Ostafrika

Aus dem Sanella-Album Afrika

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IN ADDIS ABEBA

Unsere Expedition sollte drei Tage nach unserer Ankunft aufbrechen, um in die Savanne vorzustoßen. Ich hatte also noch genügend Zeit, mir die Stadt des Kaisers Haile Selassie anzusehen. Erstaunt war ich über den starken europäischen Einfluß bei den stattlichen hohen Geschäftsbauten im Zentrum der Stadt, auch der Palast des Herrschers gleicht einem europäischen Regierungsgebäude. Aber man braucht nicht weit zu gehen, um die armseligen Lehmhütten und primitiven Wellblechbaracken der Eingeborenen zu finden. Doch die Äthiopier sind mit ihrem Kaiser zufrieden. 1941 aus der Verbannung zurückgekehrt, hat er gezeigt, daß er die Fortschritte der Welt auch für sein Reich zu nutzen versteht. Seit Jahren bemüht er sich redlich, die Not zu lindern. Modernste Krankenhäuser und Schulen sind in kürzester Zeit gebaut worden, und der Radiosender strahlt seine Programme in den verschiedensten Sprachen aus.

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Addis Abeba ist wirklich eine Stadt von Weltformat und Widerspruch, die ihre Vorbilder aus allen Teilen des Erdballes bezogen hat. Hier trifft alles zusammen. Modernster Fortschritt und dunkelste Vergangenheit, prächtige Bauten und Elendshütten, Schwarze und Weiße, Autos und Esel. Es war ein verwirrendes, aber farbenfreudiges Bild. Dabei empfand ich die wohltuende Frische der über 2000 Meter hoch liegenden Stadt besonders angenehm. Addis Abeba liegt mit seinem höchsten Teil 2800 Meter über dem Meerespiegel, und das ist fast so hoch wie die Zugspitze. Besonders imponierend war der prunkvolle und farbenprächtige Empfang eines äthiopischen Landesfürsten, der zur Audienz zum Kaiser von Äthiopien geladen war. Natürlich filmten wir dieses außergewöhnliche Schauspiel.

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Bild 025 Rückseite

Addis Abeba

Die Hauptstadt Äthiopiens betrat ich durch die Straßen des Eingeborenenviertels. Das sollte die Hauptstadt des Landes sein? Dies

Wellblechhütten der Einheimischen? Ich ging nur eine kurze Wegstrecke weiter und war erstaunt, auf einmal in einer europäisch anmutenden Stadt zu stehen. Große Geschäftshäuser, moderne Autos, elegant gekleideten Menschen belebten hier das Stadtbild. Erst recht wurde ich vom Wandel in dieser Stadt überzeugt, als ich vor dem Regierungspalast des Kaisers Haile Selassie stand. Hier schienen sich die alte und die neue Zeit ein Stelldichein zu geben.

Album 025 Platz

Addis Abeba

Addis Abeba, die Hauptstadt von Äthiopien, liegt etwa 2420 m über dem Meeresspiegel. Das Klima ist für Europäer gut. Addis Abeba zählt 500 000 Einwohner. Es wurde 1036 von den , Italienern und 1941 von den Engländern besetzt.

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Afrika

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EINE LÖWENJAGD IM REICHSTEN JAGDGEBIET DER ERDE

Der Tag des Aufbruchs kam. Wir stießen in die Savanne vor und hatten damit das reichste Jagdgebiet der Erde erreicht. Zebras, Gazellen, Antilopen und Büffel fanden wir hier in großen Rudeln und Herden zu vielen hundert Stück. Unsere Kamera surrte unaufhörlich. Eines Tages trafen wir auf Äthiopier, die uns baten, sie doch vor den Überfällen eines gefährlichen Löwen zu schützen. Diese Bestie hatte schon mehrere Menschen getötet und großen Schaden in den Herden der Eingeborenen angerichtet. Es mußte ein alter Löwe sein, denn nur solche greifen gewöhnlich Menschen an. Es war höchste Zeit, daß diesem gefährlichen Räuber das Handwerk gelegt wurde. Löwenjagd - das war etwas für uns! Sofort beratschlagten wir, wie man dem Burschen ans Leder gehen konnte. Dann gaben wir den Eingeborenen von unserem Plan Kenntnis, und sie waren gern bereit, alles zu tun, um ihren Todfeind vernichten zu helfen. Sie zeigten uns einen günstigen Platz, brachten ein Lamm und pflockten es als Köder an.

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Bei Einbruch der Dunkelheit waren alle Vorbereitungen zur Löwenjagd getroffen. Dr. Freytag und Frank hatten sich auf einer Akazie einen guten Schußplatz für ihre Kamera gesucht. Wir saßen mit entsichertem Gewehr auf einem anderen Baum. Das Jagdfieber hatte uns gepackt. Fahles Mondlicht beleuchtet gespenstisch die Umgebung. Das ängstliche Blöken des Lammes unter uns vereinigte sich mit den unheimlichen Stimmen der Savannennacht. Lange mußten wir warten, denn der Löwe kommt nicht vor der dritten Nachtstunde in die Nähe der Dörfer. Urplötzlich schien die Erde zu beben. Der König der Wüste hatte sein furchterregendes Gebrüll hören lassen. Die Wirkung war unbeschreiblich. Jetzt verstand ich, warum er auch "Essed", der Aufruhrerregende, genannt wird. Dieses Gebrüll ist einzig in seiner Art und wird von keiner Stimme eines anderen lebenden Wesens übertroffen. Wer einmal die fürchterlich dröhnende Stimme dieses Räubers gehört hat, kann verstehen, daß alle Tiere vor Entsetzen fast die Besinnung verlieren. Die Leoparden hören auf zu grunzen, die Affen beginnen laut zu gurgeln und steigen angsterfüllt zu den höchsten Zweigen empor. Die Antilopen brechen in rasender Flucht durch das Buschwerk, und die blökende Herde wird totenstill. Ich wagte kaum zu atmen. Gespannt starrte ich in die Nacht. Fest umklammerte ich mein Gewehr. Sekunden wurden zur Ewigkeit. Wann würde der Räuber hier sein? Wo würde er auftauchen? Immer wieder versuchte ich das Dunkel der Nacht zu durchdringen, um das anschleichende Tier auszumachen, doch nichts war zu sehen. Da - ein mächtiger grauer Schatten schnellt auf unseren Köder zu. In demselben Augenblick flammt die von Dr. Freytag entzündete Magnesiumfackel auf, und Frank filmt, was das Zeug hält. Mit seiner furchtbaren Pranke, die imstande ist, mit einem einzigen Schlag ein ausgewachsenes Rind zu fällen, hat der Löwe das Lamm zu einer blutigen Masse zerschmettert.

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Am Hofe Haile Selassies, Empfang eines Fürsten

Golden, silbern, rot und blau, in allen Farbe prangten der festliche Schmuck und die Gewänder des Kaisers Haile Selassie und seine Stammesfürsten. Prunkvoll war der Empfang des äthiopischen Gastes, der gekommen war seinem Kaiser einen Besuch abzustatten. So etwas Schönes hatte ich noch nicht gesehen Dieses Bild vom Hofe Haile Selassies entsprach ganz den Vorstellungen, die wir uns von der orientalischen Märchenwelt machen. Das gib es also wirklich noch.

Album 026 Platz

Am Hofe Haile Selassies, Empfang eines Fürsten

Haile Selassie ist der Kaiser von Äthiopien. Ursprünglich war sein Name Ras Tafari. Er wurde 1930 zum Kaiser gewählt. 1936 mußte er sein Land verlassen, und erst nach dem 2. Weltkrieg konnte er sich dem Neuaufbau wieder widmen. Seine langjährigen Auslandsaufenthalte gehen ihm heute die Möglichkeit, sein Land auf das modernste auszuhauen.

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Löwenjagd in Äthiopien

Unseren ersten Löwen brachten wir in jener Nacht zur Strecke, als wir mit Köder, Kamera und Büchse den König der Tiere erwarteten. Hier aber überraschten wir ihn bei seiner Mahlzeit. Wuchtig schlug er seine Pranken in das gerissene Wild, und mit seinen scharfen Zähnen zerrte er an den blutigen Fleischfetzen. Er war böse über unsere Störung, und wir mußten viel Mut zeigen, um ihn zur Strecke zu bringen.

