richtet es sich auf und faucht uns wütend an. Dabei spreizt es seine Hals- und Kragenhaut weit auseinander und sieht dadurch zum Fürchten aus.

Halskrausenechse neben Termitenbau

Die Halskrausenechse aus der Familie der Agamen wird von den Australiern "Jew Lizard." Judeneidechse) genannt. Sie wird häufig mit der ähnlichen Kragenechse (Chlamydosaurus kingi Gray) verwechselt. -Wird das Tier gereizt, dann spreizt es seine Kopf- und Halshaut weit auseinander, so daß die Echse aussieht, als trüge sie eine stachlige Halskrause.

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Nach einigen Stunden Aufenthalt geht es weiter nach Osten. Der Zug rollt jetzt durch hügeliges Grasland. Es sieht frisch und fruchtbar aus, immer wieder begegnen wir Rinder- und Schafherden. Als wir uns der Küste nähern, kommen wir sogar an großen Zuckerrohrfeldern und Obstplantagen vorüber. In den Zuckerrohrpflanzungen arbeiten Männer; es sind fast alles Weiße, die hier in der Affenhitze mit ihren langen Haumessern das dicke, drei bis vier Meter hohe Rohr abschlagen. Überall liegen große Stapel geschnittenen Rohres und warten auf Abtransport. "Australien ist wohl das einzige Land, in dem Zuckerrohr von Weißen gepflanzt, geerntet und verarbeitet wird", erzählt uns ein kahlköpfiger alter Herr, der uns gegenübersitzt, und an einer pechschwarzen Zigarre kaut. "Die schwere körperliche Arbeit in dieser tropischen Hitze ist für Weiße wirklich nicht einfach. Früher arbeiteten Tausende von Kanaken auf den Zuckerpflanzungen. Man hatte sie von Melanesien herübergeholt. Aber Australien will weiß bleiben! Die Insulaner wurden allmählich in ihre Heimat abgeschoben.

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Heute bekommen wir Zuckerpflanzer vom Staat Prämien, wenn wir nur mit weißen Hilfskräften arbeiten." Ankunft in Townsville! Eine tolle Stadt! Es ist heiß wie in einem Brutofen, und dabei ist jetzt Winter. Die Leute laufen in weißen Tropenanzügen herum, die Straße am Hafen ist von Palmen begrenzt, und überall in den Gartenanlagen wachsen tropische Blumen und Sträucher. Hier in Townsville trifft sich ganz Queensland! Da sind Perlenfischer vom Kap York, Viehtreiber und Züchter vom Barkly Tafelland, Bergwerksingenieure von den Silberfeldern des Mount Isa, Fischer vom Barriereriff, Krokodiljäger von der Nordküste! Wir steigen schwitzend auf den Castle=Hill. Warum man diesen Felsen "Schloßberg" genannt hat, ist unergründlich, denn die leichten, luftigen Bungalows, die hier wegen der Termiten überall auf Pfählen stehen, sehen wirklich nicht wie Schlösser aus. Sie wirken hell und freundlich. Von hier oben können wir weit auf den Stillen Ozean hinaussehen. Da drüben liegt die Magnetinsel, die Kapitän Cooks Kompaß durcheinander brachte, als er 1770 die Ostküste Australiens entdeckte. "Ist Kapitän Cook hier nicht irgendwo auf ein Korallenriff gelaufen?", fragt Klaus. Er hat sich in Darwin ein dickes Buch gekauft - "Der fünfte Kontinent" steht auf dem Umschlag. Das schleppt er nun durch halb Australien mit sich herum. "Das war weiter oben, an der Kap=York=Halbinsel. Dort, wo jetzt Cooktown liegt, mußte er eine Bucht anlaufen, um sein kleines Schiff, das nur 370 t groß war, auszubessern", glänze ich mit meinen Geschichtskenntnissen. "Hast du auch ein Buch im Gepäck?", fragt Klaus und sieht mich grinsend von der Seite an.

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Zuckerrohrernte

Vom Zuge aus sahen wir Zuckerrohrpflanzungen. Mit scharfen Messern muß das dicke Rohr abgeschlagen werden - eine mörderische Arbeit in der tropischen Hitze. Australien wehrt sich gegen die Einwanderung farbiger Arbeitskräfte, darum verrichten hier weiße Arbeiter diese schwere Arbeit, die in anderen Ländern nur von Farbigen geleistet wird.

Zuckerrohrernte

Zuckerrohr wird vor allem an der Nordostküste Queenslands angebaut. Die Hauptanbaugebiete liegen zwischen Townsville und Rockhampton. - Im Durchschnitt werden hier aus 10 Tonnen Zuckerrohr 1,2 Tonnen Zucker gewonnen.

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Auf dem Barriereriff

Wir fühlen uns hier zwischen den roten Korallen und grünen Seegrasbänken sowohl wie die unzähligen Fische im Wasser, von denen wir schon eine ganze Anzahl geangelt haben. Das Wasser ist glasklar. Die Korallen bilden unter dem Wasserspiegel richtige Gärten. Leuchtend rote Kugeln, phantastische Säulen und zackige Türme stehen zwischen den Algen und Seegrasbüscheln auf dem Meeresgrund. Bei Ebbe kommen alle diese seltsamen Gebilde zum Vorschein. Jeden Augenblick entdeckt man etwas Neues, und wir kommen aus dem Staunen nicht heraus.

Auf dem Barriereriff

Das Große Barriereriff ist eine der gewaltigsten Korallenbildungen der Erde. Es zieht sich an der Nordostküste entlang und nähert sich ihr teilweise bis auf 8 Kilometer. Der breiteste Ab* stand zwischen Küste und Riff beträgt 180 Kilometer. Das Barriereriff ist ein Hauptgebiet der Perlen- und Seegurken- (Trepang=) Fischerei.

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