Album 027 Platz

Löwenjagd in Äthiopien

Durch die ständige Verfolgung trifft man den Löwen im Kapland und in Nordafrika nur noch selten an. In den östlichen Steppengebieten ist er dagegen auch heute noch häufig. Vielfach schart er sich zu Rudeln bis 30 Stück zusammen. Tagsüber ist er scheu, nachts sehr rege. Verwundete Löwen und Löwen mit Jungen dagegen greifen den Gegner sofort an.

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Es ist ein grausiges, aber herrliches Bild, die kraftvolle Majestät der Wüste mit seiner mächtigen Mähne vom weißen kalten Licht der Magnesiumfackel überflutet zu sehen. Geblendet schreckt der Löwe zusammen. Wütend peitscht sein Schwanz durch die Luft. Für einige Sekunden starrt er mit funkelnden Raubtieraugen zu uns herauf. Böhlau geht mit seinem Gewehr in Anschlag, zielt in das faszinierende Glimmen der Lichter, krümmt durch, und im Aufpeitschen des Schusses bricht der Löwe tödlich getroffen zusammen. Mit großem Tamtam wurden wir daraufhin von den Eingeborenen als Helden geehrt und der Tod des Löwen gefeiert. Sie luden uns ein, noch ein paar Tage ihre Gäste zu bleiben, und wir nutzten die Gelegenheit, um einige Auf« nahmen zu machen. Es war interessant, das Leben und Treiben im Dorf zu beobachten und die Frauen bei der Bereitung ihrer Mahlzeiten zu sehen. Die Art, wie sie das Getreide reinigten, war immer noch die gleiche wie vor vielen hundert Jahren. Das Korn wird in die Luft geworfen, und durch den Wind scheidet sich die Spreu. Nachdem wir viele schöne Aufnahmen gemacht hatten, mahnte Böhlau zum Aufbruch.

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Das ganze Dorf nahm unter vielem Lärmen herzlichen Abschied von uns. Der Stammeshäuptling hatte sogar vier junge muskulöse Burschen beauftragt, uns einige hundert Kilometer als Träger zu begleiten. Das war uns sehr angenehm. Der Weg zu dem etwa 1200 Meter über dem Meeresspiegel liegenden Victoria=See war beschwerlich und ging durch steinige Vulkanlandschaft. Es waren anstrengende Tage, doch nachts konnten wir ruhig schlafen, denn die Schwarzen bewachten unsere Zelte. Eines Abends wurden wir durch den Ruf: "Massa! Massa! - viele kleine Teufel!" aus dem Schlaf geschreckt. Entsetzt sprangen wir aus den Zelten. Vom flackernden Scheine unseres Lagerfeuers beleuchtet, rollte die breite Masse von Millionen Termiten an uns vorüber. Es hätte ein qualvolles Ende bedeutet, wenn wir von dieser Todeslawine erfaßt worden wären. Für die Termiten gibt es kaum ein Hindernis. Sie zerfressen sogar riesige Baumbestände der Urwälder, und selbst aus Holz gebaute Städte sind ihnen schon zum Opfer gefallen. Nur große Feuer bieten einigermaßen Schutz. Kahl, leer und ausgestorben ist die Spur, die diese kleinen, aber in ihrer Masse so unendlich gefährlichen Tiere hinterlassen. Am nächsten Morgen konnten wir einen Termitenhügel am Horizont ausmachen, den wir uns darauf näher betrachteten. Dabei erklärte uns Dr. Freytag, daß diese etwa zehn Meter hohen Bauten aus einer Mischung von Erde, Holz, Speichel und Kot der Tiere entstehen. Durch das Innere der Termitenhügel zieht sich ein Labyrinth von lichtlos gedeckten Gängen. In einer Kammer leben der König und die Königin, die pausenlos von ihren Arbeitern gefüttert werden. Dafür zeugen sie unablässig Eier, die ihre Untertanen im Bau verteilen. Luftkanäle sorgen dafür, daß die verbrauchte Luft innerhalb des Hügels ständig erneuert wird. Wir wollten weiter in südlicher Richtung und hatten im Augenblick nur den einen Wunsch: Weg von den Termiten! Die Hitze steigerte sich von Tag zu Tag. Wir hatten den Äquator erreicht und marschierten nunmehr auf der südlichen Halbkugel.

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Bild 028 Rückseite

Weizenreinigen in Äthiopien

Hier scheint die Zeit stehengeblieben zu sein So etwas habe ich noch nie gesehen. Auf eine uns primitiv anmutende Methode wird das Korn von der Spreu getrennt. Die Frauen werfen das Getreide aus selbstgefertigten Körben in die Luft und fassen den Wind für sich arbeiten. Eine mühsame und zeitraubende Arbeitsweise, die in alten Zeiten auch in Europa angewandt wurde.

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Weizenreinigen in Äthiopier

Das "Worfeln" ist eine gebräuchliche Methode zur Säuberung des Weizens. Viele primitive Völker reinigen so ihr Getreide.

Bild 029 Rückseite

Termiten

Dieses Hochhaus kleiner, aber nicht ungefährlicher Tiere, ist ein Termitenhügel, wie man sie in Afrika überall antreffen kann. Oft erreichen sie eine Höhe bis zu zehn Metern. Millionen gefräßiger Termiten bauen diese spitzen Kegel mauerfest, und im Innern spielt sich ihr Staatsleben ab. Wenn die Termiten in Massen ausschwärmen, ist von ihrer Zerstörungswut und Freßsucht alles bedroht, nur Glas und Eisen ist vor ihnen sicher.

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Termiten

Termiten sind Insekten mit hochentwickelten Staatsgemeinschaften. Ein Termitenstaat beherbergt oft Millionen Tiere. Sie sind in verschiedene Stämme aufgegliedert, von denen wiederum jeder Spezialaufgaben zu lösen hat. In Afrika gibt es Termitenhügel, die bis zu 10 m hoch sind. Die Termiten sind große Schädlinge, die außer Glas und Eisen alles zerstören. Ihre Feinde sind zum Beispiel: Ameisen, Ameisenbär, Ameisenigel, Erdferkel und Gürteltier.

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IM RASENDEN SANDSTURM

Schon am Vormittag brannten die Sonnenstrahlen besonders sengend auf unsere Kolonne, und müde stapften wir durch Sand und Stein. Gegen Mittag wurde es fast unerträglich. Die Luft bewegte sich flimmernd über dem heißen Sand, der einmal schneeweiß, dann wieder rotleuchtend unsere Füße festzusaugen schien. Unsagbar anstrengend war es, und ständig nahm die Hitze zu, als wenn sie sich ins Unendliche steigern wollte. Immer schwüler, immer drückender wurde es. Unsere Kleidung knisterte - die Luft war bis zum Zerreißen von Elektrizität erfüllt. Wir waren alle äußerst gereizt, und unsere schwarzen Träger rollten ängstlich mit den Augen und benahmen sich auffallend unruhig. Es lag etwas in der Luft. Doch Böhlau drängte immer weiter, er suchte einen günstigen Rastplatz. Da erhob sich ein glutheißer Südwind. Erst leicht, dann an Heftigkeit ständig zunehmend. Jagende feine Sandschleier huschten über den Boden und drangen in unsere Kleider. Noch ehe wir unsere Sachen und Geräte richtig ablegen konnten, wurde es dunkel, und wir befanden uns mitten in einem quirlenden, heulenden Sandgebirge. Vergeblich versuchten wir unsere Zeltbahnen über die Packen zu decken, aber der Sandsturm riß und zerrte so sehr, daß wir uns nur mühsam nach Luft ringend fest an den Boden pressen konnten. So schnell wie der Sturm gekommen war, so brach er ab. Fast schmerzhaft drückte die plötzliche Stille. Ich wollte mich gerade erheben, da rief mir auch schon Dr. Freytag, der dicht neben mir lag zu: "Liegenbleiben! Gut zudecken! - Es geht gleich . . ." Der Rest des Satzes wurde ihm von dem wieder einsetzenden Sturm von den Lippen gerissen.

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Eben war es nur ein Vorspiel, jetzt war die Hölle los. Jaulend umheulte uns der Sturm. Durch die feinsten Ritzen wurde der Sand gepeitscht, und wie mit tausend Nadeln stach er auf der Haut. Meine Zunge war trocken und geschwollen, die Lippen geplatzt und rasselnd ging der Atem. Ich hatte rasende Kopfschmerzen und - Angst, ja, wirkliche Angst. Keinen richtigen Gedanken konnte ich mehr fassen, und blitzschnell wechselten die Bilder vor meinen Augen. Ich kann heute nicht mehr sagen, wie lange der Sandsturm damals gedauert hat. Mir schienen es jedenfalls Ewigkeiten zu sein. Doch trotz der Überraschung ging alles am Ende noch gut aus. Nachdem der Sturm abgeflaut, und die Sonne wieder zu sehen war, schüttelten wir den pulverfeinen Sand aus den Decken und Kleidern und rieben ihn uns aus Augen und Ohren. Lange dauerte es, bis wir alles wieder vom Sande befreit und in Ordnung gebracht hatten. Gerade nach den letzten bedrückenden und zermürbenden Belastungen fühlten wir uns wieder vollkommen frei. So schnell waren wir nicht klein zu kriegen. Von Stunde zu Stunde besserte sich unsere Laune, und mit dem frohen Lied "Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern" zogen wir neuen Erlebnissen entgegen.

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Bild 030 Rückseite

Sandsturm

Am Vormittag war das Wetter noch ganz friedlich. Wir machten uns nichtsahnend auf den Weg, um ein paar Aufnahmen zu machen. Da - gegen Mittag - wird's an einigen Stellen des Horizonts plötzlich dunkel. Die Eingeborenen werden ganz unruhig und warnen uns. Aber - zu spät. Wir erreichen die schützenden Negerhütten nicht mehr! Es bleibt gerade noch Zeit, uns ganz fest an den Boden zu pressen - und schon braust der Sandsturm über uns hinweg. Unsere Geräte fliegen meterweit fort - aber uns geschieht nichts. Kurz darauf ist es wieder taghell.

Album 030 Platz

Sandsturm

Sandstürme sind Naturerscheinungen, die in den heißen Zonen auf wenig oder unbewachsenem Gelände auftreten.

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ANTILOPEN, FLUSSPFERDE UND ELEFANTEN

Die erste Bekanntschaft mit Nilpferden machten wir in Uganda. Böhlau hatte von Eingeborenen zwei Boote gekauft. Die Träger waren inzwischen umgekehrt, und wir fuhren durch viele Flüsse und Seen. In einer kleinen Bucht sahen wir eine Anzahl Flußpferde vor sich hindösen. Von einigen konnte man nur die massigen Köpfe sehen. Unter Wasser befindliche Tiere verrieten sich nur durch die ständig aufsteigen» den Luftblasen. Frank brannte darauf, einige Filmaufnahmen davon zu machen. Böhlau feuerte auf einen dieser Kolosse. Anscheinend hatte er das Tier nur verwundet, denn es schnaubte wild auf, unerwartet ging die ganze Herde zum Angriff über. So schnell wie möglich ruderten wir dem Ufer zu, während die Kamera alle Einzelheiten der Verfolgung filmte. Es wurde brenzlig. Immer näher kamen die Flußpferde, selbst Frank mußte zum Ruder greifen. Nur mit Mühe erreichten wir rechtzeitig das Ufer und erkletterten schnell einige Bäume. Wir schössen, was die Gewehre hergaben. Es ge» lang uns dadurch, die Tiere zurückzujagen. Wir setzten unsere Bootsreise fort. "In den nächsten Tagen bekommen wir vielleicht schon Elefanten zu sehen", meinte Böhlau. "Nördlich vom Victoria=See soll es noch größere Elefantenherden geben. Leider sind diese Dickhäuter durch rücksichtslose Elfenbeinjäger fast ausgerottet worden." Am Rande des Victoria-Sees schlugen wir unsere Zelte auf.

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Ich war auf einen hohen schlanken Baum geklettert. Von hier aus konnte man weit ins Land schauen. Es war herrlich: die spiegelnde Fläche des Sees, unterbrochen von vielen kleinen Inseln. Aus einem nahe liegenden Negerkral waren zwei Eingeborene zu uns herübergekommen. Sie hatten unser Lagerfeuer gesehen. Wir gingen zu ihnen ins Dorf und sprachen mit dem Häuptling. Mißtrauisch blickte er uns an, und feindlich betrachtete er die surrende Kamera.

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Nachdem wir ihm einige Geschenke überreicht hatten, wurde er zugänglicher und erzählte uns schließlich von der nicht weit entfernten Elefantentränke und dem geheimnisvollen Elefantenfriedhof. Gespannt folgten wir dem Palaver des Häuptlings, aus dem hervorging, daß alte, kranke Elefanten sich durch weite einsame Sumpfgebiete schleppen sollten, um dann im Morast zu versinken. Immer wieder sucht man diese Elefantenfriedhöfe, aber bisher hat sie noch keiner gefunden. Um unsere Fleischbestände aufzufrischen, gingen Böhlau und ich am anderen Morgen in aller Frühe auf Jagd. Hinter einem kleinen Hügel legten wir uns auf die Lauer. Allzulange brauchten wir nicht zu warten, da sichteten wir ein Rudel Antilopen. Äsend kamen sie auf uns zu. Auf das prächtige Leittier deutend, gab mir Böhlau zu verstehen, daß ich schießen sollte. Das Herz schlug mir bis zum Halse, ich hatte Jagdfieber. Ich hob mein Gewehr, ruhig suchte ich mein Ziel, langsam krümmte ich durch, und im Feuer brach der Bock zusammen.

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Bild 031 Rückseite

Zwischenfall beim Filmen von Flußpferde

Träge und faul liegen die massigen Körper der Flußpferde den ganzen Tag im Wasser. Wir waren wieder einmal mit der Kamera auf Bildfang ausgefahren und näherten uns im Boot einer ruhig vor sich hin dösenden Gruppe von Flußpferden. Es war alles ganz friedlich. Doch plötzlich wurde unser Boot hochgehoben, klatschend fiel es zurück, alles wurde durcheinandergeworfen, und ein Träger stürzte sogar ins Wasser. Erst als wir das rettende Ufer erreicht hatten, wurde uns klar, daß uns diesmal ein aufgeschrecktes verärgertes Flußpferd einen Streich gespielt hat.

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Zwischenfall beim Filmen von Flußpferden

Flußpferde treffen wir im mittleren und südlichen Afrika an, sie sind Pflanzenfresser. Das Fluß- oder Nilpferd wiegt, wenn es ausgewachsen ist, bis zu 3000 kg. Es wird 4,5 m lang, seine Schulterhöhe beträgt etwa 1,5 m. Die meiste Zeit verbringt es im Wasser. Das Zwergflußpferd lebt in den Wäldern und Sümpfen von Liberia bis zum Sudan.

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Aufgeschreckt raste das Rudel davon. Begeistert schlug mir Böhlau auf die Schulter. "Meine Anerkennung, Jürgen! Du bist ein wahrer Meisterschütze!" Dieses Lob werde ich so leicht nicht vergessen. Gemeinsam zerlegten wir das Wild und gingen ins Lager zurück. Dort gab es Antilope am Spieß, es schmeckte uns ausgezeichnet.

ZEBRAS UND GNUS

Frank wollte unbedingt Zebras und Gnus mit der Kamera einfangen. Im Schutze dichten Gestrüpps wurde die Kamera in Stellung gebracht. Diesmal mußten wir lange warten. Erst abends näherten sich Zebras und Gnus unserem Standort an der Tränke. Ein prächtiges Bild boten diese gestreiften Zebras und eigenartigen Gnus, die man immer gemeinsam antrifft. Frank begann mit der Aufnahme. Die Leittiere wurden aufmerksam. Im Nu veränderte sich das bisher friedliche Bild. Ihre Unruhe sprang blitzartig auf die Herde über, und wie auf Kommando verschwanden alle in einem Hohlweg. Schade, aber unsere Aufnahmen waren trotzdem gelungen.

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DER TROMMELTELEGRAF

Ich hatte mich immer wieder gewundert, daß man uns längst erwartete, wenn wir uns einem Dorf näherten. Wer hatte das gemeldet, und wie war die Kunde vorausgeeilt? Bald aber kam ich hinter das Geheimnis. Mit dem Trommeltelegrafen, dem geheimnisvollen Nachrichtenmittel Afrikas, unterrichteten sich die Eingeborenen. Es waren große, wuchtige, ausgehöhlte Baumstämme, die nach besonderen Takten geschlagen wurden. Hohe und tiefe, lange und kurze Töne wechseln dabei ähnlich wie beim Morsealphabet. Unendlich weit, bis zu fünfzig Kilometern, hört man diese Trommelsignale. Es ist erstaunlich, wie sich diese primitiven Völker mit den Trommeltelegrafen unterrichten. Trotz der mehr als zweihundert verschiedenen Negersprachen in Afrika klappt diese telegrafische Verständigung fehlerlos. Ich war von dieser Sache so begeistert, daß ich bei jeder Gelegenheit den Trommlern zusah. Bald hatte ich mir bekannte Zeichen gemerkt, und gegen ein kleines Geschenk durfte ich mich auch einmal als afrikanischer Nachrichtenmann betätigen.

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Das gab einen Heidenspaß, und ich trommelte lustig drauflos. Es sind nicht immer wichtige Nachrichten, die auf diese Weise verbreitet werden; auch scherzhafte Mitteilungen gibt man so weiter. Besonders eingeprägt hatte ich mir das Zeichen: "Bum dada bam, bum = die Sonne ist heiß", in unserem Sinne bedeutet es etwa: "Das Wetter bleibt schön." Einmal kam ich am Abend wieder an einer solchen Trommel vorbei, und schnell schlug ich aus Übermut ein paar Takte. Ei wei - da hatte ich etwas angerichtet, aus allen Hütten stürmten die Dorfbewohner, laut lärmend. Zuerst erschrak ich mächtig, doch nachher, als sich herausstellte, daß ich versehentlich das Signal "Die Steppe brennt!" getrommelt hatte, mußten wir alle herzlich lachen. Die Sache war also doch nicht so einfach wie sie aussah, und als afrikanischer Nachrichtenmann wäre ich sicher ungeeignet.

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Bild 032 Rückseite

Elefanten an der Tränke

Es war ein schöner friedlicher Abend, als ich am Victoria-See, auf einem Baum sitzend, eine ganze Elefantenherde an der Tränke beobachten konnte. Da stand stolz der Leitbulle mit seinen wuchtigen elfenbeinernen Stoßzähnen, dort wälzten sich Elefantenkühe im Wasser, und die "Kleinen" trieben ihren Spaß.

Album 032 Platz

Elefanten an der Tränke

Der Victoria-See ist in der Provinz Kenia gelegen. Er liegt 1200 m über dem Meeresspiegel und ist so groß wie das Land Bayern.

Bild 033 Rückseite

Zebras und Gnus an der Tränke

Diese Aufnahme gelingt uns nur im Schutz? dichten Gestrüpps. Eine der seltenen Wasser stellen liegt vor uns. Böhlau beherrscht wir immer die Lage. Als die Zebras und Gnus am der Tränke eintreffen, surrt die Kamera los. Da werden plötzlich die Leittiere aufmerksam. Ihre Unruhe springt blitzartig auf die Herde über. Wie auf Kommando verschwinden alle in einem Hohlweg. Aber unsere Aufnahme ist gelungen.

Album 033 Platz

Zebras und Gnus an der Tränke

Zebras nennt man auch Tigerpferde. Dieser Name geht auf die ausgezeichnete Schutzfärbung, die die gesamte Körperform in schwarzen Streifen überziehen, zurück. Es gibt etwa 35 verschiedene Arten Zebras. Busch- und Sumpfland wird von diesen Tieren bevorzugt. Sie leben eng mit Gnus und Antilopen zusammen.

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EINE NASHORNJAGD

"Frank! Frank!", rief ich laut, während ich durch das Dorf rannte. Wo war er? Überall sah ich nur verständnislos grinsende Gesichter. Da - endlich, beim Häuptling traf ich ihn - er machte gerade eine Großaufnahme. Atemlos erzählte ich, daß Böhlau ein Nashorn ausgemacht hätte. Schnell rafften wir die Geräte zusammen. Durch Gestrüpp, Dornenbusch und Sumpflöcher bahnten wir uns einen Weg. Da bummert es einmal - noch einmal -, das kam von links. Ja, da saß Böhlau auf einem Baum und feuerte auf ein wild angreifendes Nashorn. Seine Lage schien ernst, doch Frank wollte sich diese Aufnahme nicht entgehen lassen. Die Knallerei hatte das Tier erschreckt. Es brach seitwärts aus. Doch erneut setzte der wutschnaubende, tonnenschwere Koloß zum Angriff an. Es war ein packendes Bild. Böhlau schoß noch einmal, und mitten im Angriff brach unter Krachen und Schnaufen das Nashorn zusammen. Vorsichtig näherten wir uns nach einiger Zeit dem Riesen. Donnerwetter, das war ein Brocken!

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Langsam kletterte Böhlau vom Baum herunter und wischte sich den Schweiß von der Stirn. "Das hätte schiefgehen können", sagte er, und suchte sachkundig nach den Einschüssen. Im Dorf hatte man das Schießen gehört. Dr. Freytag und einige Dorfbewohner kamen herbei, und in kurzer Zeit war das ganze Dorf versammelt. Als wir ihnen verständlich machten, daß sie das Nashorn nehmen könnten, dauerte es nur kurze Zeit, und von der tonnenschweren Beute waren nur noch einige Knochen übrig. Das war wirklich ein "gefundenes Fressen" für die Eingeborenen. Abends, als im Dorf die Lagerfeuer loderten und die großen Nashornfleischfetzen am Spieß gebraten wurden, da wollte das gierige Schmatzen und Schlecken kein Ende nehmen. Als ich sah, was sie alles behaglich grunzend in sich hineinstopften und welche enormen Mengen sie vertilgen konnten, kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus.

TANGANYIKA

Noch befanden wir uns an den Ufern des Victoria=Sees. Wir waren etwa in der Höhe der großen Negersiedlung Karungu auf dem Wege nach Tanganyika. Böhlau und Dr. Freytag breiteten die Karte aus, nahmen den Kompaß und stellten die genaue Richtung zum Kilimandscharo fest. Dieser höchste Gebirgszug war unser nächstes Ziel. Noch einmal nutzten wir die Gelegenheit und badeten im Victoria- See, dann ging es südwestwärts. Fünf Tage lang bekamen wir keinen Eingeborenen zu Gesicht. Selten zeigten sich Zebras und andere Tiere, und nur in der Ferne jagten einige Giraffen über die Steppe. Es waren trostlose Tage für uns. Zudem war unser Wasservorrat völlig erschöpft, und wir mußten Trinkwasser finden. Die Sonne machte uns in diesen Tagen viel zu schaffen. Wir erreichten den Marafluß. Um sein Wasser einigermaßen trinkbar zu machen, mußten wir es abkochen und filtern. Trotzdem war die Typhusgefahr so groß, daß wir nur mit nassen Taschentüchern unsere Lippen und die Mäuler der Pferde anfeuchteten.

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Bild 034 Rückseite

Trommeltelegraf

"Bum dada bam bum bam bum - hier spricht der afrikanische Trommeltelegraf mit allen angeschlossenen Trommeln", so könnte es heißen. Das schnelle und zuverlässige Nachrichtenmittel der Eingeborenen ist die große Trommel, die nach besonderen Takten, ähnlich wie beim Morsealphabet, geschlagen wird. Weithin, bis zu 50 Kilometer, hallt ihr dumpfes Dröhnen; es wird von anderen Trommeln aufgenommen, weitergeleitet und gibt somit schnell Nachrichten über weiten Raum.

Album 034 Platz

Trommeltelegraf

Die Trommelsprache wird von sehr vielen Eingeborenenvölkern Afrikas zur Nachrichtenübermittlung angewandt. Trommeltelegrafen findet man in Kamerun, im westlichen Sudan und an der Guineaküste, auch im Zentral- und Ostsudan und vor allem im Kongogebiet. Die Duala, Uganda, Ongoro, Niloten und viele verwandte Negerstämme bedienen sich der Trommelsprache.

Bild 035 Rückseite

Angriff eines Nashorns

Gute Tieraufnahmen sind Gold wert, aber dabei lauert an jeder Ecke Gefahr. Oft müssen sich die Filmleute erst mühsam einen Weg durch Gestrüpp, Dornenbusch und Sumpflöcher bahnen. Dieses Nashorn stand, von dem fremden Geräusch aufgeschreckt, urplötzlich vor der Linse. Zuerst war es wie versteinert, aber dann stürmte der wütende, tonnenschwere Koloß ganz unvermittelt auf die Kamera zu. Wenn Böhlau mit einem Warnschuß das Tier nicht erschreckt hätte - von der wertvollen Kamera und uns wäre kein Stück übriggeblieben -, so aber brach es zu unserem Glück seitwärts aus und verschwand schnaubend im Gebüsch.

Album 035 Platz

Angriff eines Nashorns

Das Nashorn gehört zur Familie der Unpaarhufer. Es ist ein Pflanzenfresser und von überstiergroßem plumpem Aussehen. Auf dem Nasenbein befinden sich ein bis zwei Hörner, die Gebilde der Oberhaut sind und immer wieder erneuert werden. Nashörner findet man in Afrika und Südostasien. Es sind leicht reizbare und angriffslustige, gefährliche Tiere.

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In der Ferne sahen wir eines Tages einen Höhenzug, den wir am nächsten Tage zu überqueren hatten. Am Fuß dieser Gebirgskette entdeckten wir eine kleine Plantage. Der Besitzer, ein alter Engländer, der uns freudig begrüßte, baute hier Zuckerrohr und Kokosnüsse an. Die Siedlungen der Eingeborenen, die für ihn arbeiteten, lagen in der Nähe der Blockhütte. Hier gab es sogar ein Radio. Der Engländer bot uns seine Gastfreundschaft an, und wir freuten uns mächtig, als wir nach langen Monaten der Abgeschiedenheit wieder einen deutschen Radiosender hören konnten. Nach den Entbehrungen der letzten Tage waren wir gern bereit, vor der Überquerung des Höhenzuges noch etwas auszuruhen. Jeder nutzte die Zeit auf seine Weise. Böhlau bemühte sich, vor dem Spiegel sitzend, das Gestrüpp seines Bartes zu beseitigen. Das schien gar nicht so leicht. Er schnitt furchtbare Grimassen, da und dort zeigten leichte Blutspuren die Härte des Kampfes. Dr. Freytag hatte sich in eine stille Ecke zurückgezogen und kaute nachdenklich auf seinem Bleistift.

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Er mußte die in den letzten Tagen vernachlässigten Aufzeichnungen nachholen. Frank dagegen saß lustig pfeifend auf einem umgekehrten Eimer, um ihn herum lagen die Bestandteile seiner geliebten Kamera, die er mit größter Sorgfalt putzte. Ich benutzte die Gelegenheit, die Plantage zu durchstöbern und unterhielt mich gern mit unserem Gastgeber. Dabei beklagte sich dieser, daß im vergangenen Jahr eine Herde von dreißig Elefanten seine Bananenplantage überrannt habe und die ganze Ernte vernichtete. Der Engländer interessierte sich sehr für unsere Arbeit, und bis in die frühen Morgenstunden hockten wir zusammen und berichteten von unseren Erlebnissen. Ein selbstgebrauter Zuckerrohrschnaps machte immer wieder die Runde. Dabei erhielten wir auch den Rat, Mtakayko, den stolzen, stattlichen Massaihäuptling, aufzusuchen.

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BEI DEN KRIEGERISCHEN MASSAI

Der Marsch durch die nach den Massai genannte Steppe ging durch welliges Gelände. Täglich gegen Mittag niedergehende Regengüsse verwandelten die vielen Mulden in Morast. Eines Abends erstieg ich eine Felsspitze, von der man einen weiten Ausblick auf die Steppe genoß. Dunkle Schirmakazien und lichte Grasflächen harmonierten mit den scharfen Profilen der emporragenden Bergkuppen. Die wuchtige Pyramide des Meruberges und der schneegekrönte Kilimandscharo bildeten in der untergehenden Sonne einen großartigen Hintergrund. Vor mir lag die eigenwillige Form eines Massaikrals. Wir waren am Ziel. Bei Mtakayko fanden wir freundliche Aufnahme, nachdem wir unsere üblichen Geschenke verteilt hatten. Stolz zeigte uns der Häuptling sein Dorf. In der Mitte befand sich der Viehkral, um diesen herum gruppierten sich die vielen kuppelartigen Wohnhütten. Das ganze Dorf war von einem starken, dornigen, sehr hohen Zaun umgeben. Er schützte den Kral vor den Überfällen wilder Tiere. In den Höfen, die die niedrigen lederbedeckten Zelthütten umgaben, riefen die Elmoran, so heißen die Massaikrieger, ihren Sowei (Gruß) zu.

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Markt auf einer Plantage in Kenia

So ein Markttag ist auch für die Eingeborenen in Kenia immer ein Ereignis. In flachen Körben bieten die Händler ihre Ware an, und vor jedem Kauf wird lange gefeilscht.

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Markt auf einer Plantage in Kenia

Kenia ist britisches Kolonialgebiet in Ostafrika. Es ist 582 000 qkm groß und hat rund 4 200 000 Einwohner. Höchster Berg ist der Kenia mit 5242 m, er ist der zweithöchste Berg Afrikas. Klimatisch steht dieses Gebiet unter dem Einfluß der asiatischen Monsune. Hauptstadt ist Nairobi. Die Bevölkerung besteht überwiegend aus Bantunegern. Haupthafen ist Mombasa. Ausgeführt werden Mais, Sisal, Kaffee, Gold und andere wichtige Handelsgüter.

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Elefanteneinbruch in eine Bananenpflanzung

Das muß ein Krachen und Brechen gewesen sein, als die großen Dickhäuter in die Bananenpflanzung einbrachen und sie verwüsteten. Ein Jahr war es schon her, und immer noch konnte man feststellen, wo sie gehaust hatten. Der Schaden war für unseren englischen Freund sehr groß, und viel Arbeit mußte geleistet werden, um den alten Bestand an Bananenstauden wiederherzustellen. Den Elefanten wird es gut geschmeckt haben denn die süßen Bananen sind nicht nur für uns Leckerbissen, auch die Elefanten begehren sie.

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Elefanteneinbruch in eine Bananenpflanzung

Elefanten stehen fetzt unter Naturschutz. Sie sind die größten pflanzenfressenden Säugetiere und größten Landtiere überhaupt. Sie leben in Familien, sind schlau, gereizt sehr gefährlich. 100 fahre sollen sie alt werden. Ihr Gewicht wird mit etwa 80 Zentnern angenommen. Im tropischen Afrika bevorzugt der Elefant waldige und hochgrasige Gegenden. Seine Stoßzähne werden über zwei Meter lang.

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Vor den Hütten kauerten Greise mit scharf geschnittenen Gesichtszügen, und Nditos (Mädchen) lugten neugierig mit glänzenden schwarzen Augen aus dem Innern hervor. Böhlau bat den Häuptling, daß seine Krieger ihren Schmuck anlegen und sich der Kamera stellen sollten. Es war ein imponierender Anblick, die sehnigen und schlanken Gestalten der Krieger mit ihren durchweg fein geschnittenen Gesichtern hatten volle Kriegsbemalung angelegt. In ihrem Waffendienst waren die Massai straff organisiert und hielten seit Jahrhunderten die benachbarten Volksstämme ständig in Schach. Sie gelten seit Urzeiten als ein stolzes kriegerisches Hirtenvolk. Gelehrte glauben, daß sie vor Jahrtausenden aus Asien nach Afrika eingewandert seien. Frank war begeistert, als die buntgeschmückten sehnigen Elmoran mit einem temperamentvollen Tanz erlebnisstarke Bilder für die Kamera lieferten. Bemerkenswert war die Kraft und Gewandtheit, mit der sie dabei ihre Körper oft meterhoch in die Luft schnellten. Das Klirren der zusammenschlagenden Schwerter, Speere und Keulen vermischte sich mit dem aufreizenden Gesang und Dröhnen der Trommeln. Als uns die vielen schnatternden Frauen auffielen, hörten wir, daß die Männer mehrere Frauen besitzen können. Der Massai bezahlt sie mit Fellen, und für eine Löwenhaut kann er drei Frauen erwerben. Sie schmücken sich mit großen Metallreifen und Spiralen, die Hals, Unter- und Oberarme zieren. Für europäische Begriffe bedeutet dies mehr eine Last als ein Schmuck. Mtakayko hatte zwanzig Frauen.

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KILIMANDSCHARO -BERG DES BÖSEN GEISTES

Schnell war eine Woche vergangen. Weiter ging es. Zwei Tage später standen wir an den Ufern des Magadsees, und die Umrisse des Kilimandscharo begannen sich am Horizont abzuzeichnen. Er ist der höchste Berg Afrikas und liegt etwa sechstausend Meter über dem Meeresspiegel. Die Eingeborenen nennen ihn den "Berg des bösen Geistes". Auf einem Gipfel des Berges, dem Kibo, liegt ewiger Schnee. Die Eingeborenen hassen den Berg. Wenn Hungersnot in das Land kommt, ist der böse Geist daran Schuld. Er hat bei jedem Unglück seine Hand im Spiel, und die Eingeborenen glauben daran, daß er im Kilimandscharo wohne. Für uns brachte die Nähe dieses Berges ein angenehmeres Klima. In den letzten Tagen hatten wir bis zu 45 Grad Hitze gemessen, und jetzt zeigte das Thermometer nur 30 Grad. Unterhalb des Kilimandscharo erstrecken sich riesige Kaffee« Pflanzungen. Sie gehören meistens Europäern. Mannshohe Kaffeesträucher sah ich, die die seltene Eigenschaft haben, Blüte und Frucht zu gleicher Zeit zu tragen.

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Der hier geerntete Kaffee zählt zu den besten Sorten der Welt. Das Gebiet, das wir auf dem Wege nach Usambara durchquerten, sah kultiviert aus. Es war ein fruchtbares Hochland. Das Klima war angenehm und es regnete auch häufiger. Dabei konnten alle Pflanzen und Früchte üppig gedeihen. Besonders fielen mir die hohen Stauden der Sisalagave auf. Sisal ist eine aus Mexiko eingeführte Pflanze, aus der eine hanfartige Faser gewonnen wird. In größeren Siedlungen entwickeln sich überall in größeren Siedlungen entwickeln sich überall Industrien, die Sisal zu Garnen, Teppichen und Läufern verarbeiten. Gern sah ich zu, wenn die scharfen Buschmesser in den Händen der muskulösen Schwarzen die harten Blätter der Stauden kappten.

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Massai auf Jagd

Aufregend war für uns alle die Löwenjagd der Massai Nur mit einem Speer und Lederschild bewaffnet kreisen sie das Tier immer enger ein, um es dann auf ein Kommando mit vielen Speeren zu durchbohren. Das Schwirren der blitzschnell geworfenen Speere hat einen eigenartigen surrenden Klang. Für den Löwen gibt es hier kein Entrinnen mehr. Mutig und siegesbewußt kämpfen die tapferen Massai gegen den gefährlichen Feind. Oftmals gelingt es ihnen erst den Löwen zu töten, wenn dieser einen ihrer Kämpfer anspringt. Es war ein spannendes Ereignis für mich.

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Massai auf Jagd

Die Massai wohnen in der nach ihnen benannten Massaisteppe. Sie stammen von den Hamito-Niloten ab. Sie sind von rötlichbrauner Hautfarbe, groß und stattlich. Als Viehzüchter sind sie Nomaden. Ihre Hütten bauen sie aus Strauchwerk, das Gerüst wird mit Grasschicht bedeckt und mit Kuhdung bestrichen oder mit Rinderfellen belegt. Die Hütten sind kreisförmig zu Kralen angeordnet und gegen wilde Tiere und Überfälle mit Dornverhau umgeben. In das Innere dieser Krale wird zur Nacht das Vieh getrieben. Die Männer bekleiden sich mit einem Fellumhang, ihre Frauen schmücken sich mit Metallreifen und Spiralen um Hals, Unter- und Oberarm. Die Krieger sind bewaffnet mit den charakteristischen langen Speeren (besonders lange Spitzen), Schwertern und Keulen. Sie schützen sich mit Schilden, die mit Büffelhaut überzogen sind.

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Kilimandscharo mit Pflanzungen

Dieser schneebedeckte Berggipfel war für uns ein seltsamer Anblick. Die Eingeborenen nennen ihn den "Berg des bösen Geistes", uns brachte er aber kein Unglück. Wir hatten sogar sehr viel Spaß, denn als wir die Schneehöhe erreicht hatten, fingen wir eine lustige Schneeballschlacht an - und das mitten im heißen Afrika.

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Kilimandscharo mit Pflanzungen

Der Kilimandscharo, auch Kisuaheli, "Berg des bösen Geistes", von den Einwohnern genannt, Hegt im früheren Deutsch=Ostafrika. Er ist mit 6000 m der höchste Berg Afrikas. Sein Massiv ist von drei Gipfeln gekrönt, es sind der Schiwa, der Mawesi und der schneebedeckte Kibo.

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SCHNEEBALLSCHLACHT IN AFRIKA

Das gigantische Massiv des Kilimandscharo lockte uns mit seiner weißen im Sonnenlicht glänzenden Eishaube so sehr, daß wir uns entschlossen, ihn zu besteigen. Alle Vorbereitungen für eine Safari, d. h. eine Wanderfahrt, wurden getroffen. Die für diesen Zweck angeworbenen Träger bekamen wie wir warme Decken und Wollmützen, die man über die Ohren ziehen konnte, denn bei der Besteigung mußten wir alle Klimate passieren. Mit einigen Eseln, die unser Gepäck trugen, machten wir uns auf den Weg. Es war ein beschwerlicher Aufstieg. Durch dichtes Gestrüpp, aus dem wir das Orgeln der Affen hörten, vorbei an Gebirgsbächen, stiegen wir höher und höher. In den höheren Lagen trafen wir sogar auf mannshohe weiß= und rotblühende Erika. Die Luft wurde immer eisiger. Aufkommende Nebelschleier ließen uns frösteln. Nach tagelangen Anstrengungen erreichten wir in etwa viertausend Meter Höhe eine Höhle, in der wir uns häuslich niederließen und erst einmal ausruhten. Hier oben war schon starker Frost. Die Luft war dünn, unsere Pulse schlugen schneller, und der rasche Klimawechsel machte uns viel zu schaffen. Nach weiteren Tagen hatten wir endlich die Anfänge des Kibogletschers erreicht und befanden uns inmitten von Eisbergen. Als nun noch Neuschnee fiel, gab es viel, viel Freude, denn eine muntere Schneeballschlacht im heißen Afrika hätten wir uns nicht träumen lassen. Die Ausbeute für unsere Kamera war reichlich. Doch auch das wuchtige Massiv des Kilimandscharo konnte uns auf die Dauer nicht halten. Dem Plan unseres Expeditionsleiters folgend, strebten wir der Ostküste zu. 1400 Kilometer waren zu bewältigen, um nach Mozambique zu gelangen. Ursprünglich wollten wir von Usambara nach Daressalam fahren und von dort aus der Insel Sansibar einen Besuch abstatten.

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Diesen Umweg konnten wir uns nicht leisten, denn in zwei Wochen erwartete man den großen Regen im Hochland. Zu diesem Zeitpunkt mußten wir die Gegend von Njassa erreicht haben. In Usambara hatte Böhlau ein altes Auto gekauft, mit dem wir nach Mozambique fuhren. Das Fahrzeug war mehr als museumsreif. Ein gewaltiges, goldglänzendes Horn mit einem großen geflickten Gummiball zierte es. Wir amüsierten uns mächtig über diese Staatskarosse und trauten ihr nicht allzuviel zu. Aber der "rasende Roland", so nannten wir das Vehikel, schaukelte uns sicher an unser Ziel. Unterwegs begegneten wir einer Gruppe Neger, die Elfenbein transportierten. Sie zogen auf einem Trampelpfad entlang in Richtung der Küste. Sie fühlten sich überrascht und machten ängstliche Gesichter, als wir sie anhielten, um sie für fünf Minuten als Filmschauspieler zu beschäftigen. Gewiß vermuteten sie zunächst, daß wir sie um das "weiße Gold" erleichtern wollten, und ihr Gewissen schien nicht rein zu sein, denn es ist in Afrika verboten, Elefanten zu jagen. Woher hatten sie die Stoßzähne? Wir fragten nicht danach.

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Eingeborene bei der Sisalernte in den Usambarabergen

Am Fuße des Kilimandscharo sah ich Eingeborene bei der Sisalernte. Mit langen scharfen Haumessern schlugen sie die dickfleischigen Blätter von der Sisal-Agave ab. Daß man aus diesen Blättern Tauwerk, Läufer und Teppiche machen konnte, wollte ich erst nicht glauben. Doch bald würde ich eines Besseren belehrt. Auch in unserer Heimat kann man die sehr haltbaren, aus Sisal angefertigten Teppiche kaufen.

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Eingeborene bei der Sisalernte in den Usambarabergen

Usambara liegt im Nordosten des Tanganyika-Territoriums. Das Klima ist gesund. Es handelt sich um eine bis 2300 m hohe Cebirgsscholle, diese ist bewaldet und mit Hochweiden durchsetzt. Viele Kaffeepflanzungen werden hier von Europäern betrieben.

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Eingeborene beim Transport von Elfenbein

"Weißes Gold" nennt man das Elfenbein auch das hier von den ängstlich davonschleichende Negern an uns vorbeigetragen wurde. Sie fühlten sich bei einer verbotenen Handlung ertappt, denn der Elefant darf in Afrika nicht mehr frei erlegt werden. Woher hatten diese Burschen wohl die großen Eiefantenzähne? Ein einzelner Zahn wiegt bis zu 40 kg. Daher trug jeder Neger auch nur eines dieser kostbaren Stücke. In Deutschland schnitzt man daraus die herrlichsten Kunstgegenstände. Die Stadt Erbach im Odenwald beherbergt eine der schönsten und reichsten Sammlungen geschnitzter Elfenbeinkunstwerke. Heute noch ist hier die Elfenbeinschnitzkunst zu Hause.

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Transport von Elfenbein

Elfenbein nennt man die Knochenmasse des Stoßzahnes der männlichen Elefanten, sie ist von gelblicher Färbung. Der afrikanische Elefant wurde wegen des Elfenbeins fast ausgerottet und darf nur noch mit amtlicher Genehmigung geschossen werden. Elfenbeinschmuggel gibt es auch heute noch. Ein Elfenbeinzahn wiegt bis zu 25 kg.

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Wir lagen vor Madagaskar

In Mozambique wollte Böhlau mit uns das afrikanische Festland verlassen und einen kurzen Abstecher nach Madagaskar machen. Wir gingen zum Hafen, um ein geeignetes Schiff für die Überfahrt nach Mayunga, einer Hafenstadt an der Westküste Madagaskars, zu finden. Erst in einer Woche fuhr ein Schiff. Es war ein französischer Küstendampfer. Sein Kapitän sagte uns, daß er in drei Tagen die 500 Kilometer breite Meerenge zwischen Madagaskar und dem Festland überqueren würde. Wir baten unseren Doktor, etwas von seinem umfangreichen Wissen über die Insel zum besten zu geben. Madagaskar, so führte er aus, gehöre eigentlich gar nicht zu Afrika, obwohl die Insel geographisch dem schwarzen Erdteil am nächsten liegt. Madagaskar ist die Heimat schönster Vertreter der Vogelwelt, buntester Schmetterlinge, großblütigster Orchideen und höchster Urwaldriesen. Aber auch die Gefahren sind dort größer als irgendwo. Mancher Forscher und Sammler, der in diese märchenschöne Welt vorstieß, um die buntschillernden Schmetterlinge, funkelnden Kolibris und anderen Ziervögel zu fangen oder auf die phantastischen Orchideenwunder mit ihrem süßen betäubenden Duft Jagd zu machen, wurde Opfer der tausendfältigen Gefahren. Die Bewohner von Madagaskar haben völlig andere Lebensgewohnheiten und nichts mit den Sitten und Gebräuchen der afrikanischen Neger zu tun.

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Man könnte eher davon sprechen, daß Madagaskar und die Inseln der Südsee zusammengehören. Sollte das stimmen, wäre das Rätsel um Madagaskar noch größer. Denn wie läßt sich die Verwandtschaft der Bewohner von Madagaskar mit den Eingeborenen der Südsee erklären? Über eine Karte gebeugt, schaute ich mir Madagaskar gut an. In der Schule hatte ich von dem venezianischen Weltenbummler Marco Polo gehört, der als erster Weißer seinen Fuß auf Madagaskar setzte. Ich wußte auch, daß das Klima der Insel das ungesündeste der ganzen Welt ist. Nach dreitägiger Dampferfahrt landeten wir in Mayunga. Die Behörden waren hier sehr freundlich. Man bewunderte unsere Filmgeräte, und ein hoher französischer Kolonialbeamter lud uns sogar in sein Haus. Er stammte aus Paris, und Dr. Freytag, der dort studiert hatte, konnte sich angeregt mit ihm unterhalten. Wir wollten nicht allzulange auf Madagaskar bleiben. Die Gefahr der Erkrankung war groß. Keiner von uns wollte sein Leben unnötig aufs Spiel setzen. Darum änderte Böhlau seinen Plan, die ganze Insel zu durchstreifen. Dafür sollte es in das Bongolavagebirge und von dort nach Morondawa gehen. Die Bucht von Mayunga überquerten wir in den eigenartigen Booten der Eingeborenen. Das waren Einbäume, die nach beiden Seiten Schwimmkörper ausgelegt hatten wie bei einem Wasserflugzeug, so daß ein Kentern unmöglich war. Wir nahmen uns jeder eines dieser Fahrzeuge, verstauten unsere Filmgeräte und Lebensmittelvorräte, und dann begann ein lustiges Wettrennen zwischen den vier Booten. Nach der Überfahrt zogen Böhlau und Dr. Freytag in ein Eingeborenendorf, um einige Träger für unsere Reise anzuwerben. Sie kamen mit sechs stämmigen Männern zurück, die von nun an unser Gepäck schleppten. Wir brachen noch am gleichen Tage auf und erreichten müde den Rand des Urwaldes.

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Indonesier auf Madagaskar

Uns fiel sofort die helle Hautfarbe der beiden auf. Sie ließ uns erkennen, daß sie keine Neger, sondern Indonesier waren. Der Doktor hielt uns einen langen Vortrag, um uns klarzumachen, woher diese Menschen kämen. Man sagt, Madagaskar sei der Teil eines in der Südsee versunkenen Landes, der sich losgerissen habe und im Laufe vieler, vieler Jahre bis vor die Küste Afrikas getragen wurde. Pflanzen, Tiere und Menschen haben nichts mit denen des afrikanischen Festlandes gemein. Diese eigenartige Tropenwelt hielt uns ganz gefangen, aber gefährlich war sie auch.

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Indonesier auf Madagaskar

Auf Madagaskar gibt es zwei Bevölkerungselemente: a) die Sakalaven (dunkelhäutig), Verwandtschaft mit afrikanischen Negern jedoch zweifelhaft, b) Hova: sprachlich und kulturell Indonesier. Einwanderung der Indonesier etwa um Christi Geburt. Daneben indische, arabische u.a. Einflüsse. Kleidung: Lendentuch und Toga. Waffen: eiserne Lanze und Rundschild. Eisenbearbeitung bekannt (Männerarbeit). Töpferei, Weberei, Flechterei - Frauenarbeit. Schiffahrt: Einbaum, bei Seefahrt mit Auslegern. Es gibt drei Stände: Adel, Bürger, Sklaven.

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Die Luft war drückend, fast unerträglich wurde es. Tiefschwarze Wolken hatten sich zusammengeballt und türmten sich zu drohenden Ungeheuern. Dann zuckten, wie von Dämonenfäusten geschleudert, grelle Blitze ins Urwalddickicht und verwandelten die grüne Hölle des Urwaldes in ein flammendes Meer. Das Grollen und Krachen des Donners war so gewaltig, daß wir glaubten, die Welt müsse über uns zusammenstürzen. Ängstlich hatten sich unsere schwarzen Träger zusammengehockt, und mit riesigen Blättern versuchten sie sich vor dem unaufhörlich niederstürzenden Regen zu schützen. Zuckende Blitze, heulende Stürme, prasselnde Wassermassen, Krachen, Dröhnen und Bersten - das waren entfesselte Urgewalten. Schon nach wenigen Minuten war der Boden total aufgeweicht, und bis zu den Knien standen wir im Morast. Es regnete die ganze Nacht ununterbrochen in Strömen. Am anderen Morgen brannten die sengenden Strahlen der Sonne auf das Chaos ineinandergestürzter Urwaldriesen. Der durch die Hitze schnell verdunstende Morast erfüllte die Luft mit stickiger

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Feuchtigkeit und verseuchte sie mit Billionen von Bazillen und Bakterien. Wir standen noch lange unter dem Eindruck dieser unheilvollen Nacht. Zum Glück hatten wir sie alle gut überstanden. Doch am liebsten wären wir umgekehrt. Jeder von uns dachte nur daran, so schnell wie möglich aus dieser grünen Hölle zu kommen, aber dazu waren wir schon zu weit im Ambongogebiet. Bei unserem Weitermarsch kamen wir durch Dörfer, in denen das Gewitter furchtbare Verwüstungen angerichtet hatte Die aus Bambus- und Palmenblättern hergerichteten Hütten waren zusammengefallen. Der nahe gelegene Fluß war über seine Ufer getreten, hatte die Viehweiden überschwemmt und die Tiere mit sich gerissen. Wir hatten gehofft, alle gut weggekommen zu sein, aber Dr. Freytag klagte schon wenige Tage später über starke Kopfschmerzen und Ermattung. Schließlich wurde er vom tropischen Fieber gepackt, und wir mußten vier kräftige Träger für ihn anwerben. Wir waren daher gezwungen, durch den Urwald zur Küste nach Maintirano zu stoßen. Von hier aus erreichten Wir in zwei Tagen mit einem kleinen Motorboot der französischen Küstenpolizei Morondawa.

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Urwaldgewitter auf Madagaskar

Der Urwald wird auch die "Grüne Hölle" genannt. Eine flammende Hölle aber wurde der Urwald auf Madagaskar, in dem wir ein furchtbares Gewitter erleben mußten. Zuckende Blitze, heulende Stürme, prasselnde Wassermassen, Krachen und Bersten, Schreien und Dröhnen, das waren entfesselte Urgewalten.

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Urwaldgewitter auf Madagaskar

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Dr. Freytag wurde sofort ins Krankenhaus gebracht. Als er wieder geheilt war, verließen wir Madagaskar und fuhren zurück auf das afrikanische Festland nach Beira. Wir waren heilfroh, Madagaskar hinter uns zu haben. Nur schade, daß wir von dieser gefährlichen Insel so wenig Aufnahmen machen konnten.

VON NEGERN GEJAGT

Nach einigen Tagen wohlverdienter Ruhe ging es von Beira nach Chinde, von dort auf dem größten Strom Südafrikas, dem Sambesi, flußaufwärts. Eine gefahrvolle Fahrt durch ein Gebiet kriegerischer Negerstämme stand uns bevor. Vorsorglich hatten wir genügend Waffen und Munition mitgenommen. Von Böhlau bekam ich ein eigenes Gewehr, eine prima Winchesterbüchse. Ich war sehr stolz darauf. Daß ich schießen konnte, hatte ich ja schon bewiesen. Von Chinde fuhren wir über einen kleinen Nebenarm in den großen Sambesistrom. Dichter Urwald lag zu beiden Seiten. In Abständen von Tagen trafen wir auf verstreute Eingeborenensiedlungen.

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Nach zwei Wochen näherten wir uns der Stadt Tete. Der Urwald trat bis an das Ufer heran, so daß wir unser Boot bequem mit einer Leine an einem Mahagonibaum festmachen konnten. Böhlau und Frank gingen, nur mit ihren Gewehren bewaffnet, an Land. Sie wollten sich das Gebiet etwas näher ansehen, um weitere Motive für Aufnahmen zu finden und etwas Frischfleisch zu beschaffen. Dr. Freytag und ich blieben als Wache im Boot zurück. Viele Stunden warteten wir auf die Wiederkehr unserer Freunde. Bald mußte es dunkel werden. Immer unheimlicher wurde uns, wenn wir daran dachten, daß ihnen etwas zugestoßen sein könnte. Unsere Gewehre in der Hand, beobachteten wir angestrengt das Ufer. Auf einmal hörten wir schnell näher kommen« des Lärmen, von vereinzelten Schüssen unterbrochen.

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Vegetation auf Madagaskar

Der Blick auf die farbenprächtige Lagune war bezaubernd schön. Lianen und bunte, betäubend duftende Orchideen ließen den Gedanken aufkommen, wir wären in einem Riesentreibhaus. Die vielen hundert Pflanzen und Blumen kann ich euch gar nicht alle schildern, es war wie auf einer anderen Welt, so schön - so einmalig.

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Vegetation auf Madagaskar

Unter der üppigen Vegetation fällt auf Madagaskar eine Orchideenart auf - die Vanille. Es ist eine Kletterpflanze mit Haftwurzeln. Vier Fünftel der Vanilleerzeugung der Welt liefert Madagaskar. Vanille dient als Gewürz. Anbau von Reis auf künstlich bewässerten Feldern.

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Plötzlich. wurde auch schon das Buschwerk am Ufer auseinandergerissen. Mit langen Sätzen sprang Böhlau, völlig abgehetzt, auf das Boot. Danach jagte auch Frank, dicht verfolgt von wild aufheulenden Negern, heran. Ich schoß sofort auf die Verfolger. Dr. Freytag zerrte Frank schnell ins Boot und kappte das Haltetau. Böhlau warf gleich den Motor an. Wenige Sekunden später schwammen wir bereits mitten auf dem Strom. Wir waren gerettet. "Das konnte schief gehen!", meinte Frank nach völlig außer Atem.

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Erst nachdem die beiden sich etwas gefaßt hatten, berichteten sie uns von ihrem letzten, nicht ungefährlichen Erlebnis. Sie waren weit in den Busch vorgedrungen. Dumpfes Trommelschlagen und lärmendes Stimmengekreisch hatte ihnen die Nähe eines Krals verraten. Sie schlichen heran. Da sahen sie durch grelle Farben dämonisch aufgeputzte Gestalten verzückt um ein Feuer tanzen. Die teuflisch grinsende Maske eines wild vermummten Medizinmannes zeigte ihnen, daß es sich wahrscheinlich um eine Geisterbeschwörung handele. Böhlau war sofort klar, daß sie sich in höchster Gefahr befanden, wenn sie entdeckt wurden. Vorsichtig versuchten sie, sich zurückzuziehen. Da ertönte auf einmal ein schriller Schrei. Ein altes, dürres Weib hatte sie entdeckt. Sofort entstand ein riesiger Tumult. Böhlau und Frank flüchteten. Die in ihrer Beschwörung aufgescheuchten Eingeborenen stürmten laut lärmend hinter ihnen her. Der Abstand verringerte sich zusehends. Es wurde ein Rennen auf Leben und Tod. Ihre Rettung hatten sie nur dem Umstand zu verdanken, daß sie das Ufer in unmittelbarer Nähe des Bootes erreichten..

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Halbaffen auf Madagaskar

Auf Madagaskar leuchteten mir erstmalig aus dem dichten Grün des Urwaldes weite, glänzende Augen seltsamer Geschöpfe entgegen. Es waren Makis- Halbaffen-,die auf Madagaskar in den verschiedensten Arten angetroffen werden. Wie Gespenster aus einer anderen Welt sehen sie aus.

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Halbaffen auf Madagaskar

Halbaffen - Makis - leben auf Madagaskar in verschiedenen Arten. Es sind die seltsamsten Geschöpfe unter den Säugetieren. Sie leben auf Bäumen. Großäugig, sehen sie wie Gespenster aus. Es ist eine erdgeschichtlich sehr alte Säugetiergruppe der Alten Welt. Einige Arten leben auch auf dem afrikanischen Kontinent.

 

 

 Äthiopien

Geographie Äthiopien

Hauptstadt Addis Abeba

Äthiopien liegt mit seiner Fläche von 1.100.000 km² küstenlos im Nordosten von Afrika. Im Norden grenzt Athiopien an Eritrea, im Nordwesten an Dschibuti, im Westen an Somalia, im Süden an Kenia und im Osten an dem Sudan. Äthiopien ist neben Lesotho das am höchsten gelegene Land des Kontinents: 50 % seiner Fläche liegen höher als 1200 Meter, mehr als 25 % über 1.800 Meter, und über 5 % erreichen noch Höhen über 3.500 Meter. Die Hochlandsgrenzen und die Einschnitte der Flüsse (Nil, Omo, Takaze) sind sehr steil ausgebildet. Das Hochland von Äthiopien wird Abessinien genannt. Zeitweise wurde der Name Abessinien auch für ganz Äthiopien verwendet. Das Hochland von Abessinien nimmt den größten Teil von Äthiopien ein. Hier im Hochgebirge liegt auch die Hauptstadt des Landes: Addis Abeba (2.370 m ü. NN). Der höchste Berg des Hochlandes ist der Ras Daschan Terara mit über 4.545 m. Gefolgt vom Talo (4.415 m), dem Guma Terara (4.230 m) und dem Guge (4.200 m). Durch die Mitte des Staats zieht sich der von Nordost nach Südwest ziehende Afrikanische Grabenbruch (örtlich wird der Teil Abessinischer Graben genannt). Auf dessen südöstlicher Seite schließt sich das Somali-Hochland mit dem Deemtu (4.375 m) an. Die tiefste Landesstelle befindet sich mit 116 m unter dem Meeresspiegel in der Koba-Senke westlich der Grenze zu Eritrea.

Die Bevölkerung Äthiopiens

Oromos 35 %, Amharas 27 %, Somalier 6 %, Tigrinier 6 %, Sidamas 4 %, Gurager 2,5 %, Welaitas 2,3 %, Afar 1,7 % andere 15,5 %

Klima Äthiopiens

Die klimatischen Unterschiede innerhalb von Äthiopien sind in erster Linie durch die Höhe bedingt, in den Tiefebenen ist es heiß, und in den Hochebenen relativ kühl. Regenzeit ist im Hochland Juni - September sowie Februar - April. Die Hauptregenzeit in den Tiefebenen ist zwischen Juni und September und eine kleine Regenzeit gibt es in den Monaten Februar und März.

 

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